Wer kämpft um die Rathäuser, wo wird es spannend? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.03.2026 04:01

Wer kämpft um die Rathäuser, wo wird es spannend?

Wo werden die Kommunalwahlen besonders spannend? (Illustration) (Foto: Daniel Karmann/dpa)
Wo werden die Kommunalwahlen besonders spannend? (Illustration) (Foto: Daniel Karmann/dpa)
Wo werden die Kommunalwahlen besonders spannend? (Illustration) (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Bei der Kommunalwahl am 8. März sind viele gespannt auf das landesweite Abschneiden der Parteien. Dabei ist die Wahl eigentlich eine Summe vieler kleiner Wahlen für Spitzenämter vor Ort. Interessant werden die OB-Wahlen in größeren Städten und manche Landratswahlen. Aber nicht nur. Eine beispielhafte Liste, wo es besonders interessant oder spannend wird:

München/Oberbayern

München: Hier wird das Rennen voraussichtlich unter drei erfahrenen Kommunalpolitikern ausgemacht. Amtsinhaber Dieter Reiter von der SPD ist schon seit 2014 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt und möchte ein drittes Mal das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger erlangen. Er profitiert von der Abschaffung der Altersgrenze für Kommunalpolitiker vor zwei Jahren – ohne diese Entscheidung der Staatsregierung hätte er mit nunmehr 67 Jahren gerade so nicht noch einmal antreten dürfen.

Reiters Konkurrenten sind deutlich jünger: Dominik Krause von den Grünen ist erst 35 Jahre alt, sitzt aber bereits seit mehr als einem Jahrzehnt im Stadtrat und wurde 2023 zum Zweiten Bürgermeister Münchens gewählt. Von der CSU tritt der 1976 geborene Jurist Clemens Baumgärtner an, der als ehemaliger Wirtschaftsreferent die Stadtverwaltung ebenfalls sehr gut kennt.

Neubiberg: Hier hält die CSU trotz Drogen-Vorwürfen an ihrem Bürgermeister fest und zog mit ihm in den Kommunalwahlkampf. Thomas Pardeller war in München von der Polizei mit Drogen erwischt worden. Ihm wird der Besitz von 0,2 Gramm Kokain vorgeworfen. In einer persönlichen Erklärung schrieb er: „Ich habe einen Riesenfehler, eine Riesendummheit gemacht.“

Berchtesgaden: Hier werden bei der Kommunalwahl die Karten neu gemischt. Der seit 2008 amtierende Bürgermeister Franz Rasp (CSU) tritt nicht mehr an. Nun bewirbt sich ein Olympiasieger um seine Nachfolge: Für die CSU geht der ehemalige deutsche Rennrodler Alexander Resch ins Rennen. Er holte im Doppelsitzer bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City Gold und ist heute Vorstand im Bob- und Schlittenverband für Deutschland. Er hat drei Mitbewerber um das Bürgermeisteramt: Christoph Angerer kandidiert für die Freien Wähler, Iris Edenhofer für die Grünen und Katharina Huber für die SPD.

Chiemsee: In Bayerns kleinster Gemeinde Chiemsee ist die Wahl eine gmahde Wiesn. Erneut bewirbt sich Amtsinhaber Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft Chiemsee) um das Amt - der gelernte Elektriker ist der einzige Kandidat. Die Gemeinde mit rund 200 Einwohnern und etwa 150 Wahlberechtigen umfasst die Fraueninsel, die Herreninsel und die unbewohnte Krautinsel. 

Schwaben

Augsburg: Hier strebt Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) eine zweite Amtszeit an, insgesamt neun Gegenkandidaten wollen dies verhindern. Auch Webers grüne Koalitionspartnerin, Bürgermeisterin Martina Wild, möchte den Chefsessel im Rathaus erobern. Für die Sozialdemokraten tritt Stadtrats-Fraktionschef Florian Freund an, nachdem Weber vor sechs Jahren gegen den damaligen SPD-Kandidaten in die Stichwahl musste.

