Junge Männer schlagen Schaufenster ein, Geschäfte werden geplündert, Molotowcocktails fliegen in Richtung Polizisten - es sind Szenen, wie sie Frankfurt seit den Blockupy-Ausschreitungen 2015 nicht mehr erlebt hat. Wie in mehreren anderen deutschen Großstädten hatten die Initiativen „Gen Z regelt“ sowie „Generation Aufbruch“ in der Stadt zu Protesten aufgerufen, die am Abend in die Krawalle mündeten. Ausschreitungen und Zwischenfälle gab es auch in Köln sowie teils in Hamburg und Berlin - aber nirgends so heftig wie in der Bankenmetropole am Main.
Wer steckt hinter der Gewalt und warum hat sie sich ausgerechnet in Frankfurt in diesem Ausmaß entladen? Fragen und Antworten zum Thema:
Am Samstag waren die Demonstrationen, zu denen die Initiativen „Gen Z regelt“ und „Generation Aufbruch“ in Hessens größter Stadt aufgerufen hatten, zunächst über weite Strecken friedlich verlaufen. Daran beteiligten sich tausende Menschen, die für mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit sowie gegen die Einführung einer Wehrpflicht auf die Straße gingen.
Doch am Abend kippte die Stimmung: Polizisten wurden nach eigenen Angaben mit Böllern, Steinen und Flaschen beworfen. Als sie die Demonstration gegen 18.20 Uhr wegen eines „unfriedlichen Verlaufs“ auflösten, kam es zu Tumulten mit eingeschlagenen Schaufensterscheiben, Plünderungen in Geschäften und brennenden Barrikaden. Schließlich sperrte die Polizei Teile der Innenstadt ab. Rund 30 Personen werden festgenommen. Erst am frühen Morgen beruhigte sich die Lage.
Genau Zahlen waren zunächst nicht bekannt. Laut Polizei erlitten mehrere Beamte Verletzungen. Die Zahl der verletzten Demonstranten und Randalierer blieb zunächst nicht unklar.
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sieht die Verantwortlichen zum einen in der linksextremen Szene - aber nicht alleine dort: Man gehe von ungefähr 100 linksextremistisch motivierten Gewalttätern aus, die die Polizei massiv mit Flaschenwürfen, Steinen und Pyrotechnik angegriffen hätten. Zudem verweist er auf Probleme mit gewaltbereiten Gruppen junger Menschen in der Mainmetropole.
„In Frankfurt hat sich ein enormes Gewaltpotential von Linksextremisten und gewaltorientierten jungen Menschen, größtenteils mit Migrationshintergrund, entladen“, so der Minister. „Frankfurt ist leider an jedem Wochenende ein besonderer Anziehungspunkt für junge Menschen, die Rechtsbrüche begehen und in Teilen gewaltbereit sind“, erklärte er weiter. „Die Tätergruppen kommen nur zu einem Teil aus Frankfurt; sie reisen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet an.“
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verurteilte die Krawalle und sieht vor allem bestimmte Gruppen als Urheber von Ausschreitungen. „Gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu haben gestern Abend die friedlichen Demonstrationen vom Nachmittag gekapert“, sagte der CSU-Politiker der „Bild“ und kündigte zugleich an: „Die Randalierer und Plünderer werden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen. Auf diesen Landfriedensbruch müssen harte Strafen folgen.“
Die oppositionelle AfD im hessischen Landtag warf Innenminister Poseck vor, „französische Verhältnisse“ nicht verhindert zu haben. „Die Gewalt in Frankfurt am Main ist erschreckend und einmal mehr ein dringender Aufruf an Schwarz-Rot, endlich bei Linksextremisten und migrantischer Gewalt besser hinzuschauen“, teilte Landtagsfraktionschef Robert Lambrou mit.
Zerborstene Schaufensterscheiben, geplünderte Geschäfte, brennende Barrikaden - die Schäden, die durch die Gewalt in Frankfurt entstanden sind, seien „erheblich“, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Genau abschätzbar seien diese allerdings noch nicht.
Laut Polizei wird zu zahlreichen Straftaten ermittelt. Über WhatsApp rief sie Zugen auf, Fotos und Videos von Vorfällen oder dem Geschehen über einen Hinweisserver zur Verfügung zu stellen. Zudem wurden Zeugen gebeten, über die Onlinewache Angaben zu Beobachtungen zu machen.
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