Avocado bis Zitrone: Exotische Pflanzen selbst ziehen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.08.2026 04:58

Avocado bis Zitrone: Exotische Pflanzen selbst ziehen

Vom Kern zum Exoten: In den Samen reifer Früchte steckt das Potenzial für eine ganz neue Pflanze. (Foto: Dalia Villegas Moreno/dpa/dpa-tmn)
Vom Kern zum Exoten: In den Samen reifer Früchte steckt das Potenzial für eine ganz neue Pflanze. (Foto: Dalia Villegas Moreno/dpa/dpa-tmn)
Vom Kern zum Exoten: In den Samen reifer Früchte steckt das Potenzial für eine ganz neue Pflanze. (Foto: Dalia Villegas Moreno/dpa/dpa-tmn)

Es braucht nicht viel, um sich ein kleines Stück Exotik ins Haus zu holen: oft reicht schon ein Kern aus der eigenen Küche. „Die Samen sind so verschieden, von winzig klein bis riesengroß. Es ist einfach toll, wenn sie keimen und die Pflanzen wachsen“, sagt Gabriele Lehari, Biologin und Autorin („Exotische Früchte selbst ziehen“).

Avocado für schnelle Erfolge

Aber ist es einfach, exotische Pflanzen selbst zu ziehen? „Bei der Avocado funktioniert es eigentlich immer“, so die Expertin. „Sobald das erste Grün aus dem Samen guckt, kann man beinahe zusehen, wie sie wächst. Nach einem Jahr ist eine Avocado-Pflanze etwa einen Meter hoch.“

Damit das klappt, wird der Same aus dem Fruchtfleisch gelöst und für 48 Stunden in warmes Wasser gelegt. Anschließend zieht man vorsichtig die dünne braune Schale ab. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: 

Variante 1: Drei Zahnstocher werden behutsam etwas oberhalb der Mitte in den Samen gesteckt. Die Zahnstocher legt man auf ein randvoll mit Wasser gefülltes Glas, sodass die untere Hälfte des Kerns im Wasser hängt. Dunkel und warm gestellt, bilden sich nach zehn Tagen bis sechs Wochen Wurzeln. 

Sobald der Spross zu sehen ist, kommt das Glas auf die Fensterbank, aber möglichst nicht in die pralle Sonne. Das Gefäß selbst wird mit Folie umwickelt, sodass die Wurzeln abgedunkelt sind. Ist das ganze Glas mit Wurzeln gefüllt, setzt man die Pflanze in einen Topf mit Erde.

Variante 2: Der Kern wird gleich nach dem Abziehen der braunen Schale so in Erde gesteckt, dass die obere Hälfte herausschaut. Dann kann man das Wurzelwachstum natürlich nicht beobachten.

Auf die Reife kommt es an

Die Samen gründlich zu reinigen ist bei allen Pflanzenarten wichtig. Und „die Früchte müssen richtig reif sein. Das ist das A und O. Sonst keimt der Same nicht“, erklärt Gartenbauingenieurin und Autorin Heike Boomgaarden. Ihre Favoriten sind Zitrusfrüchte. 

„Die Blüten duften so herrlich und sie tragen Früchte“ - sogar die selbst aus Samen gezogenen manchmal. „Wer klassische Sorten haben will, der nimmt Stecklinge, um neue Pflanzen zu ziehen. Wer Überraschungen liebt, der zieht aus Samen“, so die Gartenbauingenieurin.

Zitronen: Erst kalt, dann warm

Bei der Aussaat von Zitronen ist eine Besonderheit zu beachten: Die Samen sollten erst einige Tage im Kühlschrank liegen. „Der Kältereiz hilft die Keimzeit zu verringern, auf etwa 30 Tage“, sagt Boomgaarden. Ohne Kühlung dauert es häufig viel länger.

Anschließend werden die Samen direkt auf Erde gelegt und leicht damit bedeckt. Da die Samen genug Nährstoffe für die Keimung enthalten, sollte unbedingt Aussaaterde verwendet werden, empfiehlt Gabriele Lehari. Gedüngt wird, wenn ein Pflänzchen wächst.

Zitronen mögen es warm - wie alle Exoten. Daher ist ein kleines Zimmergewächshaus für die Anzucht ideal. Ein großes Einmachglas tut es auch. Unten ins Glas werden Steine als Drainage gelegt. Darüber kommt feuchte Anzuchterde. Verschlossen wird das Glas mit Plastikfolie.

