Bundesbildungs- und -jugendministerin Karin Prien will mit jungen Menschen in den Dialog über ihre Sorgen treten und ruft sie zugleich zu friedlichen Demonstrationen am Samstag auf. „Seid laut. Engagiert Euch in Parteien. Aber seid nicht gewalttätig“, appellierte die CDU-Politikerin im „Stern“ vor dem Protesttag der Initiative „Gen Z regelt“. „Das schadet Euren Anliegen nur. Ich lade Euch ein zum Dialog“, betonte Prien. „Denn es gibt selbstverständlich die legitimen Anliegen der Jugendlichen“, fügte sie hinzu. Auch Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) und der Jugendforscher Klaus Hurrelmann mahnten, die Anliegen der jungen Generation ernst zu nehmen.
Die Gruppierung „Gen Z regelt“ plant Demonstrationen in rund 30 Städten, bei denen junge Menschen für mehr Klimaschutz, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und gegen eine Wehrpflicht auf die Straße gehen wollen. Dabei lehnt „Gen Z regelt“ Gewalt ausdrücklich ab. Bei Protesten in Frankreich und anderen europäischen Ländern war es zu Krawallen gekommen.
Prien wies auf Unterschiede zum Nachbarland hin: „Die Schulen bei uns sind in besserem Zustand, die Klassen kleiner, Lehrkräfte werden besser bezahlt.“ Auch gebe es in Deutschland anders als in Frankreich ein funktionierendes Berufsbildungssystem und eine deutlich geringere Jugendarbeitslosigkeit. „Für Zugeständnisse wie in Frankreich braucht man in Deutschland nicht auf die Straße zu gehen, weil wir diese Rahmenbedingungen längst haben.“
Für legitim hält der Präsident des Deutschen Städtetages, Jung, die Demonstrationen in Deutschland. „Eine Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Meinung äußern, Entscheidungen hinterfragen und Veränderungen einfordern. Wenn junge Menschen am 31. Oktober demonstrieren, wollen sie ihre Zukunft mitgestalten“, sagte der Leipziger Oberbürgermeister den Funke Medien.
Wer sich über Bildung, soziale Sicherheit, bezahlbares Wohnen und die Zukunft Gedanken mache, erwarte zu Recht, dass die Politik zuhöre und handle. „Die junge Generation ist nicht nur die Zukunft unseres Landes. Sie ist Teil unserer Gesellschaft heute. Ihre Fragen verdienen Antworten - und ihre Stimme muss in der Politik Gewicht haben“, betonte Jung. Er erwarte, dass die jungen Leute ihre Anliegen friedlich auf die Straße tragen könnten.
Auch der Jugendforscher Hurrelmann rief die Politik auf, sich den Anliegen der Jugend zu stellen. „Wir haben lange beklagt, dass junge Menschen sich zu wenig beteiligen und sich von den Parteien entfremden. Jetzt wollen sie auf die Straße, und die erste Reaktion der Politik ist Abwehr. Das finde ich ausgesprochen ungeschickt“, sagte Hurrelmann der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Die Regierungsparteien sollten zügig auf die jungen Menschen zugehen und in verschiedenen Städten Gespräche organisieren. „Ernst nehmen heißt nicht, jeden Wunsch zu erfüllen. Es heißt, zuzuhören und sich auseinanderzusetzen.“ Besonders bei der Debatte über eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht mahnte Hurrelmann mehr Beteiligung an.
„Besonders schwer wiegt, dass viele junge Menschen nicht mehr an das traditionelle Zukunftsversprechen unserer Gesellschaft glauben“, stellte der Jugendforscher im „Kölner Stadt-Anzeiger“ weiter fest. „Es lautete: Wenn du dich anstrengst, eine gute Ausbildung absolvierst und beruflich engagiert bist, wirst du es einmal mindestens so gut haben wie deine Eltern. Genau daran wachsen die Zweifel“, sagte der Soziologe.
Hurrelmann räumte ein, es bestehe die Gefahr, dass die Demonstrationen von radikalen Kräften vereinnahmt werden. „Aber daraus darf kein Generalverdacht gegen junge Menschen entstehen, die friedlich ihre Interessen vertreten wollen“, mahnte er.
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