Ob Uffenheimer Zollhaus, Bad Windsheimer Kornmarkt oder Rothenburger Kino: Mit Holzarbeiten kennen sich Günter und Christoph Steinmetz aus. Die beiden Rudolzhöfer führen die Familien-Zimmerei in dritter und vierter Generation, blicken auf eine bewegte Firmengeschichte: Heuer feiert das Unternehmen 100. Geburtstag.
Günter und Christoph Steinmetz blättern in der Firmen-Chronik. Es dürfte das Jahr 1923 gewesen sein, als Johann Michael Rienecker die Zimmerei Steinmetz gegründet hat, auch wenn sie damals noch anders hieß. Details, sagen sie, sind aber nicht überliefert. Denn viele Unterlagen von früher überstanden den Zweiten Weltkrieg nicht. Aber das Archiv füllt sich wieder – so brachten jüngst Kunden etwa handgeschriebene Rechnungen von 1933 vorbei.
1952 bauten die Firmenverantwortlichen ein Sägewerk mit gebrauchtem Gatter auf – viele Waldbesitzer ließen dort ihr Holz zuschneiden. 1954 legte Günters Vater Willi Steinmetz die Meisterprüfung ab und heiratete Babetta Rienecker und somit in die Firma ein.
Auch damals logierte der Betrieb schon in Rudolzhofen. Wie es seinerzeit üblich war, sicherten eine kleine Landwirtschaft und später ein Tante-Emma-Laden den Lebensunterhalt. Denn gerade in ländlichen Regionen haben die Landwirte noch viel selbst repariert, viel selbst gezimmert.
Davon kann sogar Günter Steinmetz ein Liedchen singen. Der heute 64-Jährige hatte 1995 den Betrieb von Vater Willi übernommen. Jedoch setzte schon bald ein Wandel ein. Die Zeit wurde bei jedermann knapper, die Aufgabenliste länger: Mehr und mehr kamen die Handwerker ins Spiel. Der Rest ist Geschichte. Schon in den Folgejahren setzte auch im Zimmerei-Wesen mit dem Computer eine beispiellose Revolution ein. Prokuristin Sigrid Bischoff erinnert sich genau: Vor 32 Jahren hatte sie in der Zimmerei Steinmetz ihren ersten Arbeitstag – und da stand er schon, der erste PC.
Die Dachstuhlmaße – früher aufwendige Hand- und Rechenarbeit – spuckte plötzlich ein spezielles Programm aus. Heute hat die Digitalisierung die Branche verändert: Computertechnik übermittelt und verarbeitet Daten, die Hölzer werden zugeschnitten. Viel neu hinzu gewonnene Zeit also? Die Steinmetz lachen. Das wäre auch zu schön gewesen. „Die Vorschriften haben sich stark verändert, das Bauen ist aufwendiger geworden“, betont Günter Steinmetz. Er spricht von einem „schier unübersichtlichen Regelwerk. Das macht das Leben nicht unbedingt leichter.“
Hinzu kamen neue Trends, die von den USA nach Europa schwappten. Vor 40 Jahren machte die Nachricht vom Holzhaus die Runde. Aber die Vorbilder aus den USA waren für Deutschland kaum brauchbar. „Anfangs mussten wir improvisieren. Es gab dazu keine Fachliteratur.“ 1992: Die Zimmerei baute ihr erstes Holzhaus, im Dachsbacher Ortsteil Rauschenberg.
Die Jahrtausendwende brachte wieder eine ganze Menge Veränderungen mit sich. Das alte Sägewerk wurde abgerissen, die Halle für Holzhausbau mit Hallenkran, der Büroanbau und die Lagerhalle errichtet. Am 1. Januar 2000 wurde die Zimmerei Steinmetz zur GmbH. „Ein Autokran und ein Laster haben den Zimmerleuten fortan die Arbeit erheblich erleichtert“, sagt Günter Steinmetz. Ein Quantensprung.
Die Steinmetz wurden durch ein Franchise zu einer Art Generalbauunternehmer. Ein Hochbautechniker kam hinzu, ein Spengler, ein Maler und ein Bauzeichner. Komplett-Lösungen aus einer Hand, mit einem Schwerpunkt auf Modernisierungen von Eigenheimen. „Das hat gut funktioniert. Die Auslastung geht jetzt fast über das ganze Jahr“, unabhängig von der Bausaison. 2015 stieg Günters Sohn Christoph Steinmetz ein, legte die Prüfung zum Hochbautechniker überragend ab und erhielt den Meisterpreis der bayerischen Staatsregierung. Nur ein Beispiel von herausragender Ausbildung in der Firma, so Bischoff. Obwohl die Zimmerei keine Ausbildungsplätze ausschreibt, bilden sie häufig aus; immer wieder räumten die Azubis sogar Titel ab – etwa als Innungsbeste.
Durch Mund-zu-Mund-Propaganda klopfen Interessierte an die Tür, heißt es im Gespräch. Eine wahrlich besondere Situation in diesen Zeiten. Vor allem auch durch das Open-Air-Kino, das seit 2004 regelmäßig auf dem Steinmetz-Areal stattfindet, wurde das Unternehmen im Uffenheimer Ortsteil durchaus bekannt.
Und so berichten die Steinmetz gerne aus ihrem Firmenalltag – und von ihren Leuchtturm-Projekten. Beispielsweise vom Rothenburger Kino, das sie errichtet haben – ein Holzbau. Oder von der Sanierung des historischen Zollhauses in Uffenheim, in dem mittlerweile der Stadtjugendrat residiert. Eine „besondere Herausforderung“ war auch die Renovierung eines Gebäudes am Bad Windsheimer Kornmarkt. Der Dachstuhl: 700 Jahre alt und in Schieflage. Stück für Stück mussten sie ihn anheben. Für die Firma Kost Kamm in Windelsbach (Landkreis Ansbach) bauten die Steinmetz ein Vertriebsgebäude. Im Zeichen der Nachhaltigkeit wurden Ausschnitte der Fensteröffnungen als Arbeitstische wieder eingebaut. Dafür erhielten die Rudolzhöfer eine Anerkennung des Deutschen Holzpreises 2019 auf einer Messe in Hannover. „Da sind wir unfassbar stolz drauf.“
Bei Imro im Uffenheimer Ortsteil Langensteinach stockte die Zimmerei das Bürogebäude auf. Unter einer Bedingung: Der Betrieb im Haus musste weiterlaufen. Viel Geschick und Improvisation waren nötig – eine Qualität, die Zimmerer mitbringen müssen, sagt Christoph Steinmetz. Lösungsorientiertes Denken also. „Das sind Projekte, da wächst jeder dran“, ergänzt Günter Steinmetz. „Die Mitarbeiter tragen mit ihrer Leistung und Freundlichkeit maßgeblich zum Erfolg und zur Entwicklung der Zimmerei sowie der Zufriedenheit der Kunden bei.“
Dafür werde die Zunft auch geschätzt. Woher die Steinmetz das wissen? Sie besuchten in Kluft die Münchner Wiesn, das Oktoberfest also. Dort begegnete ihnen viel Respekt – und sie waren beliebtes Foto-Motiv. Viele ließen sich gerne mit den Steinmetz ablichten. Ja, Tradition wird hier großgeschrieben.