Ansbach: Das Spiel.Werk tanzt zum Jupiter | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.08.2024 16:41

Ansbach: Das Spiel.Werk tanzt zum Jupiter

Bringen ein Tanztheaterstück mit vier Personen zum Simon-Marius-Jubiläum auf die Bühne: Luzia Aue (links) und Daniela Aue. (Foto: Martina Kramer)
Bringen ein Tanztheaterstück mit vier Personen zum Simon-Marius-Jubiläum auf die Bühne: Luzia Aue (links) und Daniela Aue. (Foto: Martina Kramer)
Bringen ein Tanztheaterstück mit vier Personen zum Simon-Marius-Jubiläum auf die Bühne: Luzia Aue (links) und Daniela Aue. (Foto: Martina Kramer)

„Ist Masse demokratiefähig?“ – dieser Frage geht die jüngste Produktion der Theatergruppe Spiel.Werk nach. An Donnerstag, 29. August, feiert die Tanz-Theater-Performance „Mond. Masse. Mensch“ in der Tanthe, der Ansbacher Spielstätte für Tanz und Theater, ihre Premiere.

Die eigentliche Anregung für dieses Stück bezog Daniela Aue, zuständig für Skript und Regie, durch die Beschäftigung mit einem ganz anderen Thema: der Physik.

Ende Dezember jährt sich der Todestag des in Ansbach verstorbenen Astronomen und Mathematikers Simon Marius zum 400 Mal, zumindest, wenn man nach dem julianischen Kalender geht, der damals noch in Ansbach galt.

Unterwegs zu den Jupitermonden

Mit dem neu in Flandern entwickelten Fernrohr entdeckte Simon Marius nach heutiger Zeitrechnung am 8. Januar 1610 unabhängig von Galileo Galilei und damit einen Tag später die vier großen Jupitermonde. Ihre späteren Namen Io, Europa, Ganymed und Kallisto gehen auf eine Idee Johannes Keppler zurück, die Simon Marius unterstützte.

Die Existenz dieser Monde, die um ein Zentralgestirn ihre Bahnen ziehen und als Ganzes zudem um die Sonne kreist, wurde damals als Sensation aufgefasst. Die gegenseitige Anziehung und die Masse des Jupiter sorgen dafür, dass die Bahnen der Trabanten stabil bleiben.

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Tänzerisch will dieses Stück, das ganz ohne Dialoge auskommt, das Verhältnis von Anziehung und Masse, und wie sich das auf den Menschen auswirkt, zum Ausdruck bringen. Der erste Teil des Stücks spielt in einem Raumschiff, in dem vier Astronauten sich auf den Weg zu den vier Jupiter Monden machen. Lukas, Luzia und Liselotte Aue sowie Stefanie Roser verkörpern die Protagonisten dieses Weltraumabenteuers.

Fliehkräfte und Anziehung

Im zweiten Teil beginnt die wissenschaftliche Arbeit. Was bedingt es, die Monde in ihren Bahnen zu halten? Welche Fliehkräfte sind am Wirken, wie ist das Verhältnis von Gravitation und Anziehung? Sie entdecken auch, dass sie selbst als Körper über eine Anziehung verfügen.

Im dritten Teil des Stücks beginnt die philosophische Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Masse. Als Menschenmasse hat sie Elias Canetti einmal betrachtet. Den Schriftsteller beschäftige vor allem der soziologische Aspekt von Massenveranstaltungen, Aufmärschen, Versammlungen und deren Sogwirkung. Masse macht anonym und ungreifbar, sorgt aber zugleich für die Auflösung des Individuellen. War für Canetti die Zeit des Nationalsozialismus mit seinen Massenphänomenen noch relativ präsent, so ist diese keineswegs nur Vergangenheit. Die Masse mit ihrer gewaltigen Kraft war nie weg, sondern zeigt sich heute höchstens unter veränderten Vorzeichen.

Für Daniela Aue ist es wichtig, auch junge Leute anzusprechen. Ihre beiden Töchter Luzia und Liselotte tanzen nicht nur in diesem Stück, sondern haben auch eigene Vorschläge mit beigetragen. „Junge Menschen sind häufig nicht so kategorisch, tun sich leichter, andere Perspektiven anzunehmen, sind unvoreingenommener und neugieriger“, findet Daniela Aue. Auch was die Geschlechterrollen angehe, sei vieles für sie bereits selbstverständlich, wo Ältere ihren Blickwinkel erst noch verändern müssten.

Nicht moralisierend, sondern eher experimentell an dieses komplexe Thema herangehen, das ermöglicht der Tanz, den Stefanie Roser choreographiert hat. Hinzu kommen Projektionen und Musik von Stefan Kammerer.

Die Premiere findet am 29. August um 20 Uhr in der Tanthe, Nürnberger Straße 61 (Hinterhof), statt. Weitere Vorstellungen gibt es dort am 30. und 31. August sowie am 1., 21., und 22., September ebenfalls um 20 Uhr.


Von Martina Kramer
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