Wiesenbrüter stehen im Wiesmet unter Stress | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.05.2024 19:36

Wiesenbrüter stehen im Wiesmet unter Stress

Eine Uferschnepfe im Flug. Sie zählt zu den Wiesenbrütern, die in diesen Wochen ihre Jungen im Wiesmet aufziehen. Damit möglichst viele überleben, soll der Lebensraum geschützt werden. (Foto: Dietmar Herold)
Eine Uferschnepfe im Flug. Sie zählt zu den Wiesenbrütern, die in diesen Wochen ihre Jungen im Wiesmet aufziehen. Damit möglichst viele überleben, soll der Lebensraum geschützt werden. (Foto: Dietmar Herold)
Eine Uferschnepfe im Flug. Sie zählt zu den Wiesenbrütern, die in diesen Wochen ihre Jungen im Wiesmet aufziehen. Damit möglichst viele überleben, soll der Lebensraum geschützt werden. (Foto: Dietmar Herold)

Auf Wiesen und Feldern in der Region ist gerade einiges los. Wiesenbrüter und Wildtiere sind mit der Aufzucht ihres Nachwuchses beschäftigt. Damit möglichst viele überleben, arbeiten im Feuchtgebiet Wiesmet im Landkreis Ansbach Jäger und Naturschutz Hand in Hand. Ein Besuch in der Kinderstube.

Es ist nicht nur der Wind, der übers flache Land pfeift. Auch ein Vogel im Sinkflug gibt Laut. „Da hinten ins hohe Gras ist gerade ein Brachvogel runter“, sagt Florian Studeny von der Jägervereinigung Ansbach und zeigt gen Horizont. Er steht im Feuchtgebiet Wiesmet zwischen Ornbau und Heglau im Landkreis Ansbach. Zusätzlich zum Ortstermin mit der FLZ erschienen sind: Christoph Beckenbauer, der als Gebietsbetreuer des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) für das Wiesmet zuständig ist, und Dietmar Herold, der Leiter des Wiesenbrüter-Schutzprojekts „chance.natur – Lebensraum Mittelfränkisches Altmühltal”.

Auf der nassen Wiese vor ihnen steht ein Hochsitz für Jäger. Direkt vor dem Sitz befindet sich ein Elektrozaun – auf den ersten Blick sieht man nicht, was er umzäunt oder schützt.

Fünf Gelege des Großen Brachvogels

„Fünf Gelege des Großen Brachvogels befinden sich darin“, erklärt Christoph Beckenbauer vom LBV. In diesen Wochen tut er genau wie Jäger Studeny und Diplom-Biologe Herold alles, um Brutpaare im Wiesmet bei der Aufzucht ihres Nachwuchses zu schützen.

Dabei arbeiten die Naturschützer und die Jägervereinigung intensiv zusammen. Sie blicken mit Sorge auf das sensible Wiesmet. Das Feuchtgebiet erstreckt sich über rund 4400 Hektar, von denen im Landkreis Ansbach Teile auf die unbewohnten Flächen bei Merkendorf, Ornbau und Arberg fallen. „Alle neun in Deutschland heimischen Bodenbrüterarten gibt es hier noch“, sagt Dietmar Herold. Ob Großer Brachvogel, Uferschnepfe oder Kiebitz – viele dieser Vögel, die ihre Nester am Boden bauen, sind vom Aussterben bedroht. Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht.

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Laut dem Wiesenbrütermonitoring des Bayerischen Landesamts für Umwelt gehen die Bestände stetig zurück. Dass die Überlebenschancen für die Tiere eher schlecht sind, kann Christoph Beckenbauer vom LBV bestätigen. Vergangenes Jahr überlebten acht Junge von 27 brütenden Paaren des Großen Brachvogels. Bei der Uferschnepfe sieht die Bilanz noch schlechter aus: „Wir haben alle verloren“, bedauert Beckenbauer.

Gelege bei Mäharbeiten vernichtet

Der Grund: An den Gleisen, an denen die Vögel nisteten, hatte die Bahn übers Wochenende kurzfristig gemäht – und dabei die Gelege zerstört. „Wir versuchen uns mit den verschiedenen Akteuren im Gebiet abzustimmen. Manchmal klappt das aber nicht“, sagt Beckenbauer.

Weitere Ursachen, die die Vögel am Durchkommen hindern, sind der Klimawandel, durch den die Auenwiesen trockener werden, Wildtiere, die Küken und Gelege fressen oder Spaziergänger, die die Vögel aufscheuchen. „Es gibt viele Probleme”, bedauert Biologe Dietmar Herold. Die Leute seien sich oft gar nicht bewusst, was ihre Anwesenheit in der Natur auslöst. „Ich habe hier drei Mädchen getroffen, die wollten mit Bierflaschen in der Hand und Handymusik durch das Feuchtgebiet bis Muhr am See laufen“, sagt Herold. Darauf angesprochen, dass sie hier ein Naturschutzgebiet stören, hätten sie ihre Mission erschrocken abgebrochen.

