Droht im Naturschutzgebiet Ellenbach eine „ökologische Katastrophe“? Das befürchtet der Bund Naturschutz (BN), nachdem der Bach 2020 und 2022 im Sommer komplett ausgetrocknet war. Seit 2019 fördert die Reckenberg-Gruppe in der Nähe Trinkwasser. Die hat nach eigener Aussage dagegen längst Maßnahmen ergriffen.
Der Ellenbach entspringt laut der Pressemitteilung des BN in der Arberger Heide, einem Waldgebiet im südlichen Landkreis Ansbach. Er speist das nach ihm benannte Naturschutzgebiet, das sich demnach durch seine vom Wasser abhängigen Feuchtwälder und -wiesen und deren wertvollen Pflanzen- und Tierbestand auszeichnet. Gemäß der Schutzverordnung aus dem Jahr 2001 sollen in dem rund 27 Hektar großen Gebiet unter anderem die Bodenbeschaffenheit sowie der Nährstoff- und Wasserhaushalt erhalten werden.
Im Jahr 2019 nahm der Zweckverband Reckenberg-Gruppe etwa zwei Kilometer südlich des Naturschutzgebietes ein Wasserwerk in Betrieb und begann dort mit der Trinkwasserförderung. Das Verbandsgebiet der Reckenberg-Gruppe umfasst eine Fläche von rund 750 Quadratkilometern in den Landkreisen Ansbach, Roth und Weißenburg-Gunzenhausen.
Laut BN trocknete der Ellenbach in der Folge im Sommer 2020 erstmals völlig aus. „Sämtliche Kleinfische, die es im Ellenbach reichlich gab, starben. Dies hätte niemals eintreten dürfen, weil die Reckenberg-Gruppe die behördliche Auflage hat, am Ellenbach einen Mindestabfluss aufrecht zu erhalten“, schreiben die Naturschützer in ihrer Mitteilung. Das bedeutet, dass eine bestimmte Menge an Restwasser im Fluss verbleiben muss. Wie der BN weiterhin erklärt, wandte sich der Arberger Robert Kammerbauer, „entsetzt von den Folgen der offensichtlich zu hohen Wasserentnahme“, damals mit einer Petition an den Bayerischen Landtag.
Der Umweltausschuss beschäftigte sich im November 2020 damit und wies das Umweltministerium laut der Mitteilung an, gegenzusteuern. Doch laut BN hat sich die Situation seither nicht verbessert, denn im Sommer 2022 trocknete der Ellenbach erneut komplett aus. Die Umweltschützer kommen daher zu dem Schluss: Das Landratsamt Ansbach, als zuständige Aufsichts- und Genehmigungsbehörde, habe die Aufgabe, die zulässige Entnahmemenge zu reduzieren. Doch das sei nicht geschehen. „Wir sehen hier dringenden Handlungsbedarf, denn am Ellenbach droht eine ökologische Katastrophe“, erklärte Christina Beckler, die Geschäftsführerin der Kreisgruppe Ansbach des BN.
Dass der Ellenbach 2020 komplett ausgetrocknet war, bestätigt auch Christof Lautner, der Werkleiter der Reckenberg-Gruppe. Man habe damals aber nicht mehr gefördert als die genehmigten 60 Liter pro Sekunde. Man hole das Wasser auch nicht direkt aus dem Bach, sondern über mehrere Brunnen aus dem Boden.
Laut den Aufzeichnungen der Reckenberg-Gruppe ist der Bach bei Hitze im Sommer auch in früheren Jahren immer wieder einmal sehr trocken gewesen. Fische habe es in dem Bachlauf laut dem Werkleiter zudem auch nie in großer Menge gegeben. Er spricht von „Einzelexemplaren“.
Dennoch suchte der Wasserversorger nach einer Aussage schnell den Schulterschluss mit den zuständigen Behörden. So kam es im Jahr 2022 zu einem Pumpversuch, bei dem das System laut Lautner „ohne Gnade belastet wurde“. Dies sei auch eine Forderung der verantwortlichen Ämter gewesen. Bei diesem Stresstest wurde laut dem Ansbacher Landratsamt eine zusätzliche Grundwasserentnahme von 200.000 Kubikmetern erlaubt. Zudem war es während des viermonatigen Pumpversuchs laut der Reckenberg-Gruppe auch sehr trocken und heiß. Daher trocknete der Bach erneut aus.
Als Konsequenz aus dem Test und einem gewässerökologischen Gutachten wurde die Fördermenge laut Lautner von 60 auf maximal 35 Liter pro Sekunde reduziert. Die Reckenberg-Gruppe verfügt demnach aktuell nur über eine „beschränkte Erlaubnis“. Gemäß Mitteilung des Landratsamtes liegt aktuell aber keine verbindliche Reduzierung der Entnahmemenge vor. Die Reckenberg-Gruppe habe ihre „Spitzen-Entnahmemengen“ vielmehr freiwillig reduziert.
Die ursprüngliche wasserrechtliche Erlaubnis des Landratsamts gilt eigentlich bis Ende 2028. Doch nun wird laut dem Werkleiter anhand von verschiedenen Gutachten bis Mitte 2025 neu geklärt, welche Wassermengen zukünftig gefördert werden dürfen.
„Wir versuchen alles, um dem System nicht zu schaden. Allerdings ist die Versorgung mit ausreichend Trinkwasser natürlich unsere Aufgabe“, verdeutlicht Lautner. Die Zukunft der Trinkwasserversorgung sei „ein schwieriges Thema“ und werde angesichts von immer trockeneren und wärmeren Sommern in Zukunft immer komplizierter. Der Werkleiter hofft hier auch auf Signale aus der Politik und auf die Vernunft der Menschen: „Erst wenn mehr Wasser gespart wird, können wir auch weniger Wasser fördern.“