Weitenjäger geben sich die Ehre auf dem Golfplatz Lichtenau-Weickershof | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.06.2025 09:13

Weitenjäger geben sich die Ehre auf dem Golfplatz Lichtenau-Weickershof

Muskeln brauchte es schon beim Longdrive, aber eben auch eine ausgeklügelte Technik, damit so ein Golfball weit über 300 Meter fliegen kann. (Foto: Brute Golf)
Muskeln brauchte es schon beim Longdrive, aber eben auch eine ausgeklügelte Technik, damit so ein Golfball weit über 300 Meter fliegen kann. (Foto: Brute Golf)
Muskeln brauchte es schon beim Longdrive, aber eben auch eine ausgeklügelte Technik, damit so ein Golfball weit über 300 Meter fliegen kann. (Foto: Brute Golf)

Sie werden auf dem Golfplatz ehrfürchtig als eine Art mythologische Halbgötter verehrt. Wer über sie spricht, flüstert zumeist leise, beinahe andächtig: Longdriver. Sie jagen Golfbälle mit unglaublicher Dynamik auf Entfernungen von bis zu 400 Metern. Solch professionelle Weitenjäger gastieren erstmals in Nordbayern – am 29./30. August im Golfclub Lichtenau-Weickershof.

Timo Petrasch war von 2014 bis 2022 als professioneller Longdriver aktiv, mittlerweile tritt der inzwischen 37-Jährige mit seiner Firma Brute Golf als Veranstalter der European Long Drive Games (ELDG) auf. In den vier Jahren des Bestehens hat sich diese Tour gemausert und ist inzwischen nach der nur in Nordamerika ausgetragenen World Longdrive Tour die zweitgrößte Wettbewerbsreihe der Weitenjäger.

„Von Null auf Hundert“

An die Anfänge denkt Petrasch heute schmunzelnd zurück. Da hatte er etwa als Abschlagmarkierung zwei Fähnchen links und rechts gesteckt, dazwischen lag ein einsamer Golfball, den die Aktiven möglichst weit schlagen sollten. Das Prinzip ist – vereinfacht ausgedrückt – bis heute gleichgeblieben, an den Details hat Petrasch mit seinem Team aber mächtig gefeilt.

„Von Null auf Hundert“: So beschreibt der Firmenchef, der mit seiner Marke Brute Golf inklusive eines immer größer werdenden Portfolios auf dem Markt stark expandiert, den Werdegang der European Long Drive Games. „Wenn wir so weitermachen, wird Longdrive so populär wie Darts“, zieht er einen Vergleich mit einem anderen ehemaligen Nischensport.

Bewusster Bruch mit Konventionen

„Longdrive hat mit herkömmlichem Golf nichts zu tun.“ Petrasch bricht bei seinen Veranstaltungen ganz bewusst mit vielen Konventionen, die ihn an einem herkömmlichen Golfclub stören. Seine Events sind laut, ein wenig schrill, voller Action und damit so ganz anders als die meisten Menschen Golf wahrnehmen. Hier muss keiner ruhig sein, im Gegenteil: Die Protagonisten laufen bei künstlichem Nebel und lauter Musik ein, es herrscht entspannte Stadionatmosphäre auf den Tribünen.

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„Junge Menschen finden Golf irgendwann langweilig“, hat er festgestellt, „das in deutschen Clubs oft noch vorherrschende Etepetete zieht nicht mehr.“ Auch deshalb sind seine Longdrive-Events so anders und ziehen Fans nicht nur aus dem Golflager an. Im Golfclub Lichtenau-Weickershof waren die Verantwortlichen schnell von der Idee überzeugt, den Platz für so ein Ereignis zur Verfügung zu stellen.

Video-Wall mitsamt Liveübertragung

„Es freut mich für den GC Lichtenau, das lief alles sehr unkompliziert“, berichtet Petrasch von der besiegelten Zusammenarbeit, die eine Video-Wall mitsamt Liveübertragung auf YouTube einschließt. Das Areal in Lichtenau ist tatsächlich wie gemacht für die Weitenjäger: Aufgebaut werden Tribüne, Catering mit Biergarten und Abschlagbereich gleich an Bahn 1, deren Länge genau passend ist für die Longdriver.

Die jagen die Bälle nicht selten auf Weiten weit jenseits der 300 Meter. Dafür braucht es neben der entsprechenden Konstitution auch und gerade eine gute Technik. Denn die Versuche der Spieler müssen in einem zuvor abgesteckten Korridor landen, um in die Wertung zu kommen. „Man muss schon ein verdammt guter Golfer sein“, erklärt Petrasch. Denn wer einen Golfball so beschleunigen will, dass er mehrere hundert Meter weit und geradeaus fliegt, muss ihn perfekt treffen.

„Zwischen 30 und 50 Teilnehmer“ erwartet Petrasch zu der Veranstaltung Ende August in Lichtenau. „Bavarian Bash“ hat er es provokant getauft. Tatsächlich werden die Weitenjäger der Übersetzung nach die Bälle „hauen, schlagen oder prügeln“. Im Durchschnitt sind die Aktiven alle um die 1,90 Meter groß und „wahre Maschinen“, wie Petrasch anerkennend sagt und verspricht: „Das ist auch für Nichtgolfer super interessant und ein tolles Event, das man sich anschauen sollte.“


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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