Kasachstan, Tschechien, Ukraine – neben den Sponsorenbannern hingen einige Landesflaggen an der Hallenwand. Am langen Pfingstwochenende ging es international zu in Neuendettelsau: Beim Viking Boxing Cup gab es Sport auf hohem Niveau.
Die Preise standen für alle greifbar nah auf einem Tisch am Ring. Um dutzende Pokale ging es bei dem Turnier für die Boxer aus den Altersklassen U17, U19 und Elite. Doch viel wichtiger für die meisten Teilnehmer war sicher die Chance, sich mal mit internationaler Konkurrenz messen zu können. Ein bunter Sprachmix bildete denn auch das Hintergrundgeräusch in der Sporthalle.
Alexander Tilinin, Turnier-Organisator, bayerischer Landestrainer und Chef bei der Kampfsportschule Viking in Neuendettelsau, ist der Macher der dreitägigen Veranstaltung mit etwa 50 Kämpfen pro Tag. Er ließ mal wieder seine Kontakte spielen, um ein attraktives Teilnehmerfeld zusammenzustellen. „Die Boxer sind alle aus der A-Klasse“, betonte er. Einige richtig gute Leute, teils nationale Meister, die auch auf internationaler Ebene Erfolge feiern.
Nach rund 190 Anmeldungen waren letztlich etwa 150 Kämpfer da, der Großteil aus Deutschland, aber es war rund ein Dutzend Nationen vertreten. Wie kompliziert die Organisation ist, sieht man Tilinin an. „Ich bin seit 25 Stunden auf den Beinen“, sagte er am Samstagnachmittag, als der Box-Marathon gerade erst losgegangen war.
Sein Telefon klingle ständig, sagte er. Höhepunkt der Wünsche: Er solle doch bitte ein paar Ukrainer abholen, nachdem sie einen Verkehrsunfall hatten und gestrandet waren – in Polen. Das war dann selbst Tilinin zu viel, der natürlich drei Tage lang auch als Punktrichter im Einsatz war und kaum eine Pause hatte.
Aber er mache das gern, betonte er. Die Arbeit mit jungen Boxern in seiner seit etwa 15 Jahren bestehenden Schule in Neuendettelsau, die Organisation des seit 2016 bestehenden Turniers – das gebe ihm alles sehr viel zurück und bereite ihm viel Freude.
Einer, der es gut beurteilen kann, was der Viking Cup in der Szene bedeutet, ist Jan Richmeier. Auf den 19-Jährigen aus Ingolstadt waren in Neuendettelsau viele Augen gerichtet. Er gehört der U22-Nationalmannschaft an und hat zwei deutsche Meistertitel in der Boxvita stehen. Es war seine zweite Teilnahme in Neuendettelsau. „Die Veranstaltung entwickelt sich sehr gut“, sagte Richmeier ehe er das erste Mal in den Ring stieg.
Bei seiner ersten Teilnahme vor Corona seien schon viele ausländische Sportler da gewesen, diesmal noch mehr. Die internationale Konkurrenz zeichne die Veranstaltung aus, betonte er. „Normalerweise kämpfen wir fast nur gegen Deutsche, das ist hier ganz anders.“
In Richmeiers Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm waren neben ihm ein Kasache, ein Iraner und ein Franzose gemeldet. Für einen wie Jan Richmeier genau richtig, denn er würde es als Amateurboxer gerne bis zu den Olympischen Spielen schaffen.
Paris 2024 komme noch zu früh. „Ich muss natürlich erstmal auswachsen“, sagte der angehende Polizist, der in Dachau seine Ausbildung macht. Doch Los Angeles 2028 sei nicht unrealistisch. „Alle Wege sind offen“, sagte der 19-Jährige, der in Neuendettelsau letztlich nur einen Kampf bestreiten konnte, weil der Franzose kurzfristig abgesagt hatte.
Ausgerechnet in Richmeiers Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm trat auch ein anderer interessanter, ambitionierter Boxer an. Omid Ahmadisafa ist ein iranischer Flüchtling, der nun für den ASC Nürnberg-Süd boxt und dort, wie Richmeier, von den Olympischen Spielen träumt. Er war 2017 auch schon Kickbox-Weltmeister. Stars der Szene, die es in Neuendettelsau hautnah zu erleben gab.
Alexander Tilinin geht das Herz auf, wenn er das alles hört und sieht. Und wenn es nach ihm geht, soll der Viking Cup weiter wachsen. „Ich würde gerne irgendwann fünf Tage am Stück machen“, sagte er.