„Wir müssen uns was trauen”: Gabriel Hutzler aus Uffenheim sucht den Extremsport | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.06.2026 07:00

„Wir müssen uns was trauen”: Gabriel Hutzler aus Uffenheim sucht den Extremsport

Der Uffenheimer Gabriel Hutzler hat sich selbst ein Ziel gesetzt: Er will es schaffen, in 24 Stunden 100 Kilometer zu laufen – und sich nebenbei selbst besser kennenlernen. (Foto: Silas Hutzler)
Der Uffenheimer Gabriel Hutzler hat sich selbst ein Ziel gesetzt: Er will es schaffen, in 24 Stunden 100 Kilometer zu laufen – und sich nebenbei selbst besser kennenlernen. (Foto: Silas Hutzler)
Der Uffenheimer Gabriel Hutzler hat sich selbst ein Ziel gesetzt: Er will es schaffen, in 24 Stunden 100 Kilometer zu laufen – und sich nebenbei selbst besser kennenlernen. (Foto: Silas Hutzler)

Gabriel Hutzler aus Uffenheim mag es, sich selbst herauszufordern und einfach einmal Neues auszuprobieren. Deshalb hat er nun versucht, am Stück 100 Kilometer zu laufen. Geklappt hat das nicht, tieftraurig ist der 18-Jährige deshalb aber trotzdem nicht. Denn sein Ziel war ein anderes: sich selbst besser kennenzulernen.

Wie aber kam Hutzler überhaupt auf die Idee, so einen Ultralauf über 100 Kilometer am Stück zu wagen? „Das hatte ich mir relativ spontan vor fünf Wochen in den Kopf gesetzt”, antwortet er. Wobei er für seine Mission auch zwei Vorbilder hatte. Zum einen ist das Arda Saatçi, ein deutscher Extremsportler, der sehr öffentlichkeitswirksam in knapp 123 Stunden über 600 Kilometer durch die kalifornische Wüste lief. Aber der Uffenheimer nennt auch den US-Amerikaner David Goggins, der unter anderem den Weltrekord für die meisten Klimmzüge in 24 Stunden hält – 4030 sind es letztlich geworden, womit er noch heute im Guiness-Buch steht.

„Die beiden waren für mich Ansporn, das einfach mal auszuprobieren”, erzählt Hutzler. Dass er es nicht auf Anhieb schaffen wird, „das war mir bewusst”. 100 Kilometer „aus dem Nichts” zu laufen, ohne großes Training, das war vielleicht doch ein bisschen zu ambitioniert. Zuvor hatte er abends öfter seine Runden gedreht, aber nie mehr als zwölf Kilometer. Sein Kernziel, sich selbst besser kennenzulernen und seine Bestimmung zu suchen, ist er dafür ein ganzes Stück nähergekommen. Heutzutage, sagt Hutzler, fehlen einfach diese Momente, zur Ruhe zu kommen und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Beim Laufen finde man genau das.

Knapp sieben Mal um den Brombachsee

Hutzlers Ziel war es, am vergangenen Wochenende knapp sieben Mal den Brombachsee zu umrunden und so 100 Kilometer zu sammeln. Zweieinhalb Mal hat das letztlich funktioniert, doch nach diesen über 30 Kilometern haben dann die Knie nicht mehr mitgemacht. „Ich sehe das aber nicht als Versagen an”, betont der 18-Jährige. „Etwas zu probieren, ist immer besser, als es gar nicht zu probieren.” Das ist auch seine Botschaft an die Gesellschaft, „dass wir uns was trauen müssen”.

Irgendwann, da ist sich Gabriel Hutzler sicher, wird er einen zweiten Anlauf nehmen. Doch vorher startet er erst einmal sein Training. Ins Fitnessstudio geht er schon seit anderthalb Jahren sehr regelmäßig, nun will er eine Kombination zwischen Kraft- und Lauftraining finden, die ihm weiterhilft. „Aber ich weiß schon zu 100 Prozent, dass ich es nochmal probieren werde.” Genauso wie einen Halbmarathon. Den hatte er in Würzburg gewagt, musste aber aufgrund seines falschen Laufstils ebenfalls mit Knieproblemen aufgeben.

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Die Ausrüstung wird professioneller

Im Fitnessstudio hat Gabriel Hutzler jetzt aber einen Mann getroffen, der selbst schon am Iron Man teilgenommen hat. Bei ihm hat er sich ein paar Tipps geholt. Und auch von der Ausrüstung her ist der Auszubildende zum Werkzeugmechaniker mittlerweile deutlich professioneller unterwegs. Für den 100-Kilometer-Versuch hat er sich eigens eine Weste gekauft. Vorne passen zwei Flaschen mit jeweils 0,5 Litern in die Taschen, auf dem Rücken ist noch eine Art Rucksack, der ebenfalls nochmal drei Liter Getränk fassen kann. Verstaumöglichkeiten gibt es auch für seine Gummibärchen und die restliche Wegzehrung.

Und apropos Neues ausprobieren: Bei den Vorbereitungen zu seiner großen Herausforderung hat Hutzler auch ein wenig ins Social-Media-Leben reingeschnuppert. Sein Bruder Silas Hutzler hat Gabriel zum Beispiel beim Einkauf mit der Kamera begleitet. „Das war ein ganz neues Gefühl.” Dieses Experiment hat dem 18-Jährigen aber gut gefallen. Jeden Tag ein neues Video drehen zu müssen, „das wäre mir dann doch zu anstrengend”. Aber so nebenher, manchmal auch ganz spontan, witzige oder spannende Erlebnisse festzuhalten und zu teilen, daran hat Gabriel Hutzler durchaus seine Freude gefunden.

Vom Versprechen an die Mutter

Was aber treibt ihn an, sein Lauf-Abenteuer fortzusetzen, die 100-Kilometer-Herausforderung irgendwann zu schaffen? Zu dieser Frage hat der Uffenheimer noch eine ganz persönliche Geschichte. Seine Mutter ist vor drei Jahren verstorben. „Ich hatte nie so das Gefühl, sie wirklich stolz gemacht zu haben.” Genau das will Gabriel Hutzler ändern. Er hat ihr versprochen, bei der Fitness dranzubleiben, alles so lange zu probieren, „bis ich es schaffe”. Und Versprechen darf man bekanntlich niemals brechen.

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