Wie ein russischer Spion in Franken untertaucht | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.01.2025 07:00

Wie ein russischer Spion in Franken untertaucht

Ein abgestürztes Flugzeug bringt die Dorfbewohner in Schwierigkeiten. (Foto: Andreas Riedel)
Ein abgestürztes Flugzeug bringt die Dorfbewohner in Schwierigkeiten. (Foto: Andreas Riedel)
Ein abgestürztes Flugzeug bringt die Dorfbewohner in Schwierigkeiten. (Foto: Andreas Riedel)

Ein lautes Rauschen, dann ein dumpfer Knall. Ein Flugzeug ist abgestürzt. Und zwar absichtlich. Dieser Vorfall sowie allerhand Gerüchte und Ermittlungen stehen im Fokus des neuen Winterwandeltheater-Stückes des Bad Windsheimer Freilandtheaters. „Nachtflug“ heißt es und feiert am Freitag, 10. Januar, Premiere.

Wie gewohnt stammt das Stück aus der Feder von Christian Laubert, dem künstlerischen Leiter des Theaters. Ein Winterthriller aus dem Kalten Krieg. Denn im Winter des Krisenjahres 1963, nachdem die Welt gerade um einen dritten Weltkrieg herumgekommen war, der amerikanische Präsident im November einem Attentat zum Opfer gefallen ist und der Kalte Krieg in Vietnam in die nächste Phase eintritt, geht gleich hinter einem fränkischen Dorf ein russisches Flugzeug nieder.

Beständige Angst vor Kriegsausbruch

Der Pilot hatte es absichtlich zum Absturz gebracht, denn an Bord befindet sich eine Atombombe. Die hätte der Flieger auf geheimen Befehl eines Generals der Roten Armee über Nürnberg abwerfen sollen. Er widersetzt sich und taucht unter.

Zwei Ermittler vom Bayerischen Staatsschutz gehen 20 Jahre später dem Gerücht nach, dass in dem Dorf ein russischer Spion untergetaucht sein soll. Also hören sie sich um. Je mehr die beiden allerdings erfahren, was tatsächlich passiert ist, desto fraglicher scheint es ihnen, ob es sinnvoll ist, in dem Fall zu ermitteln. Die Zuschauer gehen mit ihnen in jene Nacht im Winter 1963 zurück, sie sehen, was damals tatsächlich passiert war.

„Damals lebten die Menschen schon in einer beständigen und durchaus berechtigten Angst, dass ein Krieg ausbrechen könnte“, erklärt Christian Laubert. Auch zur heutigen Zeit sieht der künstlerische Leiter Parallelen. Das Stück solle Bewusstsein schaffen, dass solche Situationen schon häufiger präsent waren.

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Dass Krieg ein relevantes Thema ist, sei Inspiration für das Stück gewesen. Für Laubert sind die 1960er und 1980er Jahre generell eine spannende Zeit. Zudem wollte er die Frage thematisieren, wie man mit Gerüchten umgeht. „Was bedeutet es eigentlich, die Wahrheit ans Licht zu bringen?“ Auch das sei heutzutage wichtig.

Dass „Nachtflug“ wieder ein Wandelstück ist, ist kein Zufall. Mehrere Gruppen werden an den Vorstellungsterminen über das Gelände des Fränkischen Freilandmuseums laufen und unterschiedliche Szenen sehen. Das Konzept gefalle den Zuschauern, „aber es gefällt vor allem auch uns“. Als Team und Ensemble mache es großen Spaß. „Auch der Gegensatz zwischen Sommer und Winter. Das sind ganz unterschiedliche Theater-Erfahrungen.“

Im Sommer habe man ein starkes Ensemble-Gefühl. Da sei man als Gruppe gemeinsam auf der Bühne. „Eine ganz intensive Erfahrung.“ Im Winter wiederum fange das Team zwar in der Leseprobe als komplettes Ensemble an. „Bei den Proben bist du aber immer nur mit deinen direkten Spielkameraden zusammen. Und auch das Spielen selbst ist eine völlig andere Nummer“, erklärt Laubert.

Zudem vergehe die Zeit im Winter wahnsinnig schnell. „Da war ich wirklich überrascht, als wir das vor 13 Jahren angefangen haben.“ Zunächst hatte er vermutet, dass der Kopf anfängt zu schwirren, wenn man ein und dieselbe Szene mehrere Male hintereinander spiele. „Aber das ist überhaupt nicht der Fall. Wir lieben es alle. Viele sagen, dass das eine spannende Erfahrung ist, in der du noch mal stärker in deine Rolle rein findest.“ Dabei würden die Spielenden auch immer wieder ermutigt, ihre Figur zu entwickeln, Neues anzubieten.

Profis mischen sich im Ensemble auch dieses Mal unter Amateure. Zehn Kinder sind zudem Teil davon. Elf Szenen wird es insgesamt geben. Die Besucher werden bei „Nachtflug“ gut unterwegs sein. „Wir bewegen uns nicht nur im engen Rahmen des Dorfplatzes“, erklärt Laubert. Einen Ausflug auf einen Hügel soll es geben. „Das haben wir noch nie probiert.“

Szene aus der Entfernung

Und noch etwas Neues ist geplant: „Wir machen eine Szene auf Entfernung“, erklärt Christian Laubert. Die Zuschauer stehen oben auf dem Hügel, wo denn auch eine Szene abläuft. Dann drehen sich die Gäste um, gehen ein paar Schritte an den Rand des Hügels, schauen Richtung Schlösschen. Dort spielt dann die nächste Szene. „Neben den Zuschauern steht jemand, der erzählt, was gerade passiert, und unten passiert es tatsächlich.“

Nach wie vor besonders findet Christian Laubert die Kulisse des Fränkischen Freilandmuseums für seine Freilandtheater-Stücke. „Die Gebäude und auch die Landschaften sind wie eigene Mitspieler, die ihre Geschichten mitbringen. Sie können nur das spielen, was sie sind. Man kann nicht sagen: Dieses Bauernhaus ist jetzt ein Bahnhof. Das haut einfach nicht hin. Das Haus ist, was es ist“, erklärt Laubert.

Tickets für das Winterwandelstück „Nachtflug“ gibt es online auf der Internetseite unter www.freilandtheater.de


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin im Online-Team
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