In der Woche ab Montag, 12. Oktober 1925, treiben Einbrecher ihr Unwesen in Ansbach. Der mutige Polizeioberwachtmeister Ittner und der schnelle Wachtmeister Gehret nehmen die Verfolgung auf, ein Schuss fällt, und ein Ganove wird festgenommen.
Schon seit Monaten kommt es in ganz Mittelfranken zu nächtlichen Einbrüchen in Geschäftsräume und Wirtschaften – nun auch in Ansbach. „Einbrecher versuchten, in die Wohnung des Malermeisters Hermann in der Endresstraße einzudringen”, berichtet die Fränkische Zeitung. „Sie hatten bereits einen Blumenkasten von einem Erdgeschoßfenster auf den Boden gestellt gehabt und eine Fensterscheibe mittels Glasschneiders ausgelöst. Durch das Geräusch erwachte Frau Hermann, machte Licht und verscheuchte dadurch die Einbrecher. Herr Hermann verständigte um 1.45 Uhr telephonisch die Polizei.”
Wenig später, gegen 3 Uhr, „bemerkten zwei Polizeibeamte in der Platenstraße vor der Wirtschaft zum Deutschen Reich einen Mann und sprachen denselben an. Es war ein Fremder, der alsbald die Flucht ergriff”, wie die Redaktion weiter schildert. „Bei seiner Verfolgung schoß er nach dem Polizeioberwachtmeister Ittner. Wachtmeister Gehret konnte dem Flüchtigen durch eine Seitengasse den Rang ablaufen, sodaß dessen Festnahme gelang. Wie sich herausstellte, hatte der Festgenommene Posten gestanden, während ein Zweiter in die Gastwirtschaft eingebrochen war.” Von dem Komplizen fehlt jede Spur.
Die neuen Glocken der Stadtkirchen „sind eingerichtet und rufen mit ehernem Munde in die kühlen Herbsttage hinaus”, beschreibt die Presse ergriffen. „Ihrem würdigen Ruf, der froh und ernst zugleich erklingt, folgen die Gläubigen.” Wer der Wissenschaft zugeneigt ist, besucht nicht nur den Gottesdienst, sondern auch die nächste Veranstaltung der Ortsgruppe des Universitätsbundes. „Sie eröffnet ihre Winterarbeit mit einem Vortrag des Herrn Universitätsprofessors Dr. Messer aus Gießen.” Das Thema: „Die geistige Krisis der Gegenwart”.
Oder doch lieber die schönen Künste? Dann auf ins Schlosstheater, denn dort gastiert erstmals die Wanderbühne der Münchner Isar-Athen-Gesellschaft. „Sie erzielt mit der sehr besinnlichen, oft übermütigen Komödie ,Scampolo, das Gassenmädel‘ einen vollen Erfolg. Das Stück ist mit reizenden Dialogen ausgestattet. Das Publikum geht freudig mit und kommt in beifallslustige Stimmung.” Schon bei der ersten Vorstellung der Truppe ist das Haus ausverkauft. „Möge diese erfreuliche Tatsache bei Beginn der Spielzeit ein gutes Vorzeichen für den weiteren Besuch sein.”
Ein Zuschauer hat nach der Aufführung seine Windjacke vertauscht. Wer die falsche Jacke mitgenommen hat, möge sich an der Theaterkasse melden. Das Hotel Zirkel sucht „sofort einen zuverlässigen, nüchternen Pferdewärter”. In der Schalkhäuser Straße 84 sind „ein getragener Militärmantel, Ledergamaschen und ein Grammophon mit Platten” zu verkaufen. Junge Ansbacherinnen, die Großstadtluft schnuppern möchten, können sich im Grand-Hotel in Nürnberg bewerben, das „zwei gewandte Etagenmädchen” einstellen möchte. „Angebote mit Bild an die Direktion erbeten.”
