Viele Stunden wurde beraten, diskutiert und gestritten, ehe die Abschaltung der Straßenbeleuchtung im September 2023 letztlich einstimmig von den Stadträten beschlossen worden war. Nun wagt die Offene Linke die Rolle rückwärts: Die Lichter sollen nachts doch wieder angehen.
Die Abstimmung im dafür zuständigen Umwelt- und Verkehrsausschusses vor nicht einmal einem Jahr ließ keine Zweifel zu: Mit Ausnahme der als verkehrswichtig eingestuften Straßen wurde die Straßenbeleuchtung peu á peu im gesamten Stadtgebiet in der Nacht abgeschaltet. Von 23.30 bis 4.30 Uhr leuchtet keine Laterne – sowohl in der Kernstadt als auch in den verschiedenen Ortsteilen. Bereits seit 2019 hatte sich die BAP dafür stark gemacht.
Ein Probelauf in den Ortsteilen Wallersdorf, Dornberg und Käferbach – wo übrigens und rein zufällig allesamt Mitglieder der antragstellenden BAP-Fraktion wohnhaft sind – führte zu keinem Aufschrei oder gar zu ernsthaften Sicherheitsbedenken vonseiten der Bevölkerung. Zumindest nicht in den Ortsteilen.
In der Kernstadt allerdings gab es durchaus Stimmen, die sich gegen die Abschaltung aussprachen. Im November 2023 entsprang aus der Bürgerversammlung ein Antrag, die Regelung zu verkürzen. Der fand jedoch keine Mehrheit. Bislang.
„Die Erfahrungen zeigen, dass wir umdenken müssen“, findet nun aber Boris-André Meyer. Der Fraktionsvorsitzende der Offenen Linken Ansbach hatte vor nicht einmal zwölf Monaten noch ganz anders argumentiert. Damals ging es in Zeiten deutlich erhöhter Energiekosten vornehmlich darum, Strom einzusparen und damit den finanziellen Aufwand für die ohnehin klamme Kasse der Stadt deutlich zu minimieren.
Dieses Ansinnen ist inzwischen in die Tat umgesetzt. Durch die Umrüstung der Straßenlaternen auf LED-Technik, die nach Auskunft der Verwaltung nun praktisch abgeschlossen ist, werden im Vergleich zum bisherigen Aufwand rund 50 Prozent Strom eingespart. Im Verbund mit der nächtlichen Abschaltung steigt diese Einsparung gar auf einen Wert von 80 Prozent, ließ Baureferent Jochen Büschl wissen.
Diesen Umstand will Boris-André Meyer gar nicht bestreiten. Für ihn steht bei inzwischen wieder gesunkenen Stromkosten „das Sicherheitsempfinden der Menschen“ im Fokus. An ihn hätten sich zahlreiche Bürger mit dem Wunsch nach mehr Licht in den Nachtstunden gewandt, berichtete er im Ausschuss. „Frauen haben Angst, in der Nacht alleine heimzugehen. Das ist ein Stück Freiheit, und das sollte uns das Geld wert sein.“
Er brachte die Idee ins Spiel, ob man die Laternen nicht zumindest eine Stunde länger brennen lassen könnte. „Das ist ein Rückfall der OLA zu populistischer Politik“, kanzelte ihn der Ausschuss-Vorsitzende Dr. Markus Bucka (BAP) ab. Die Regelung in ihrer bestehenden Form hätte sich schließlich bestens bewährt. Auch BAP-Urgestein Hannes Hüttinger sprach sich klar dafür aus, die Diskussion nicht wieder von Neuem zu beginnen. Die Argumente seien schließlich ausgetauscht und das Thema von allen Seiten beleuchtet.
Wobei Hüttinger nun selbst dann doch noch einmal die Entscheidungsfindung ausführlich Revue passieren ließ. Gebetsmühlenartig zitierte er zum wiederholten Male die Studie einer englischen Universität, wonach es in Städten, in denen das Licht in den Nachtstunden aus bleibt, zu deutlich weniger Straftaten kommen soll. Und in Sachen Klima- und Artenschutz legte Hüttinger nach und wies abermals auf die Vorteile für Insekten hin, die ansonsten von der Lichtverschmutzung irritiert würden.
„Kollege Hüttinger läuft mit Scheuklappen durch die Stadt. Er sieht nur das, was er sehen will“, setzte Meyer einen verbalen Konter. In nicht wenigen anderen Städten, die die Laternen in der Vergangenheit in den Nachtstunden abgeschaltet hätten, würde nun umgedacht.
In Ansbach wird das wohl kaum passieren, wurde in der Sitzung deutlich. „Ich sehe keine Chance, dass sich da etwas ändert“, befand etwa CSU-Stadtrat Otto Schaudig in Richtung Meyer: „Ich hätte sie da unterstützt.“ Auch Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) gilt nicht als Befürworter der Maßnahme.
Für Grünen-Fraktions-Chefin Meike Erbguth-Feldner war das Thema etwas zu hoch gehängt. Abgeschaltete Lampen könne man doch nicht mit einer Einschränkung der Freiheit gleichstellen, meinte sie. Ihr Vorschlag, zumindest einzelne Straßen länger zu beleuchten, fand aber als technisch und wirtschaftlich nicht umsetzbar kein Gehör. Boris-André Meyer gab sich damit aber nicht zufrieden: Er will das Thema nochmals im Stadtrat einbringen. Das nächste Kapitel einer schier unendlichen Geschichte.