Jäger Florian Studeny, dessen Jagd im Wiesmet liegt, ermahnt regelmäßig Menschen mit unangeleinten Hunden. „Selbst ein Hund, der hört, kann beim Vorbeilaufen einen Vogel aufschrecken“, sagt er. Und ein Vogel, der von seinem Nest verjagt wird, kehrt oft nicht zurück. Noch bis in den Juli hinein seien zusätzlich zu den Wiesenbrütern auch Rebhuhn, Birkhuhn und Auerhuhn und Wild wie Feldhasen und Rehe mit ihren Jungen unterwegs.

Gezielte Eingriffe in Räuber-Beute-Beziehungen

Um die Bestände zu schützen, wirken seit Jahren Naturschützer und Jäger, aber auch Landwirte und die Wasserwirtschaft zusammen. Jeder tut das, was in seine Zuständigkeit fällt. „Im Grunde genommen basieren unsere Bemühungen auf zwei Säulen: der Erhaltung des Lebensraumes und dem Prädationsmanagement“, erklärt Studeny.

Das sperrige Wort „Prädationsmanagement“ bedeutet den gezielten Eingriff in Räuber-Beute-Beziehungen und fällt damit in Studenys Bereich. „Nur wir Jäger dürfen jagdliche Handlungen ausführen“, erklärt er. Und das sei für das Wiesmet wichtig. Denn: „Schöner Wohnen hilft nicht, wenn man gefressen wird“, meint der Jäger.

Früher sei das Wiesmet komplett offen gewesen. Weil die Feuchtwiesen durch den Klimawandel immer trockener werden, wachsen dort nun auch Bäume und Büsche. „Im Schutz der Gehölze rückt das Raubwild näher an die Wiesenbrüter ran“, so Florian Studeny.

Füchse, Hermeline, Waschbären, Wildschweine und auch Krähen jagen aus dem Dickicht heraus. Studeny versucht, dies einzudämmen, indem er die jagenden Tiere bejagt. Teilweise vom Ansitz aus, teilweise mit Fallen. „Man sagt, dass eine Fuchsfamilie auf 1500 Hektar für die dortlebende Vogelwelt verträglich ist“, fasst Christoph Beckenbauer Erkenntnisse des LBV zusammen. Im Wiesmet aber kämen 13 Fuchsfamilien auf 1000 Hektar.

Geld für Fuchsfallen

Um die Jagd als wichtigen Bestandteil des Wiesenbrüterschutzes zu unterstützen, stellt Dietmar Herold über sein Projekt „chance.natur“ Gelder, zum Beispiel für Fuchsfallen, bereit. Regelmäßig gibt es auch Kennenlernrunden mit Vogelschützern und den Jägern, die im Gebiet aktiv sind. Auch Landwirte werden in diese Treffen miteinbezogen.

Es sei wichtig, dass sie da sind, denn sie helfen mit bei der Gestaltung des Lebensraums für die Wiesenbrüter. „Wir brauchen das Nebeneinander von Gemähtem und Nichtgemähtem“, erklärt Herold. In einer frisch gemähten Fläche fänden die Vögel Nahrung, im hohen Gras Zuflucht vor Feinden. Selbst Kühe im Gebiet seien wünschenswert, denn auch sie schaffen flache Wiesenflächen. „Wenn neue Zäune gezogen werden, werden wieder wir beratend miteinbezogen”, erklärt Studney. Denn die Jäger wüssten, wo in ihrem Gebiet Wildwechsel stattfindet. Eine falsch aufgestellte Barriere könnte die Rehe nämlich direkt auf die Straße lenken.

Die Standortbedingungen verschlechtern sich

Übereinstimmend sprechen Naturschützer und Jäger über ein äußerst gutes Miteinander im Wiesmet. Doch leider reicht das nicht aus. „Der Bruterfolg ist gering, die Bestände gehen zurück und die Standortbedingungen verschlechtern sich“, sagt Dietmar Herold.

Die Hoffnung, dass diese Saison besser läuft, als im vergangenen Jahr, besteht zumindest. „Heuer ist es deutlich nasser. Das ist gut für die Bruterfolge“, meint der Biologe. Mit etwas Glück kommen dann auch die Jungen des Großen Brachvogels durch.

Über das Wiesmet

Das Feuchtgebiet Wiesmet liegt vor den Toren Ornbaus (Landkreis Ansbach) und ist im Verbund mit weiteren Teilräumen im Altmühltal eines der bedeutendsten Wiesenbrütergebiete Bayerns.

Die neun Wiesenbrüterarten Kiebitz, Uferschnepfe, Großer Brachvogel, Rotschenkel, Bekassine, Wachtelkönig, Braunkehlchen, Wiesenpieper und Grauammer kommen hier vor.

Das Projekt „chance.natur – Lebensraum Mittelfränkisches Altmühltal“ verfolgt das Ziel, die bedrohten Arten vor dem Aussterben zu retten.

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