38 Jahre Lehrerin in Sugenheim: Eine Künstlerin tritt ab | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.08.2023 15:00

38 Jahre Lehrerin in Sugenheim: Eine Künstlerin tritt ab

Ulrike Vogel ist nach 38 Jahren als Lehrerin an der Sugenheimer Ehegrundschule in den Ruhestand verabschiedet worden. (Foto: Marion Renner)
Ulrike Vogel ist nach 38 Jahren als Lehrerin an der Sugenheimer Ehegrundschule in den Ruhestand verabschiedet worden. (Foto: Marion Renner)
Ulrike Vogel ist nach 38 Jahren als Lehrerin an der Sugenheimer Ehegrundschule in den Ruhestand verabschiedet worden. (Foto: Marion Renner)

An der Ehegrundschule in Sugenheim ist die langjährige Lehrkraft Ulrike Vogel in den Ruhestand verabschiedet worden, wie die Schule nun in den Ferien mitteilte.

Eine Ehegrundschule ohne Ulrike Vogel, das kann man sich einfach noch nicht so richtig vorstellen, heißt es in dem Pressebericht. Denn 38 Jahre lang lehrte die inzwischen 65-Jährige Mutter zweier Kinder in Sugenheim, brachte unzähligen Schülern Lesen, Rechnen und Schreiben bei und setzte markante kulturelle Akzente im Schulleben.

Oft kommt es heutzutage nicht mehr vor, dass eine Lehrerin so lange an der gleichen Schule unterrichtet. Für Ulrike Vogel begann der Dienst in Sugenheim im September 1985 – nach einem durchaus außergewöhnlichen Start in ihre Schulkarriere. Denn hinter sich hatte sie da gerade ein Jahr in Namibia an der deutschen Grundschule zu Swakopmund, wo sie Musik unterrichtete.

Flucht nach Namibia

Namibia sei eigentlich eine Flucht gewesen, erzählt Vogel. Sie hatte ihre Mutter nach schwerer Krankheit verloren und durchlebte eine intensive Zeit, in die auch die Abschlussprüfungen fielen. „Ich habe die Klausuren verhaut“, erinnert sich Vogel. „Die Einstellungsnote habe ich um 0,1 verpasst.“ Also keine Übernahme in den Schuldienst, sondern Warteliste. Statt aber zu warten, saß die damals 25-Jährige nach einem Anruf in Namibia und einem Briefwechsel dann im Flieger nach Swakopmund. Das Geld für den Flug „hätte ich gar nicht gehabt“, sagt Vogel. Ihr Germanistik-Professor und der Rotary-Club aber schon. Er hatte offensichtlich ihr Talent erkannt.

Außergewöhnlich ist vor allem Vogels künstlerische Ader. 26 Jahre lang leitete sie die Theatergruppe der Ehegrundschule, die meisten Stücke schrieb sie selbst, gerne auch ihren kleinen Schauspielern auf den Leib. Zum Beispiel das Märchen von der Prinzessin Huch.

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„Sie war dann eben die Prinzessin“

Mit einem Lächeln erinnert sie sich an die Schülerin, die so gerne eine Hauptrolle spielen wollte, sich aber den Text nur schwer merken konnte. „Sie war dann eben die Prinzessin, die sehr schreckhaft war und eigentlich immer nur ‚huch‘ sagte. Den Text hatten ihre beiden cleveren Kammerzofen zu lernen“, erzählt sie schmunzelnd.

Wer an Ulrike Vogel denkt, sieht sie mit ihrem Akkordeon vor sich. Oder hinter dem Klavier stehend und spielend, „um die Kinder dabei im Auge behalten zu können“. Ihre musikalische Erziehung ging weit über den Musikunterricht hinaus. Zuletzt in der Orff-Arbeitsgruppe, bei Weihnachtsfeiern und Sommerfesten – und immer wieder, wenn der selbstkomponierte Schulsong „Wir sind vom Ehegrund“ erklingt. Das Lied ist eines der Vermächtnisse, die von 38 Jahren Ulrike Vogel bleiben werden, ist man sich in der Ehegrundschule gewiss.

So war es nur folgerichtig, dass zu ihrer Verabschiedung am letzten Schultag gesungen wurde. Ein umgedichteter Text auf die Melodie von „Alle Vöglein sind schon da“, und unzählige Taschentücher winkten zum Abschied. Vogel selbst rückte in der Feierstunde lieber andere ins Licht: die Schulbusfahrer, das Hausmeisterpaar Frank und natürlich ihre Schüler: „Wer weiß, ob ich so gesund und kräftig geblieben wäre, wenn ihr mich nicht so gefordert und herumgescheucht hättet! Jeden Tag Treppe rauf, Treppe runter, Blätter nachkopieren für die Vergesslichen. Danke. Wo wäre ich ohne euch?!“

Nun hat sie mehr Zeit für ihren Mann, fürs Fahrradfahren sowie für ihren Garten und will sich endlich wieder dem Cello widmen. „Ich freue mich von Herzen auf diesen neuen Lebensabschnitt.“

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