Etliche Beobachter rechnen auch diesmal wieder mit einer Stichwahl zwischen den Bewerbern von CSU und SPD. In der Vergangenheit hatten in Bayerns drittgrößter Stadt abwechselnd CSU- und SPD-OBs regiert.

Wertingen: Einen ungewöhnlichen Seitentausch gibt es bei der Bürgermeisterwahl im schwäbischen Wertingen (Landkreis Dillingen an der Donau). Bernhard Uhl, der seit 2014 für die CSU Rathauschef in Zusmarshausen im Landkreis Augsburg war, tritt nun in Wertingen als parteiloser Bewerber für die Grünen an. Hintergrund ist, dass Uhl in Zusmarshausen CSU-intern nicht mehr unumstritten war. Daraufhin erklärte er die künftige Zusammenarbeit mit den Grünen und seinen Austritt bei den Christsozialen. Bei der Wahl wird Uhl auch von der SPD unterstützt, zudem gibt es in Wertingen drei weitere Bürgermeister-Kandidaten und eine Kandidatin.

Oberpfalz

Regensburg: Ein Wechsel auf dem Chefsessel steht im Rathaus Regensburg an. Amtsinhaberin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) tritt nicht mehr an und nannte dafür familiäre Gründe. Als Kandidaten für ihre Nachfolge stellte ihre Partei Thomas Burger auf, den Vorsitzenden der Stadtratsfraktion.

Maltz-Schwarzfischer hatte den Posten 2017 zunächst kommissarisch übernommen, und zwar von ihrem damals im Zusammenhang mit der sogenannten Parteispendenaffäre suspendierten Vorgänger Joachim Wolbergs. 2020 trat die heute 65-Jährige wieder an und setzte sich in einer Stichwahl gegen die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein durch. Diese geht auch 2026 wieder ins Rennen um den OB-Posten.

Niederbayern

Dingolfing: Nach dem überraschenden Rücktritt des Bürgermeisters von Dingolfing am 13. November dürfte die Wahl in der niederbayerischen Stadt besonders in den Fokus rücken. Der 48-jährige Armin Grassinger (Unabhängige Wählergemeinschaft Dingolfing/UWG) hatte eigentlich erneut antreten wollen. Aufgrund von Anfeindungen und Bedrohungen gegen sich und seine Familie zog er sich jedoch zurück. Die Amtsgeschäfte übernahm zunächst die 2. Bürgermeisterin Maria Huber (UWG).

Mittelfranken

Nürnberg: In Bayerns zweitgrößter Stadt wird spannend, ob dem CSU-Oberbürgermeister Marcus König wieder der Wahlsieg gelingt. Nürnberg galt jahrzehntelang (bis auf eine kurze Unterbrechung) als rote Hochburg. Doch als der beliebte SPD-Oberbürgermeister Ulrich Maly nach 18 Jahren im Amt bei der letzten Wahl 2020 nicht mehr antrat, eroberte der CSU-Politiker das Nürnberger Rathaus. Diesen fordert nun SPD-Spitzenkandidat Nasser Ahmed heraus. Sollte er gewinnen, würde Nürnberg erstmals von einem Oberbürgermeister mit Migrationshintergrund regiert. Ahmeds Eltern stammen aus Eritrea, er selbst wurde in Nürnberg geboren. Die Grünen-Kandidatin Britta Walthelm gilt zwar als Außenseiterin, sollte sie ein ordentliches Ergebnis einfahren, könnte es aber zu einer Stichwahl kommen. 

Fürth: In Fürth will SPD-Urgestein Thomas Jung nach 24 Jahren im Amt noch einmal gewählt werden - und hat beste Chancen. 2020 heimste er mit fast 73 Prozent ein Rekordergebnis ein. In Erlangen, wo insgesamt acht Kandidaten und Kandidatinnen um den Chefsessel im Rathaus kämpfen, könnte es zwischen CSU-Bewerber Jörg Volleth und Amtsinhaber Florian Janik von der SPD eng werden. Eines der Dauer-Streitthemen ist der Bau einer städteübergreifenden Trambahnlinie, der sogenannten Stadt-Umland-Bahn, den die CSU ablehnt. 