Die Löwen-Apotheke, die Maximilian-Apotheke und die Drogerie Kämpf werben in einer gemeinsamen Annonce für ihre Angebote und Beratung in Sachen Haare: „Graues Haar macht alt! Darum färbt man es jugendlich mit der Haarfarbe Julco. Lästige Härchen entfernt spur- und schmerzlos Crinex-Pulver. Haarschwund und Haarausfall beseitigt vorzüglich Crescrinella. Kopfläuse mit Brut vernichtet radikal Edelfluid.”
Rappelvoll ist „die Mädchenturnhalle am Karlsplatz”, als das hiesige Gymnasium dort ein Morgenkonzert gibt. „Es war eine Freude, mit welchem Verständnis und welcher Sicherheit die jungen Leute den keineswegs geringen Anforderungen (Bach!) gerecht zu werden verstanden. Daß technisch nicht gar zu Schweres gewählt wurde, ist durchaus zu loben. So kam ein gesundes, frisch-fröhliches Musizieren zustande, dem nichts von dem Peinlichen unzulänglicher Schülerversuche am untauglichen, weil viel zu schwierigen Objekt anhaftete.” Die Mädchenturnhalle am Karlsplatz ist vermutlich die auch für Sport genutzte Karlshalle.
Ein „Weltreisender” ist in Ansbach eingetroffen. „Der 40jährige Mann ist von Krefeld und legt mit seinem 35 Kilogramm schweren Rucksack pro Tag 40 Kilometer zurück. Wie er erklärt, hat er bereits Italien, Afrika, Spanien, Portugal, Frankreich und die Schweiz bereist und geht von hier über Nürnberg, Regensburg, Passau nach Oesterreich, dann nach dem Balkan, Ungarn, Rußland, Norwegen, Dänemark, England, Amerika, Japan, China, Indien. Australien, Südafrika und Holland, von wo er wieder nach Deutschland zurückkehrt.” Geld verdient er, „indem er industrielle Unternehmen besucht und Berichte an in- und ausländische Zeitungen liefert. Auch für photographische Aufnahmen ist er ausgerüstet.”
Im Stadtrat kommt es zum Eklat, als Herr Wagner „im Namen der Völkischen Fraktion eine Erklärung abgibt” und dabei andere Ratsmitglieder beschimpft. „Die Erklärung geht in dem einsetzenden Geschrei und Spektakel ganz unter, sodaß nur hin und wieder unzusammenhängende Bruchstücke zu vernehmen sind”, berichtet der Reporter der Fränkischen Zeitung. „Stadtrat Pörschmann schreit: ,Was war das? Sie unverschämter Mensch, Sie ganz gemeines Individuum. So ein Lümmel!‘ Bald darauf schreit Stadtrat Fiedler: ,Halten Sie Ihre Goschen, Sie, Lümmel, Sie.‘” Stadtrat Dr. Ebert brüllt „Gemeinheit”. Und Stadtrat Dr. Bayer wettert: „Das ist eine Unverschämtheit, in einer derartig persönlichen Weise einen Angriff zu führen.”
Einige Räte stürmen wutentbrannt aus dem Saal. „Als Stadtrat Wagner mit der Verlesung fertig ist, bemerkt der Vorsitzende: ,Es ist mir vollständig unmöglich gewesen, einzelne der in dem Lärm kaum vernehmbaren Aeußerungen des Stadtrats Wagner zu verstehen. Ich habe nur so viel herausgehört, daß schwere Beleidigungen gefallen sind. Diese Beleidigungen weise ich hiermit aufs entschiedenste zurück.‘”
Weihnachten steht schon beinahe vor der Tür, sodass die Chemische Fabrik Bonn auch in Ansbach für „den vornehmsten, schönsten und billigsten Christbaumschmuck” wirbt. „Frostreif” heißt das Produkt, eine Art künstlicher Schnee. „Es verleiht dem Christbaum ein winterliches, festliches Aussehen, einen Anblick von noch nie gekannter Schönheit; haftet am Baume fest, brennt und schmutzt nicht, macht keine Flecken.”
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