Die Gemeindewerke Wilhermsdorf verkaufen zum Jahreswechsel ihr Stromnetz an die in Nürnberg ansässige N-Ergie Netz GmbH. Gleichzeitig stellen sie den Stromvertrieb ein. Das hat auch Auswirkungen auf die Strombezieher im Hauptort der Marktgemeinde.
Wer bereits heute nicht die Gemeindewerke als Stromlieferanten gewählt hat, für diejenigen ändert sich fast nichts. Außer, der Strom fällt aus. Dann ist nicht mehr die Notfallnummer der Gemeindewerke erreichbar, sondern die nach Angaben von Daniel Meier rund um die Uhr erreichbare Störungs-Telefonnummer 0800/2342500.
Meier ist einer von mehreren Beratern des Nürnberger Energiekonzerns, die zurzeit des öfteren im Wilhermsdorfer Rathaus stehen und Fragen zum Wechsel von Stromanbieter und Netzbetreiber beantworten.
Viele davon drehen sich um bestehende oder geplante Photovoltaik-Anlagen (PVA) auf privaten Hausdächern. Bislang waren die Bürgerinnen und Bürger ziemlich verwöhnt vom schnellen Service der Gemeindewerke: Das dortige Team montierte die notwendigen neuen, elektronischen Zähler, mit denen der ins Netz fließende Strom aus den PVA abgerechnet wird, schon mal innerhalb von drei bis fünf Tagen.
Für die Anmeldung einer neuen PVA beim Netzbetreiber ist der jeweilige Installateur zuständig. Ab 1. Januar 2025 muss er das folglich bei der N-ergie Netztochter tun. Bald wollen diese das Projekt „Zählerwechsel durch den Installateur“ ausweiten, heißt es. Sprich: Dann könnte der PVA-Lieferant selbst den Zähler anschließen; eine Wartezeit auf Monteure des Netzbetreibers würde entfallen. Wie schnell aber wie viele neue Installateure dafür zugelassen werden, das bleibt offen.
Weil das Nürnberger Unternehmen mit dem Ortsnetz auch die im Kernort installierten Zähleinrichtungen der Gemeindewerke übernehmen wird, ist die N-Ergie Netz GmbH ab 2025 auch für „normale“ Zählerwechsel zuständig. Ein solcher dauert dort aktuell normalerweise etwa drei bis vier Wochen, ist auf Nachfrage zu hören.
Doch woher fließt nach Silvester der Strom in die Haushalte? Fakt ist erst einmal: Niemandem wird die Elektrizität abgedreht. Wer aktuell bei den Gemeindewerken Strom bezieht und diesen Vertrag nicht kündigt, der wird ab Neujahr automatisch Kunde des sogenannten „Grundversorgers“.
Diese Aufgabe bekommt jener Stromhändler, der im Netzgebiet der Gemeindewerke zum Jahreswechsel die meisten Kunden mit Lieferverträgen nachweisen kann. Doch niemand brauche bis Ultimo mit einem Wechsel vom jetzigen Stromlieferanten zu einem anderen zu warten, sagt Daniel Meier. Denn er hofft nicht nur insgeheim, dass möglichst viele Haushalte in Wilhermsdorf der aus den einstigen Nürnberger Stadtwerken hervorgegangenen N-ergie den Lieferauftrag erteilen. „Das können Sie jetzt schon tun. Beispielsweise ist möglich, den Wechsel erst mit Datum 1. Januar 2025 in Kraft zu setzen“, erklärt er.
Dabei wirbt er mit Ökostrom zu einem garantierten Festpreis bis zum Jahresende 2025, aber auch auf die Möglichkeit, über das CO2-Minderungsprogramm des Konzerns Zuschüsse für die Heizungsmodernisierung oder zum Einbau einer Wandladestation für E-Autos zu bekommen, weist Meier hin.
Jedoch sind auch andere regionale Stromanbieter offensichtlich an den bisherigen Gemeindewerkskunden interessiert. Beispielsweise würde das Markt Erlbacher Unternehmen RegioGrünStrom ebenfalls „in Wilhermsdorf gerne den Status des Grundversorgers übernehmen“, schreibt Geschäftsführerin Nadine Paulus. „Deshalb machen auch wir aktuell Werbung in Wilhermsdorf.“ Bekannt ist der Ökostrom-Anbieter aus der Nachbargemeinde etwa, weil dessen Mutterfirma „Wust – Wind & Sonne“ unter anderem viele Bürger-Wind- und -Solarkraftwerke in der Gegend geplant und errichtet hat.
Über seinen Stromlieferanten kann jeder selbst entscheiden. So stehen dafür viele Internet-Vergleichsdienste zur Verfügung. Doch nicht immer sind die ersten angezeigten Adressen die günstigsten, warnen Verbraucherschutz-Organisationen.