In de Woche ab Montag, 2. Juli 1923, wird der Polizeihund Benno von der Landespolizei Ansbach in der Fränkischen Zeitung gelobt wegen seiner „glänzenden Leistung“. Benno hat „bei der Aufklärung eines Leichenfundes bei Gunzenhausen erfolgreich mitgewirkt“.
„Am 20. Juni morgens wurde bekanntlich in der Ecke eines Gebäudes in Wachstein bei Gunzenhausen die ledige Dienstmagd Sophie Meyer tot aufgefunden. Der Tatbestand ließ erkennen, daß die Leiche von einem etwa 300 Meter außerhalb der Ortschaft gelegenen Platz an den Fundort gebracht worden war“, berichtet die Lokalredaktion.
Polizeihund Benno und sein Halter seien nachmittags am Tatort eingetroffen. „Von dort aus führte Benno auf Umwegen in ein Anwesen. Durch den Lärm des Hofhundes wurde der Sohn des Anwesensbesitzers herbeigelockt. Der Polizeihund ging sofort auf diesen zu, setzte sich vor ihm zu Boden und gab Laut. Daraufhin wurde der Landwirtssohn festgenommen, der nach anfänglichem Leugnen die Tat eingestand.“ Die von Benno verfolgte Spur sei „etwa 1000 Meter lang und ungefähr 13 Stunden alt“ gewesen.
Mit Leichenfunden muss sich die hiesige Polizei selten beschäftigen, dafür umso öfter mit „Schnellfahrern“: Eine Bekanntmachung des Innenministeriums „macht es den Polizeibehörden nachdrücklichst zur Pflicht, die vorgeschriebene Fahrgeschwindigkeit namentlich innerhalb geschlossener Ortsteile und auf unübersichtlichen Wegen strenge zu überwachen“. Auch in Ansbach, heißt es dazu in der Zeitung, „ist der Unfug des Schnellfahrens – auch bei manchen Radfahrern – sehr im Schwung, dem entschieden entgegengetreten werden muß“.
Im Stadtrat wird über die nach wie vor dramatische Wohnungsnot diskutiert, wobei eine Frau Obermeier im Zentrum der Debatte steht. Diese Dame, beklagt Herr Kasparbauer, sei vor dreieinhalb Jahren nach Fürth gezogen, wolle aber ihre Ansbacher Wohnung partout nicht räumen. Nun soll sich zwar das Wohnungsamt der Angelegenheit vehement annehmen, doch „Frau Obermeier scheint von der Sache Wind bekommen zu haben und ist auf einmal hier wieder aufgetaucht“.
Ein weiteres Diskussionsthema ist die Aufwandsentschädigung für die Ratsmitglieder. Stadtrat Schramm hat den Antrag gestellt, „es möge als Aufwandsentschädigung der Stadträte ein noch zu bestimmendes Quantum Holz aus dem Stadtwald abgegeben werden“. Aktuell bekommen die Räte 1000 Mark monatlich, was in den Zeiten der Hyperinflation nicht allzu viel ist.
Der Vorsitzende Dr. Borkholder „merkt an, daß die Aufwandsentschädigung überhaupt wegfallen sollte, weil es ein Ehrenamt sein soll“, schildert die Zeitung. „Stadtrat Schramm erklärt dazu, das Ehrenamt habe seine Grenzen. Stadtrat Münch ist der Ansicht, daß die Aufwandsentschädigung erhöht werden sollte. Die Leute wüßten nicht, was ein Stadtrat alles für Aufwendungen habe.“ Zum Beispiel müssten die Ratsmitglieder, wenn sie zu einer Vereinsveranstaltung abgeordnet seien und in offizieller Funktion teilnehmen, trotzdem Eintritt bezahlen.
Ärger gibt es, weil einige Ansbacher, denen durch „die städtische Verteilungsstelle“ Brennholz zugewiesen wurde, das Holz weiter veräußert haben. „Wer Brennholz nicht für den eigenen Gebrauch benötigt, hat keinen Anspruch auf Zuteilung“, betont die Lokalredaktion. Wer beim Verkauf erwischt werde, müsse künftig eine hohe Strafe zahlen.
Einen „Spaziergang auf der Bernadotte-Wiese“ hat der Verein „Freunde der Schule“ unternommen. „Der Ausflug und die Darbietungen standen im Zeichen unseres Heimatdichters Friedrich Güll. Die schöne Wiese eignete sich vorzüglich für die Veranstaltung“, schwärmt die Zeitung. „Herr Oberlehrer Münch bot mit feinstem Humor einen fesselnden Bericht über das Leben unseres Dichters und die Kinder gewährten durch ihre vorzüglich dargebotenen Gedichte, Gesänge und Reigen einen Einblick in das reiche Schaffen unseres immer noch zu wenig gesehenen Güll.“
Die Gebühren für die Besichtigung des Schlosses werden höher, wie die Krongutsverwaltung mitteilt: Ab sofort zahlen Ausländer 12.000 Mark für den Besuch der Ansbacher Residenz. Für Deutsche und Deutsch-Österreicher beträgt der Eintrittspreis 2000 Mark, für Kinder unter 15 Jahren 300 Mark.
In den Bären-Lichtspielen läuft ein Stummfilm über den fränkischen Raubritter Eppelein von Gailingen. Ludwig Singer junior aus Herrieden verabschiedet sich mit einer Zeitungsannonce von seinen Freunden: „Bei meiner Abreise nach Amerika ein herzliches Lebewohl!“ Lehrer Herrmann aus Kloster Sulz bei Dombühl sucht ein „fleißiges Mädchen aufs Land gegen zeitgemäßen Lohn“.
Eine Ansbacher Eisenhandlung möchte einen „Lehrling aus guter Familie“ beschäftigen. „Mittagstisch wird eventuell gewährt.“ Und auf der Kirchweih in Neuendettelsau hat sich der Inhaber des Loses Nummer 80 nicht gemeldet: „Rechte darauf sind binnen drei Tagen geltend zu machen.“