Die Gesellenprüfung als Landwirte haben sie alle schon in der Tasche. Doch als künftige Leiter eines landwirtschaftlichen Betriebs reichen diese Kenntnisse lange nicht aus. Deshalb bilden sie sich während des Wintersemesters weiter. Jüngst war der Waldpraxistag angesagt.
Mit optimalen Gruppengrößen – drei Gruppen à vier Personen – erfahren die Bauern von Fachleuten in je 50 Minuten anschaulich Wissenswertes, das jedem, der Wald besitzt, zugute komme. Denn mit den Herausforderungen durch den Klimawandel, vor denen der Wald steht, haben sich auch Geräte und Vorgehensweisen stark geändert.
In der Schule, berichtet Reiner Seifert, Abteilungsleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim, haben sich die Gesellen nicht nur mit den Knospen unterschiedlicher Baumarten beschäftigt, sondern auch mit Fallbeispielen: mit Fahrradfahrern etwa, die sich beschweren, dass der Waldweg wegen Baumfällarbeiten gesperrt ist. Solche Probleme nähmen immer mehr zu, beklagt der Fachmann eine Spaltung, die auch während der momentanen Bauernproteste manchmal zur Sprache kommt.
Seifert: „Die städtische Bevölkerung entfernt sich immer weiter von der Urproduktion.“ Absperrungen alleine reichten nicht mehr aus, man müsse zusätzlich Posten aufstellen – möglichst große und starke. In Neustadt ist so gesehen die Welt noch in Ordnung: Eine Walking-Gruppe fragt, bevor sie den gesperrten Weg betritt.
In den Betrieben der zwölf Schüler – elf Männer und eine Frau – spielt der Wald zwar nur eine Nebenrolle, doch immerhin hat die Klasse mit 21 Personen, die zusammen ins Wintersemester startete, alles in allem 155 Hektar Wald zu bewirtschaften.
Dafür und für den nötigen Umbau zu einem klimaresilienten Wald können sie die Beratung der Forstämter in Anspruch nehmen, die bei Station eins an diesem Morgen Heike Grumann, Revierleiterin in Herzogenaurach, vorstellt. Die Behörde kann für einen Standort, auf dem man neue Bäume pflanzen will, Daten zur Verfügung stellen: Wasser- und Nährstoffversorgung sowie die Bodenbeschaffenheit sind daraus abzulesen.
„Meistens müsst ihr diese Daten noch etwas ins Trockenere verschieben“, sagt Grumann. Der Klimawandel schreitet fort. Auch die Ausrichtung der Fläche spielt dabei eine Rolle. Deshalb verlässt man sich nicht alleine auf die Berechnungen, sondern schlägt einen Bohrstock in den Boden, um ein eigenes Bodenprofil zu erstellen.
Reiner Seifert entnimmt einen Erdbrocken weiter unten aus dem Stock und rollt die Erde zwischen seinen Fingern. „Tonig. Da tun sich manche Baumarten schwer, da durchzukommen.“ Das Bodenprofil und die Daten des Amtes führen gemeinsam zu den vier Baumarten, die dem jeweiligen Grundbesitzer vorgeschlagen werden. Der Freistaat bezuschusst Zukunftsbäume.
Weiter geht’s zur Station zwei: Forstwirtschaftsmeister Robert Müller stellt hier die Pflanzung und die Pflege vor. „Der Hauptfehler beim Pflanzen ist, dass die Wurzeln der Stecklinge austrocknen“, mahnt er und berät die jungen Landwirte, wie sie die Pflanzen davor schützen können. Die meisten Gewächse werden mit nackten Wurzeln geliefert, nur bei Douglasien spricht sich Müller für eine Lieferung im Erdtöpfchen aus.
Mit den neuen Baumarten verändern sich auch die Werkzeuge: Fürs Pflanzen der flachwurzelnden Fichten war die Wiedehopfhaue noch gut geeignet, jetzt ist sie aber oft zu kurz, als dass die Wurzeln im ausgehobenen Loch Platz finden würden. Müller hat stattdessen ein Arsenal an Hohlspaten dabei, auch in extra-lang und extra-breit.
Neue praktische Helfer präsentiert Müller auch für die Waldpflege: „Die Kunst besteht darin, den Baum zu suchen, dem ich Zukunft geben will, und den zu entfernen, der ihn dabei stört.“ Kleine mechanische Geräte für noch junge Bäume oder eine Japansäge präsentiert er ebenso wie akkubetriebene Geräte. „Der Akku hält inzwischen Einzug in den Wald.“ Die kleine elektrisch betriebene Pflegesäge ist für ihn eine „feine Geschichte“. Man muss sich nicht bücken, das Gerät ist nicht so schwer.
Station drei ist schließlich das Holzmachen: Forstwirt und Zimmerer Thomas Henneberger empfängt seine Gruppe, die mit Schutzhelmen ausgestattet ist. Vor dem Fällen sollte man sich Zeit nehmen: Zuerst einmal den richtigen Baum auswählen, zum Beispiel einen, der keine gleichmäßige Krone ausbildet und auch seine Nachbarn noch am Wachstum hindert. Dann von vorne und der Seite den Baum „ansprechen“: Wohin hängt er? Schließlich den optimalen Fallweg berechnen und den Schnitt entsprechend vorbereiten.
Die jungen Landwirte sind interessiert dabei. Jeder von ihnen hat schon selbst Bäume gefällt. Nach diesem und dem nächsten Wintersemester sind sie Wirtschafter. „Das bringt einem nichts“, erzählt Lena Bauer. Danach aber können sie die höhere Landwirtschaftsschule besuchen oder einen Meisterbrief erwerben. Letzteres ist der Weg, den die meisten von ihnen einschlagen wollen.
Seifert ist jedenfalls überzeugt: Die Anforderungen an Landwirte und Landwirtinnen sind inzwischen so hoch, dass die Ausbildung alleine nicht mehr ausreicht, um einen Betrieb mit all der Bürokratie und all den Dokumentationspflichten, aber auch mit sich ständig wandelnden Herausforderungen und Gegebenheiten zukunftssicher zu führen.