Nicht alles, was auf der diesjährigen Technikmesse IFA (Zuschauertage 4. bis 8. September 2026) rund um den Haushalt präsentiert wird, ist wirklich ganz neu, ganz anders, ganz unerwartet. Häufig sind es nur Feinheiten, an denen die Hersteller bei ihren Klassiker-Geräten drehen. Doch gerade sie geben eine Richtung vor: Weniger ist mittlerweile mehr.
Das fängt bei den Bedienknöpfen der Geräte an - Miele entwirft mit seiner Konzeptstudie „Cary“ etwa die Vision einer Waschmaschine, bei der man wirklich nur noch einen Knopf, die Startaste, drücken muss. Das zieht sich durch in puncto Funktion - AEG präsentiert ein Kochfeld mit Fokus auf einem spezifischen Gericht, nämlich One Pot Pasta (ständiges Umrühren der Nudeln soll auf der Platte passé sein).
Und das endet bei der Optik. Die Stoßrichtung: Bitte nicht noch jemand, der was von mir will, auch kein Herd, kein Kühlschrank, keine Waschmaschine. Und: Bitte nicht untätig im Weg herumstehen, auch nicht du, lieber Dampfgarer. Das geht nicht? Dann aber bitte nicht glänzen!
Die wichtigsten Trends im Überblick:
Die Kamera ist das Ding der Stunde, zumindest wenn man sich auf der IFA umschaut - und bei den dort präsentierten Öfen. Die Hersteller arbeiten bei den Geräten schon eine ganze Weile mit integrierten Kameras zur automatisierten Gerichteerkennung - und lassen sich immer wieder ein paar Upgrades einfallen.
Siemens zeigt in diesem Jahr etwa seinen KI-Backofen „IQ700“. Der kann mit Hilfe der Kamera im Inneren jetzt nicht mehr nur klassische Standardgerichte wie Pizza - auf der Messe gerne auch mal als Attrappe in den Ofen geschoben - erkennen. Das Gerät kann jetzt auch „ganz persönliche Spezialgerichte“ einbeziehen, wie Siemens das nennt.
Die Kartoffel-Lachs-Gemüse-mit-Käse-Eigenkreation oder der Käsekuchen à la Oma werden dafür vom Gerät fotografiert - und können dann als Favorit samt Zubereitungsart (Programm, Temperatur, Backzeit) hinterlegt werden. Ist das erledigt, soll es genügen, die jeweils abgespeicherten Aufläufe, Kuchen und Co. in den Ofen zu schieben, dem Backofen das „Ok“ für den Start zu geben - und ihn einfach mal machen zu lassen. Stichwort: Eine Auswahl weniger - und sei es nur die der heutigen Backzeit fürs Gratin.
Doch bei den Öfen bleibt es nicht. Jetzt macht auch noch die Spülmaschine Fotos - und zwar bei jedem Schließen vom dreckigen Geschirr in ihrem Inneren. Das auf der IFA vorgestellte Miele-Modell „G8 Diamond“ soll mit Hilfe dieser Aufnahmen erkennen, welche Teller, Töpfe, Tassen auf Reinigung warten und den Spülprozess entsprechend anpassen.
Konkret heißt das: Das Reinigungsgranulat passend dosieren, die Heißlufttrocknung steuern, die Kunststoffbrotdose also etwa ohne lästige Tröpfchen aus der Maschine entlassen. Und überhaupt: zum richtigen Zeitpunkt mit der Spülarbeit starten.
Denn wer die App zur Spülmaschine nutzt, kann auch gleich seine Spülmaschinenvorlieben festlegen. Etwa, dass der Geschirrspüler bitte immer dann starten soll, wenn er zu 60, 80 oder 90 Prozent beladen ist, aber nicht vor 20 Uhr - oder am besten nur tagsüber. Alternativ kann der Start auch an die verfügbare Energie aus der eigenen Photovoltaikanlage gekoppelt werden.
Ab und an braucht man sie, ansonsten stehen sie mehr oder weniger schön herum - und nehmen Platz weg: Die Rede ist von allerlei Gerätschaften rund um den Haushalt. Das Gute: Die Hersteller lassen sich derzeit einiges einfallen, um ihre Produkte möglichst klein und kompakt auf den Markt zu bringen - oder gleich ganz mit Versteckoption.
Manches davon ist eher noch Zukunftsmusik, etwa das Miele-Konzept „Compact Living“, bei dem in Zusammenarbeit mit dem Möbelbeschläge-Hersteller Hettich Kochmöbel entstehen sollen, die ihre Küchenfunktionen mit ein paar Drehbewegungen verbergen können - Stichwort: motorisierte Möbelbeschläge.
Andere, kleinere Lösungen, gibt es schon: Dampfschubladen etwa, die sich unter Öfen und in Küchenfronten verbergen.
Keine Weltneuheit - Siemens, Miele und Bosch präsentierten die Schubladen, in denen Zucchini, Spargel, Lachs schonend vor sich hin garen oder Babyfläschchen desinfiziert werden, schon im vergangenen Jahr auf der IFA. Aber doch ein klarer Trend: Was gerade nicht gebraucht wird, soll auch nicht im Vordergrund stehen. Schon gar nicht, der nur manchmal fleißige Saug-Wisch-Roboter, der den meisten Teil des Tages Pause macht.
Bosch zeigt ihn auf der diesjährigen IFA etwa in der Einbau-Variante. Sprich: die Servicestation des Geräts lässt sich im Küchenschrank unter dem Mülleimer parken, sofern es dort einen Wasseranschluss gibt. Dort kann der Wischsauger außerhalb seiner Arbeitszeiten gereinigt werden. Die Drecksarbeit bleibt also freundlicherweise außer Sichtweite.
Apropos Optik - die ist jetzt vor allem oft eines: nicht besonders glänzend. Kochfelder, Öfen, Dunstabzugshauben und Co. werden von Herstellern jetzt häufig in mattschwarzer Optik präsentiert.
Ob nun matte Optik oder nicht: Der Begriff Weiße Ware für Kühlschrank, Waschmaschine und Co. hat ohnehin eher ausgedient, zumindest in seiner wortwörtlichen Bedeutung. Denn, ob nun AEG, Siemens oder Bosch - reinweiße Geräte sind seltener geworden.
Schwarz muss es allerdings auch nicht immer sein. Miele konstatiert beim IFA-Messeauftritt etwa in großer Schrift „Pearl beige is the new black“ - ein Hinweis auf eine Einbaugerätelinie in zurückhaltendem Grau-Beige.
Bunter geht es übrigens beim Auftritt des Kühlschrankherstellers Liebherr zu: Hier zeigt sich ein Gerät sogar in Blümchenoptik - zu Hause dann aber nur auf ausdrücklichen Wunsch. Denn den eigenen Kühlschrank kann man bei Liebherr optisch konfigurieren, etwa mit Designvorlagen wie dem farbenfrohen Muster „Madeira“. Inspiriert ist das, so heißt es beim Hersteller, von der Botanik der besagten Blumeninsel.
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