Wundersame Wesen und Welten im Ansbacher Kunsthaus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.03.2026 09:00

Wundersame Wesen und Welten im Ansbacher Kunsthaus

Das hübsch geschmückte „Nashornfräulein”, ein Werk von Sabine Schricker-Müller, steht niedlich und zugleich seltsam traurig auf einem Podest. (Foto: Lara Hausleitner)
Das hübsch geschmückte „Nashornfräulein”, ein Werk von Sabine Schricker-Müller, steht niedlich und zugleich seltsam traurig auf einem Podest. (Foto: Lara Hausleitner)
Das hübsch geschmückte „Nashornfräulein”, ein Werk von Sabine Schricker-Müller, steht niedlich und zugleich seltsam traurig auf einem Podest. (Foto: Lara Hausleitner)

Das Künstlerinnen-Netzwerk GEDOK feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag. Zum Jubiläumsprogramm gehört eine Ausstellung der GEDOK-Regionalgruppe Franken im Ansbacher Kunsthaus Reitbahn 3. Dort lässt sich viel betrachten, viel entdecken, denn die Werke der 47 Künstlerinnen sind äußerst facettenreich.

Mit dem Titel „gangArt“ ist die Ausstellung überschrieben. Er spielt an auf die historische Umgebung des Kunsthauses an der Reitbahn, in der einst Turniere ausgetragen wurden, aber auch auf den Themenkomplex Fortbewegung und Fortschritt: auf die lange Tradition des Künstlerinnen-Netzwerks und dessen Weg in die Zukunft. Bis zum 6. April sind rund 80 Arbeiten von GEDOK-Künstlerinnen zu sehen: Werke aus den Bereichen Malerei, Keramik, Fotografie, Skulptur, Textilkunst und Installation.

Eine Stadt an der Wand und winzige Fußballer

Zum Beispiel hat Helgi E. Beggel eine Fantasiestadt aus Papier geformt und dann als Relief an die Wand gehängt: aufstrebende Türmchen, Schlote, Wagenräder – und Figürchen beim Fußballspielen. Doris Bocka lässt in erdigen Tönen das trojanische Pferd auf langen, dürren Beinen heranrollen, während Bettina Graber-Reckziegel kleine Tassen, Kannen und Vasen auf ein dünnes Stahlseil aufgefädelt hat. Wer sich die Gefäß-Halskette mit Silberverschluss wohl umhängen mag?

„Bella Lola”, mit kraftvoll-expressivem Pinselstrich gemalt von Brigitte Graf-Nekola, trägt einen engen roten Rock zur grünblauen Handtasche. Naturalistisch sind dagegen die Porträts in Schwarz, Weiß und Grau aus der Werkreihe „Frauengeschichten” von Christine Hagner, ein Mix aus Abdruck und locker hingeworfenem Farbauftrag: Helene Jacobs ist da zum Beispiel zu sehen, eine Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus.

Faszinierend merkwürdig sind die Geschöpfe von Carolin Gugel, geformt aus Ton und Eisenteilen. „Regentiere und andere Nebelwesen” nennt die Künstlerin ihre Skulpturen, die insektenartig auf Nagelfüßen staksen oder elfenhaft auf schartigem Thron sitzen. Lisa Kischlat hat ein „Pharmaziekleid” geschneidert: Es besteht in weiten Teilen aus Tablettenschachteln, aus Packungen von Schmerzmitteln, von Hustensaft und Salben.

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Heike Knoll malte dagegen das Nordlicht, Heidi Lauter eine fotorealistische nächtliche Szenerie und Jutta Perrey eine Formation von Taschen. Irmtraud Schmidt-Hartung sendet mit ihren Bildern Grüße: „Greetings from Paula”, „Greetings from Amedeo” – naiv anmutende Kopien von Werken Paula Modersohn-Beckers und Amedeo Modiglianis mit typischen Stilmerkmalen.

Wundersame Formen der Natur greift Karin Röser mit ihren Rauchbrandkeramiken auf – einen alten Korallen-Schornstein und eine porige, trockene Lotusblüte etwa. Die Werke wirken aufregend archaisch. Ganz anders Sabine Schricker-Müllers detailreiches „Nashornfräulein”, das still auf einem Podest steht wie ein Objekt in einer historischen Wunderkammer; zwei goldene Hörner hat es, goldene Ohrspitzen und eine Decke mit goldenen Sternen überm Rücken. Niedlich sieht das Wesen aus – und traurig.

Anna Sörgels Wendepunkte, Wendeltreppen, Spiralen ziehen den Betrachter in die Tiefe, in die Höhe. Karin Wassmer lässt in ihrem Ölgemälde eine grausige weibliche Gestalt, eine nackte, fleischige Form mit einer Art Totenkopf, in den Abgrund stürzen. Die Malerin ist bekannt für ihre Schreckensbilder. Die Fallende blickt eindringlich aus dunklen Augenhöhlen.

Krabben am Wasser aus Technikteilen

Die fotografischen Arbeiten von Chris Engels zeigen abstrakte Strukturen, die an zerknülltes, zusammengedrücktes, schimmerndes Papier erinnern – oder an Landschaften mit Bergen, Hügeln, Wasser, Wogen und fernen „Lichtblicken”. So ist die Serie überschrieben. Irene Kress-Schmidt präsentiert ein zweiteiliges Werk – ein Gemälde mit einer Installation: Da schlägt im Bild eine Frau ein schiefes Rad am Strand, die Hände im seichten Wasser. Ein Vogel und Krabben schauen zu – gemalte Krabben und aus Technikteilen gebastelte. Letztere hocken auf schwarzem Grund auf einem Beistelltisch, in dem sich der nasse Sand spiegelt.

Fröhlich sehen die kleinen bunten Glasstücke aus, die Mary Sych in ihrer Installation auf einen großen Spiegel gelegt hat. Genau 363 Stücke sind es – und sie stehen für die 363 Kriege, die es derzeit weltweit gibt. Die glatten Glaselemente funkeln freundlich im Sonnenlicht, das durch die Fenster der Reitbahn 3 flutet. Strahlend und heiter wirkt das Werk, das doch von so viel Schrecken erzählt.

Dies alles und noch viel mehr Kunst ist in der GEDOK-Ausstellung zu entdecken, manches ist ernst, manches verspielt, vieles kraftvoll und ästhetisch, auch wenn die künstlerische Qualität unterschiedlich ist. Und etliche Werke stimmen nachdenklich.

Zu sehen ist die Werkschau bis 6. April, geöffnet ist mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr, am Mittwoch und Samstag zudem von 10 bis 13 Uhr. Am Sonntag, 22. März, und am Sonntag, 29. März, sind ab 15 Uhr Künstlerinnen anwesend und sprechen über ihre Arbeiten.


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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