Derzeit boomen Photovoltaikanlagen. Die Folge sind sehr lange Wartezeiten, bis nach einem Auftrag Solarstrom erzeugt wird. Und die Preise für die Anlagen steigen. Weil die Entwicklung nicht absehbar ist, machen viele Händler keine Kostenvoranschläge.
Dies sind die Erfahrungen der Innung für Elektro- und Informationstechnik Ansbach, der regionalen Vertretung der Elektrofachbetriebe. Die Innung hat in der Stadt und dem Landkreis Ansbach und vereinzelt auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim rund 80 Mitgliedsbetriebe. Peter Pickel aus Leutershausen ist Fachbereichsleiter für Elektrotechnik, zu dem der Bereich Photovoltaik angehört.
Eigentlich zuständig für den Landkreis Neustadt/Aisch Bad Windsheim ist Roland Paulus, der Obermeister der Innung für Elektro- und Informationstechnik Nürnberg/ Fürth. Die FLZ übermittelte ihm die Einschätzungen von Peter Pickel. Paulus antwortete: „Im Landkreis Neustadt-Aisch/Bad-Windsheim haben wir circa 20 Mitglieder. Die Situation ist bei uns genauso wie bei den Kollegen in Ansbach.“
Was sagen Pickel und viele seiner Kollegen einem Bürger, der derzeit etwa auf das Dach eines Einfamilienhauses eine Photovoltaikanlage montieren lassen möchte? „Dieses Jahr können wir Ihre Photovoltaikanlage nicht mehr installieren“, sei aktuell häufig die Antwort.
Wolle man „den Sonnenstrom im eigenen Haushalt inklusive Speicherung nutzen“, sieht Pickel mehrere Ursachen für die langen Wartezeiten. So müssen Stromspeicher und Wechselrichter aufeinander abgestimmt sein. Und beides müsse verfügbar sein, was oft nicht der Fall sei. Wolle jemand ausschließlich Strom ins Netz einspeisen, sei der Wechselrichter oft früher beschaffbar.
Doch auch die Kapazitäten der Installationsbetriebe seien begrenzt, weil freie Stellen oft nicht besetzt werden können. „Selbst wenn wir die Produkte hätten, bräuchten wir das nötige Personal, um alle Aufträge rasch erledigen zu können.“ Peter Pickel ergänzte: „Wir installieren jetzt Anlagen, die vor einem halben- bis dreiviertel Jahr bestellt wurden.“
Indes sei schon 2022 die Nachfrage stark gestiegen. Dies habe sich 2023 noch verstärkt. Die Hauptgründe dafür sieht Pickel darin, dass seit Beginn des Jahres für Privatpersonen und Anlagen bis zu einer Höchstleistung von 30 Kilowatt eine Umsatzsteuer von „null“ Prozent für alle Komponenten, die für eine Photovoltaik-Anlage relevant seien, bestehe.
Und der starke Anstieg des Strompreises von rund 25 auf derzeit bis zu 50 Cent und mehr habe die finanziellen Anreize, sein Geld in eine Photovoltaikanlage mit Eigenstromnutzung zu investieren, nochmals massiv befeuert, zumal angesichts der hohen Inflation Sparguthaben rasch massiv an Wert verlieren. Das Beispiel Photovoltaik zeige, dass das Ziel, die Energiewende rascher voranzubringen, oft noch an den mangelnden Kapazitäten scheitere.
Zudem erläuterte Peter Pickel, dass ein Kostenvoranschlag für eine Anlage, die erst im kommenden Jahr installiert werden kann, keinen Sinn mache. Wenn aufgrund der weltweit großen Nachfrage nach Photovoltaik größere Produktionskapazitäten geschaffen würden, könnten die Preise, die durch den Boom immer mehr steigen, auch wieder sinken.
Indes ist auch die Verwaltung des Landkreises Ansbach von den langen Wartezeiten für die kompletten Komponenten einer Photovoltaikanlage betroffen. Der Kreis Ansbach erzeugt zum Beispiel bereits auf dem Dach seines Verwaltungsgebäudes in Ansbach Sonnenstrom, wobei möglichst viele der erzeugten Kilowattstunden umgehend im Amt verbraucht werden, so auf FLZ-Anfrage Pressesprecher Fabian Hähnlein. Dies ist auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim die Strategie für viele Kreisanlagen.
Das Landratsamt Ansbach beabsichtige, auf den Dächern des Gymnasiums Windsbach und der Realschule Feuchtwangen ebenfalls Photovoltaikanlagen zu installieren, fügte Hähnlein hinzu. Doch auch für den Landkreis Ansbach haben die aktuellen Engpässe eventuell Folgen. Hähnlein: „Die Projekte sollen – in Abhängigkeit von der Liefersituation – im Jahr 2023 umgesetzt werden. Allerdings ist die Verfügbarkeit vor allem von Wechselrichtern derzeit eingeschränkt. Deren Lieferzeit wird mit bis zu einem Jahr angegeben.“
Für den Anbau des Neustädter Landratsamts sei eine Photovoltaikanlage geplant, so Bastian Kallert von der Pressestelle der Behörde. Dies gelte auch für das Staatliche Berufliche Schulzentrum Scheinfeld. Kallert ergänzte: „Bis Ende April soll die Installation weiterer Photovoltaik-Anlagen am Gymnasium in Scheinfeld erfolgen. Hier kommt es nach aktuellem Kenntnisstand zu keinen Beeinträchtigungen auf Grund von Lieferengpässen.“
Solche Anlagen gebe es etwa auch auf der Neustädter Berufsschule, auf der Mensa des Förderzentrums Bad Windsheim, auf dem Schulzentrum Neustadt, dem Gymnasium Bad Windsheim und auf der Energie- und Verwertungsanlage Dettendorf.