Unterfranken

Würzburg: Hier wird dieses Mal kein neuer Oberbürgermeister gewählt. Mit Martin Heilig an der Rathausspitze gibt es seit dem 1. Juli erstmals einen grünen Oberbürgermeister in Bayern - sein Vorgänger Christian Schuchardt (CDU/CSU) war im Sommer zum Deutschen Städtetag gewechselt, die Wahl hatte deshalb vorgezogen werden müssen. 

Für Schlagzeilen dürfte aber die Stadtratswahl sorgen, weil der umstrittene AfD-Landtagsabgeordnete Daniel Halemba für seine Partei als Spitzenkandidat ins Rennen geht. Das Amtsgericht Würzburg hatte den 24-Jährigen Anfang Februar wegen Geldwäsche und Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilt - die Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Halemba weist die Vorwürfe zurück.

Schweinfurt: Die Schweinfurter müssen einen neuen Oberbürgermeister wählen. Nach 16 Jahren und drei Amtsperioden tritt Rathauschef Sebastian Remelé (CSU) nun nicht mehr an. Sieben Bewerber gibt es um das Amt.

Miltenberg: Der Miltenberger Landrat Jens Marco Scherf ließ seine Dienstgeschäfte monatelang aus gesundheitlichen Gründen ruhen und tritt bei der Kommunalwahl auch nicht mehr an. Der Grünen-Politiker war 2014 erstmals zum Landrat gewählt worden und hatte sich in der Migrationsdebatte auch bundesweit Gehör verschafft. Um das Amt bewerben sich fünf Kandidaten. Die größten Chancen dürften Björn Bartels (CSU/39) und Michael Schüßler (FW/40) haben.

Oberfranken

Bamberg: Hier will eine ehemalige bayerische Staatsministerin den Chefsessel im Rathaus für die CSU erobern. Melanie Huml, einst Gesundheits- und Europaministerin, tritt bei der OB-Wahl an. Bisher hatte die bei Touristen und Ausflüglern beliebte Welterbe-Stadt einen SPD-Oberbürgermeister, Andreas Starke tritt jedoch nicht wieder an. Der Jurist war 2006 erstmals ins Amt gewählt worden. Seine Partei schickt nun Sebastian Niedermaier ins Rennen. Für die Grünen tritt der bisherige zweite Bürgermeister Jonas Glüsenkamp an - ihm werden gerade im studentisch geprägten Milieu durchaus Chancen eingeräumt. Insgesamt gibt es acht Kandidierende.

Hof: Politik zwischen Hof und Berlin - das Ehepaar Bär kennt diesen Spagat seit Jahren. Während Dorothee Bär (CSU) inzwischen Bundesministerin für Forschung ist, will ihr Mann Oliver - auch bei der CSU - Landrat für den Landkreis Hof bleiben. Herausgefordert wird er von SPD-Kandidat Alexander Mosena und Stefan Heindl (FDP). Bemerkenswert: Vor allem der Norden Bayerns galt jahrelang als vergleichsweise starkes SPD-Gebiet. Bär gewann 2014 eher überraschend die Wahl, 2020 fiel sein Vorsprung deutlicher aus.

Lichtenberg: Eine interessante Personalie ergibt sich in Lichtenberg im Landkreis Hof. Hier gewann 2020 ein 19-Jähriger die Kommunalwahl und wurde zum damals jüngsten Bürgermeister Deutschlands: Kristan von Waldenfels. Inzwischen ist seine politische Karriere weitergegangen, er sitzt für die CSU im bayerischen Landtag, als bisher jüngster Abgeordneter überhaupt. Bürgermeister in Lichtenberg ist er aber geblieben. Und will das auch nach der Wahl 2026 sein.

© dpa-infocom, dpa:260301-930-751094/1


Von dpa
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