Wenn Kino-Stars nach Franken kommen: „Abgedreht” in Bad Windsheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.06.2025 06:30

Wenn Kino-Stars nach Franken kommen: „Abgedreht” in Bad Windsheim

Regisseur Kurtz (Peter Pruchniewitz) erklärt den Schauspielern Andra (Andreas Fischer-Klärle) und Addi (Frank Wiedenmann) die Handlung. Schneiderin Irmi (Carmen Laub) kümmert sich ums Kostüm. (Foto: Andreas Riedel)
Regisseur Kurtz (Peter Pruchniewitz) erklärt den Schauspielern Andra (Andreas Fischer-Klärle) und Addi (Frank Wiedenmann) die Handlung. Schneiderin Irmi (Carmen Laub) kümmert sich ums Kostüm. (Foto: Andreas Riedel)
Regisseur Kurtz (Peter Pruchniewitz) erklärt den Schauspielern Andra (Andreas Fischer-Klärle) und Addi (Frank Wiedenmann) die Handlung. Schneiderin Irmi (Carmen Laub) kümmert sich ums Kostüm. (Foto: Andreas Riedel)

Wie die Zeit vergeht. Unfassbar. 21 Jahre ist es her, dass Christian Laubert im Fränkischen Freilandmuseum mit seinem Freilandtheater in die erste Saison aufbrach. Jetzt kehrt das Stück von damals wieder – nicht einfach so. Im Sommertheater von Bad Windsheim geht es raffinierter zu. Rolf Kindler hat das alte in ein neues eingebettet.

„Abgedreht“, so heißt die aktuelle Komödie. Rolf Kindler schickt darin, sie spielt 1927, ein Stummfilmteam in ein mittelfränkisches Dorf. Die Laientheatergruppe dort hat Erfolg mit einem Heimatstück. Die Filmprofis wollen nun im Kino damit Kasse machen. Der dörfliche Historienschinken hat einen altbekannten Titel: „Das fliegend Schweyn“. Das Stück und das Filmprojekt heißen so wie Christian Lauberts „fränkische Inquisitionscomoedia“ von 2004.

Wer die seinerzeit gesehen hat, darf sie jetzt nicht verpassen. Und ja, Erinnerungen ans „Fliegend Schweyn“ werden wieder lebendig – in aller Kürze natürlich, als improvisiertes Spiel der Dorfkinder, was ein witziger erster Höhepunkt ist. Das junge Ensemble führt vor, wie der Fürstbischof mit einer Scheinfolterung ausgetrickst wird, um einen Dörfler vor die Inquisition zu retten.

Dramatisch-ironische Hexenverbrennung

Später sieht man, noch ein Höhepunkt, was die Berliner Filmleute aus dem „Fliegend Schweyn“ machen. Von der bauernschlauen Subversion bleibt nichts übrig. Dafür gibt es eine Hexenverbrennung auf einem flackernden, wild rauchenden Scheiterhaufen samt Flugschwein und einem Kuss aufs Rüsselchen – Melodrama pur, satirisch gebrochen.

Regie geführt hat Christian Laubert, der künstlerische Leiter, Hauptautor und Hauptregisseur des Freilandtheaters. Laubert hat Kindlers Stück so inszeniert, wie es seit dreimal sieben Jahren gute Tradition im Freilandmuseum ist: mit Musik, mit Massenszenen vor malerischer Museumskulisse, mit dramatischen Effekten und als eine respektgebietende Gemeinschaftsleistung: Er vereint Amateure und Profis so gekonnt zum generationenübergreifenden Ensemble, dass die Unterschiede nicht immer gleich zu erkennen sind.

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Das Stück hat 28 Figuren und handelt von Sabotage am Filmset, von einem Bürgermeister, der seine Gemeinde als Filmdorf vor drohender Armut retten will. Es erzählt von unbeglichener Schuld, von Rachegelüsten und Liebesgeschichten, von Stars und von Menschen, denen Anerkennung fehlt, die ungerecht behandelt worden sind. Und es spiegelt das wirkliche Leben in der Kunst und umgekehrt. Wer mag, sieht auch eine Reverenz an den expressionistischen Stummfilm. Der Auftritt des blinden Fremden, der von weither auf die Hambühler Schäferei, den Spielort, zuläuft, verbreitet Finsternis bei Tag.

Stummfilmmusik zum Dorfgeschehen

Der erste Teil der Komödie, das verlangt ein wenig Geduld, breitet die vielen kleinen Konflikte, die das Stück von Szene zu Szene stupsen, wie Puzzleteile aus. Der zweite setzt sie flott zusammen. Zwischendurch sprühen Ironiefunken, wenn sich Dorf und Film aneinanderreiben. Vor allem die Kinoleute haben viel Parodiepotenzial. Christian Laubert nutzt es mit seinem Ensemble. Luise Hagedise Bernburg und Andreas Fischer-Klärle sind ein hinreißend pathetisches Star-Paar. Peter Pruchniewitz karikiert den Filmregisseur als Großtöner mit Genie-Attitüde. Und Johannes Szilvássy ist als Produktionsassistent so komödiantisch verdruckst, dass man die Figur gern haben kann.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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