Granatapfel für Geduldige

Ganz einfach aber langwierig ist die Aussaat von Granatäpfeln. Nachdem die Kerne so gut wie möglich vom Fruchtfleisch befreit wurden, kann man sie ein bis zwei Tage in Wasser quellen lassen. 

Danach kommen immer fünf bis sechs Samen in einen Topf mit Aussaaterde und werden feucht gehalten - für zwei bis drei Monate. So lange dauert es häufig, bis sie keimen.

Mango für Handwerker

Der große, harte Mangokern braucht genauso lang, um einen Keimling zu entwickeln. Die Wartezeit verkürzt sich auf drei bis vier Wochen, wenn der innere Saatkern von der harten Schale befreit wird. 

Dazu bohrt man mit einem Messer vorsichtig in das spitze Ende, bis sich die Schale öffnet und der Saatkern herausgelöst werden kann. Dieser wird flach auf einen Topf mit Anzuchterde gelegt und warm gestellt, 20 bis 25 Grad. Über den Topf sollte eine durchsichtige Plastiktüte gestülpt werden.

Zu beobachten, wie aus dem Keimling ein Strauch wird, ist eine „wunderschöne Erfahrung, vor allem mit Kindern und Enkeln“, sagt Heike Boomgaarden. „Man freut sich immer, wenn man die zusammen gezogene Pflanze anschaut.“

Klein anfangen mit Kaktusfeigen

Klitzeklein fangen Kaktusfeigen an. Schon die Samen sind winzig. Gründlich gereinigt kommt immer ein Same in ein Töpfchen, da Opuntien, wie Kaktusfeigen auch genannt werden, das Pikieren nicht gut vertragen. 

Nach drei bis sechs Wochen erscheinen erste dickfleischige Vorkeimblätter. Dazwischen wächst das erste richtige Kaktusblatt. „Diese winzigen Öhrchen sind sehr putzig und haben bereits Stacheln“, so Lehari.

Wer gern von den eigenen Pflanzen erntet, hat mit der vegetativen Vermehrung bessere Karten als mit der Anzucht aus Samen. Sie funktioniert auch bei Kaktusfeigen. Steckt man ein Opuntien-Ohr in eine Mischung aus Erde (70 Prozent) und Sand (30 Prozent) und hält diese feucht, entsteht daraus meist eine neue Pflanze.

Neue Ananas aus der Krone

Mit etwas Glück blühen und fruchten auch vegetativ vermehrte Ananas-Pflanzen. Dazu schneidet man die Blattrosette am oberen Ende der Frucht zusammen mit einer zwei Zentimeter dicken Scheibe Fruchtfleisch ab. 

Dann werden Fruchtfleisch und untere Blätter entfernt, bis ein zwei bis drei Zentimeter langes Stück Stamm frei liegt. Daran seien häufig schon kleine Würzelchen zu erkennen, sagt Gabriele Lehari. Das freie Ende wird in Bewurzelungshormon getaucht und in ein leicht feuchtes Erde-Sand-Gemisch (im Verhältnis 1 zu 1) gepflanzt und warm (21 bis 27 Grad) gestellt.

Ingwer für die sichere Ernte

Ziemlich sicher geerntet werden kann Ingwer. Auch er wird vegetativ vermehrt. Häufig sind an den fleischigen Rhizomen schon Triebknospen zu erkennen. Sie werden in Anzuchterde gelegt und mit ein bis zwei Zentimeter Substrat bedeckt. Eine über den Topf gestülpte Plastiktüte sorgt dafür, dass die Erde feucht bleibt. 

Bis sich Wurzeln bilden, kann es Wochen dauern. Im Sommer kann die Pflanze draußen an einem geschützten Ort oder im Gewächshaus stehen. Hat sie genügend Erde, wächst das Rhizom bis zum ersten Frost beachtlich und kann geerntet werden.

Aussaat unabhängig von Jahreszeit

„Im Urlaub am Mittelmeer oder in den Tropen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man reife Früchte bekommt, deren Samen besser keimen. Einfach mal probieren und die Samen mitnehmen“, schlägt Gabriele Lehari vor - wenn es die Zollbestimmungen des Landes erlauben.

Ansonsten sind tropische Früchte vor allem im Winter in gut sortierten Supermärkten und im Fachhandel zu bekommen. Die Chancen für eine erfolgreiche Anzucht stehen gut, denn „man kann eigentlich alles machen - man muss nur wissen wie“, so Heike Boomgaarden.

© dpa-infocom, dpa:260813-930-521913/1


Von dpa
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