In der kommenden Saison können Anglerinnen und Angler ihre Ruten noch auswerfen, dann ist vorerst Schluss mit der Angelei am Burgbernheimer Landschaftssee. Der Stadtrat entschied einstimmig: Zu arg habe das Naherholungsgebiet gelitten, zu zeitintensiv sei die Kontrolle.
Zweiter Bürgermeister Stefan Schuster (CSU) erläuterte, dass der Uferbereich zunehmend mit Müll verschmutzt werde. Es werde wild auf den angrenzenden Wiesen geparkt und auch gezeltet, obwohl Nachtangeln verboten sei. Teilweise wurden mehr Fische als erlaubt aus dem Wasser gezogen, Fanglisten nicht korrekt ausgefüllt. Spricht man Anglerinnen und Angler an, so müsse man Glück haben, wenn sie den Kontrolleur überhaupt verstehen und dann auch noch Einsicht zeigten. Das wiederum wolle er jedoch nicht pauschalisieren, aber es passiere häufig und sei ärgerlich. Die Kontrolle nehme zudem viel Zeit in Anspruch. Sie sei aber unabdingbar, denn in erster Linie seien der Landschaftssee und seine Umgebung ein Naherholungsgebiet.
Gebaut worden sei er als ökologische Ausgleichsfläche für die Flurneuordnung, führte Bürgermeister Matthias Schwarz (Freie Bürger) aus. Seit 1998 dürfe man im dreigeteilten See dank einer Ausnahmegenehmigung zwar angeln, aber „das Ganze ist kein Fischweiher“. Jährlich besetze man den See im Frühjahr und Herbst mit Fischen. Im vergangenen Jahr habe man im Herbst ausgesetzt, erinnerte Karl-Otto Mollwitz (SPD), der auf die zunehmende Verschlammung des Sees hinwies. Nur noch 1,20 Meter Wassertiefe messe man in der Mitte des kleinen Weihers.
Martin Birngruber (Freie Bürger) erinnerte daran, dass der Landschaftssee dringend ausgebaggert werden müsse, „sonst ist er in fünf Jahren ganz zu“. Ganz so dramatisch sieht Schwarz die Lage nicht, aber auch ihm sei bewusst, dass „das auf alle Fälle auf uns zukommt. Mir graust’s davor“, sagte der Bürgermeister über die finanziellen Auswirkungen einer solchen Aktion. Darüber gesprochen habe man im Stadtrat schon häufiger, weiter vorangetrieben habe man die Aktion aber nicht.
Mollwitz erläuterte, dass rund fünf bis sechs Hektar ausgebaggert werden sollten. Der Schlick müsse am Rand ausgebreitet und getrocknet werden. Erst nach einer Beprobung stelle sich dann heraus, wie teuer zusätzlich die Entsorgung werde. Ein Fischsterben habe 2025 dafür gesorgt, dass rund 150 Tiere verendet sind. Mitarbeiter des Bauhofs mussten sich um die Bergung und Entsorgung kümmern.
Mollwitz habe einen „Karpfendoktor aus der Karpfenhochburg Höchstadt“ befragt, der ebenfalls dazu riet, den See auszubaggern. Grundsätzlich sei dies richtig, Fischsterben an sich seien aber laut Gerhard Wittig (Freie Bürger) und Astrid Paulus-Berberich (CSU), die auch Vorsitzende des Fischereivereins Bad Windsheim und Umgebung ist, nichts Ungewöhnliches.
Der Verkauf der Angelkarten bringe keinen Gewinn für die Stadt und das Interesse von Bürgerinnen und Bürgern aus der Verwaltungsgemeinschaft (VG) am Angeln stuft Schuster mit Blick auf die Zahlen als gering ein. 2025 habe man 22 Jahreskarten verkauft, davon fünf an VG-Bürger. Von den 192 verkauften Tageskarten gingen 15 an Angler oder Anglerinnen aus der VG. „Das Interesse von den Burgbernheimern ist gar nicht so groß“, so Schuster.
Das Gremium fragte sich, wie es damit nun umgehen solle. Die Angelei von heute auf morgen komplett einzustellen und die Fische sich selbst zu überlassen, könne man nicht, so Birngruber. „Leerangeln“ funktioniere laut Gerhard Wittig nicht, da sich Karpfen selbst vermehren. Eine Patentlösung gebe es wohl nicht, sagte Mollwitz. Den Vorschlag von Schwarz, das Angeln heuer noch von März bis Ende Mai zu erlauben, zerschlug Wittig, da die Fische um diese Zeit noch nicht anbissen. Schwarz gab zu: „Es ist halt einfach ein Scheiß, wenn man sich nicht auskennt.“
Er wagte einen zweiten Versuch, dem das Gremium einstimmig folgte. Heuer werden demnach in der gesamten Saison nur noch Tagestickets für – wie gehabt – jeweils zwölf Euro ausgegeben. Danach darf am Landschaftssee nicht mehr geangelt werden. Zeitgleich müssen Kosten abgefragt werden fürs Ausbaggern. „Danach kann man eventuell wieder ein System aufbauen“, sagte Mollwitz. Andrea Herschner (Freie Bürger) äußerte noch die Bitte nach einer „engmaschigen Kontrolle“ in dieser Saison, denn „mit dem wilden Parken und dem Müll, das ist schon echt schlimm da draußen.“