Nach der Ablehnung im Kreistag des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen (WUG) will der Landkreis Ansbach das Wiesenbrüter-Schutzprojekt chance. natur im Altmühltal zunächst allein vorantreiben. Die Tür für einen Einstieg der Nachbarn im Süden bleibt aber offen.
Der Weißenburger Kreistag tagte praktisch zeitgleich mit dem Kreisausschuss im Ansbacher Landratsamt, so dass bei den dortigen Beratungen das Ergebnis aus dem Nachbarkreis noch nicht bekannt war.
Unabhängig davon war man sich im Ansbacher Sitzungssaal einig, dass die Gründung eines Zweckverbands, die bisher im Gespräch war, unter den aktuellen Voraussetzungen keinen Sinn macht. Angesichts der zahlreichen Änderungen, die der Nachbarlandkreis am Satzungsentwurf verlangt hatte, stellte sich die Frage, ob das Projekt mit der „vom Landkreis Ansbach gewünschten Intensität und Geschwindigkeit“ nach den schon jetzt erheblichen Verzögerungen und Erfahrungen umgesetzt werden könnte, meinte Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU).
Der Landkreis Weißenburg hatte in seinem Gegenentwurf die geplante enge Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) und dem Landschaftspflegeverband (LPV) bei der Umsetzung gestrichen. Die Ziele sollten sich nur nach dem Pflege- und Entwicklungsplan richten. Konkrete Ziele wie die Optimierung der Wiesenbrüter-Lebensräume und viele weitere sollten herausgenommen werden.
Ein weiterer strittiger Punkt war die Forderung nach Stimmengleichheit der Landkreise in der Verbandsversammlung, obwohl der größere Teil der Flächen im Landkreis Ansbach liegt. Der Fachbeirat sollte durch ein Flächenmanagementgremium und eine Lenkungsgruppe ersetzt werden, in der weit mehr Behörden und Verbände vertreten sein sollten als in der ursprünglichen Fassung.
Schließlich sollte der Zweckverband auf den Zeitraum der Projektförderung begrenzt werden und es sollte eine Aufwandsentschädigung für die ehrenamtlichen Mitglieder der verschiedenen Verbandsgremien geben. Insgesamt führe der Entwurf aus WUG zu einem „Maximum an Bürokratie“, meinte Landrat Ludwig.
Stefanie Schwarz von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Ansbach kritisierte unter anderem, dass mit dem Gegenentwurf Absprachen mit den Fördermittelgebern gebrochen worden seien und die Kommunalaufsicht die neue Variante für nicht genehmigungsfähig halte. Man werde versuchen, einen eigenen Förderantrag beim Umweltministerium zu stellen, was auch vom Bundesamt für Naturschutz unterstützt werde.
BBV-Kreisbäuerin Christine Reitelshöfer (CSU) bedauerte die Ablehnung aus WUG und betonte erneut das Prinzip der Freiwilligkeit, das im Projekt gilt. Dr. Christoph Hammer (CSU) riet davon ab, die Entscheidung des Nachbarlandkreises öffentlich zu kommentieren.
Das sahen viele andere Kreisräte allerdings nicht so. Philipp Hörber (Grüne) sprach von einem „Scherbenhaufen“ und nannte das Verhalten „unglücklich“. Dr. Hermann Schröter (Freie Wähler) sagte, der Gegenvorschlag diene dazu, „irgendwie aus der Nummer rauszukommen“ und die Verantwortung dafür dem Landkreis Ansbach zuzuschieben. Die Argumentation mache „sprachlos“. Hans Henninger unterstützte seinen Fraktionskollegen mit dem Hinweis, es sei wichtig, darüber zu reden, „damit es die Bevölkerung weiß“.
Verständnis für die Gegner brachte hingegen Rainer Erdel (FDP) auf. Nach den Erfahrungen mit den FFH-Gebieten sei es nachvollziehbar, dass nun die „Alarmglocken schrillen“, wenn eine neue Gebietskulisse geschaffen werde.
Auf jeden Fall besteht bei allen Fraktionen die Bereitschaft, den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen später noch ins Boot zu nehmen. „Die Tür ist geschlossen, aber nicht versperrt“, formulierte Stefan Horndasch (CSU).