Manfred Heinl lässt nicht nach, sich der Biodiversität auf dem Golfplatz in Bad Windsheim zu widmen. Ihm ist es wichtig, dass sich dort nicht nur die Sportlerinnen und Sportler heimisch fühlen, sondern auch und vor allem möglichst viele Tiere. Deswegen hat er ein Biotop besonders im Blick.
Im Bad Windsheimer Sprachgebrauch nennt man dieses Biotop auch gerne mal „Herzweiher”, erzählt Heinl. Es regnet und das Gras, in dem er steht, ist hoch. Nicht kurz und gepflegt wie auf dem eigentlichen Golfplatz, der in Sichtweite liegt. Hier im Abseits darf es wuchern und einen wilden Lebensraum bieten.
Das eigentliche Biotop ist rund 60 Meter breit und ebenso lang. Es liegt im nördlichen Randbereich des Golfplatzes und grenzt an landwirtschaftliche Flächen an. Im Besitz der Golfer ist das Kleinod nicht. Offizieller Eigentümer und damit grundsätzlich verantwortlich für das Areal ist Heinl zufolge die Stadt Bad Windsheim. Und die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt habe natürlich auch was zu sagen. Mit beiden Akteuren sei man in einem engen Austausch, die Kooperation laufe gut.
Dass die Golfer sich für das Biotiop zuständig fühlen, obwohl sie nicht dessen Eigentümer sind, erklärt Heinl schlicht damit, dass man sich aufgrund der Nähe zum eigenen Gelände sehr wohl dafür verantwortlich fühle. „Es ist eine Perle, ein Kleinod, und für die Biodiversität ist es sehr wichtig.” Deswegen helfe man gerne bei der Pflege und stimme sich dabei mit den anderen Akteuren ab. Denn nicht jeder Zeitpunkt sei für jede Art von Pflegemaßnahme sinnvoll oder überhaupt möglich.
Was Heinl besonders freut, ist die Nutzung des Biotops durch Amphibien. Sie haben das Kleinod zum Laichteich gemacht. Der Laubfrosch beispielsweise hat sich hier mittlerweile niedergelassen. Er ist bekannt für seine grüne Farbe und seine extreme Kletterfähigkeit. Gerne ist er in Bäumen und Büschen unterwegs. Heinl hat das Tier beobachtet. So habe sich einer der Laubfrösche beispielsweise an einem der warmen Sommertage auf die Terrasse des Clubhauses am Golfplatz verirrt, wo er ihn fotografiert hat.
Ansonsten hört man den Laubfrosch eher, als dass man ihn zu Gesicht bekommt. Heinl beschreibt die Laute des Tieres als „schnarrenden Ruf”. Ein Geräusch, das er nur zu gerne hört. Deswegen achtet er gemeinsam mit dem Greenkeeper-Team darauf, dass der Lebensraum des Laubfroschs erhalten bleibt. Dazu gehört nicht nur das Biotop an sich, sondern dazu gehört auch die Heckenlandschaft im direkten und weiteren Umfeld des Areals.
Diese Hecken werden seitens des Golfclubs gepflegt. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde werden sie regelmäßig geschnitten, um sie zu verjüngen und so langfristig zu erhalten. Solche Arbeiten werden bevorzugt im Winter durchgeführt, außerhalb der Brutzeit.
Was mit dem Rückschnitt der Hecken passieren soll, ist auch schon klar: Das Material wird auf dem Gelände des Golfclubs bleiben und soll zu einer Benjeshecke aufgeschichtet werden. Im Schutz des abgelagerten Gehölzes kann so durch Windflug von Samen langfristig etwas Neues entstehen. Bis dahin dient das Totholz als Lebensraum für Insekten und Kleintiere. Mäuse zum Beispiel. „Die sind gut dafür, dass die Greife was zu tun und Nahrung haben”, erklärt Heinl, der diese Art von Naturschutz auch „aktives Unterlassen” nennt.
Den Winter über verbringen die Amphibien Heinl zufolge gerne im Schlamm des Biotops. Damit die Wasserfläche aber das Jahr über nicht allzu sehr verlandet, wird hier bei Bedarf eingegriffen. Besonders im Fokus steht dabei der gleichzeitig Erhalt des Rohrkolben, einer Wasser- und Sumpfpflanze, der im und am Herzweiher vermehrt wächst. „Diese Pflanze dient Insekten als Winterquartier und die wiederum sind Futter für die Vögel.”
Und auch der Nördliche Kammmolch soll Heinl zufolge eine Heimat im Herzweiher gefunden haben. Das freut ihn sehr. Denn in vielen Regionen ist dieser Molch durchaus eine gefährdete Art, weil sein Lebensraum durch den Menschen immer weiter eingeschränkt wird. Veränderungen in seiner Umgebung setzen ihm massiv zu. Auf der Roten Liste Deutschland steht er mit dem Status „gefährdet”.
Mit den Blühflächen, die auf dem Golfplatz eigens angelegt worden sind, hatte man diesmal kein Glück. „Wir haben wie jedes Jahr gesät und dann kam die Trockenperiode”, sagt Heinl. Dass man die Flächen nicht bewässert, um sie zum Blühen zu bringen, sei eine bewusste Entscheidung für einen schonenden Umgang mit der Ressource. Und so hätten die Vögel schließlich den Großteil der Saat vertilgt. Doch Heinl lässt sich den Optimismus nicht nehmen. „Wir bleiben dran”, betont er. Man werde die Hoffnung nicht aufgeben, irgendwann doch noch eine dichte Wiese zu bekommen.
Weil das aber auch einen weiterhin mageren Boden voraussetze, sei das wenige Pflanzenmaterial, das sich trotz allem auf den Flächen angesammelt hatte, bereits entfernt worden. „Damit es nicht zu einer zusätzlichen Nährstoffzufuhr kommt.”