Einer seiner Rollennamen ist wahrscheinlich noch bekannter als sein eigener. Er war der Staller neben Hubert. Den Menschen hinter der Figur lernte man am vergangenen Freitag in den Ansbacher Kammerspielen kennen. Dort trat der Schauspieler Helmfried von Lüttichau mit seinem Soloprogrammn „Plugged“ auf.
Mit dem Gitarrenriff von Neil Youngs „Rockin’ in the Free World“ und einem kernigen „Hello Ansbach, are you ready?“, enterte Helmfried von Lüttichau die Bühne. Und von vornherein war klar: Der Mann will, dass es kracht!
Kaum überraschend war daher seine „Lebensbeichte“, dass er in seiner Jugend gern Rockstar geworden wäre. Doch neben seinem Erscheinungsbild als Teenager habe diesem Lebenstraum die Instrumentenwahl seiner Eltern im Weg gestanden. Denn statt Gitarre, mit der man ihn heute auf der Bühne sieht, lernte er Geige – für Rockstars eher ein untaugliches Instrument.
Statt als Bandleader wurde der heute 67-Jährige als Provinzpolizist Johannes Staller in der Serie „Hubert und Staller“ bekannt – die Rolle, der er seinen Ruhm verdankt, wie er selbst zugibt. „Würden Sie zum Ü60-Newcomer mit Namen von-und-zu kommen?“, fragt er sein Publikum und schickt die Antwort als Schulterzucken gleich hinterher.
Doch bis zum „Staller“ war es für Helmfried von Lüttichau ein langer Weg mit vielen Hindernissen. Eine Hürde waren in seiner Kindheit die Dialekte. Die Familie war von Norddeutschland nach Oberbayern gezogen. Da klaffte nun eine beachtliche Schlucht des Nichtverstehens. Er begann deshalb direkt, bayerische Vokabeln zu lernen, als er in Güüching mit zwei ÜÜ ankam – auf Hochdeutsch: in Gilching im Landkreis Starnberg. Den bayerischen, wie so viele andere Dialekte, tatsächlich gelernt habe er schlussendlich nur durchs Imitieren.
Wen von Lüttichau auch gerne imitiert, ist der legendäre Münchner Komiker Karl Valentin. Einige der Witze seines Vorbilds habe er geklaut oder besser wiederverwertet, „so ganz im Sinne der Nachhaltigkeit“.
Gegen Ende des Abends kitzelt Helmfried von Lüttichau nicht mehr nur Lacher aus dem Publikum. Bei einem Gedicht von Robert Gernhardt, in dem ein Sohn seinen Vater fragt, wie er Rassist werden kann, wurde es ganz still und ernst im Saal. Das war sein Ziel. Stille, findet der Schauspieler, schaffe den wichtigen Raum für die eigenen Gedanken.
Zwischen den Stationen seines kabarettistischen Weges musste immer wieder sein Sehnsuchtsinstrument aus dem Verstärker schallern. Mit Langhaarperücke, schwarzer oder feuerroter E-Gitarre und den Klassikern von Bob Dylan und Jimi Hendrix beschwört er ein klein wenig Woodstock-Spirit. So ist er dann doch auf seine Weise irgendwie ein Rockstar.
Am 15. Februar kommt Helmfried von Lüttichau noch einmal in die Ansbacher Kammerspiele. Der Abend ist bereits ausverkauft.