Wald bei Wörnitz: Der Verbiss hält die Eiche unten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.02.2025 16:00

Wald bei Wörnitz: Der Verbiss hält die Eiche unten

Martin Stümpfig (Mitte, helle Jacke) hatte bei Wörnitz-Mittelstetten zu einem Waldbegang geladen. (Foto: Oliver Rühl)
Martin Stümpfig (Mitte, helle Jacke) hatte bei Wörnitz-Mittelstetten zu einem Waldbegang geladen. (Foto: Oliver Rühl)
Martin Stümpfig (Mitte, helle Jacke) hatte bei Wörnitz-Mittelstetten zu einem Waldbegang geladen. (Foto: Oliver Rühl)

Wie verändert sich ein Wald in fünf Jahren? Das hat sich auf Einladung des Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Stümpfig eine Gruppe aus Fachleuten angesehen, nachdem der Abgeordnete aus Feuchtwangen bereits 2019 das Waldstück bei Wörnitz (Landkreis Ansbach) besucht hatte.

Diesmal dabei waren der Bundestagsabgeordnete Niklas Wagener (Grüne/Aschaffenburg), Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Westmittelfranken, die Wörnitzer Bürgermeisterin Friederike Sonnemann, Martin Gögelein (Feuchtwangen) von der Arbeitsgemeinschaft Jagd des Bauernverbandes, der Bundesvorsitzende des ökologischen Jagdverbandes Wolfgang Kornder und Andreas Egl (Bereichsleiter Forsten vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach).

Die letzten fünf Jahre könne man dem Wald zwischen Wörnitz und Mittelstetten deutlich ansehen, lautete das Fazit der Fachleute, wie es in einer Pressemitteilung von Stümpfig heißt. Es sei nahezu keine Fichte mehr zu sehen. Diese seien alle abgestorben, geschwächt durch Trockenheit und Stürme seien sie ein Opfer der Borkenkäfer geworden und schließlich entnommen worden.

Buche mit massiven Problemen

Zum größten Teil sei dies auch bei der Buche festzustellen. Die habe auf dem tonigen Boden massive Probleme mit Trockenheit und Hitze und ist abgestorben. So bleibe in dem Waldstück fast nur die Stileiche übrig und bilde den lückigen Schirm.

Die Eiche komme generell mit den zunehmend trockenen und heißen Jahren am besten zurecht, heißt es in der Mitteilung. Die Baumart müsste man stark fördern, meinte Martin Brunner von der FBG Westmittelfranken. „Leider ist jedoch festzustellen, dass die Eiche, obwohl die Altbäume fast ausschließlich aus Eichen bestehen, nicht hochkommt. Das liegt daran, dass nahezu im ganzen Landkreis Ansbach die Eiche viel zu stark verbissen ist.“ Rehe seien Feinschmecker und suchten sich eben Eichen oder andere Edellaubhölzer. Als Zwischenlösung, bis die Jagd verbessert ist, schlage Brunner den Waldbesitzern vor, Kronenmaterial liegen zu lassen. Rehe würden diese Bereiche meiden, so Brunner.

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Für Kornder ist deshalb klar: „Die Jagd muss hier und in den allermeisten Hegegemeinschaften des Landkreises Ansbach deutlich intensiviert werden.“ Brunner bekräftigt dies: „Wir sind in weiten Teilen in Westmittelfranken bei der Jagd auf Niveau Kreisklasse und müssen hier deutlich besser werden.“

Wie gut es geht, sehe man in den Revieren von Kornder, heißt es weiter. Dort, wo er seit über 20 Jahren auf die Jagd geht, wachsen heute über 27 Baumarten. Dieses „Bundesliga“-Niveau werde man nicht überall erreichen, sind sich die Teilnehmer einig.

Es bleibt nicht viel Zeit für den Waldumbau

Aber die Ergebnisse des aktuellen Verbissgutachtens, das alle drei Jahre erstellt wird, seien erschreckend, so Stümpfig: „Zwei Drittel unserer 25 Hegegemeinschaften im Landkreis Ansbach sind rot, der Verbiss ist zu hoch. Und selbst in den Gebieten wie Feuchtwangen West und Oestheim, welche aus mir unbegreiflichen Gründen als tragbar eingestuft wurden, sind die Eichen zu über 80 Prozent verbissen.“

Wo wir in 50 Jahren beim Klima sein werden, könne niemand voraussagen, so der Bundestagsabgeordnete Wagener. Fest stehe, dass längere und extremere Hitzeperioden drohen und Extremwetter bei Stürmen und Überschwemmungen. „Unsere Nadelhölzer können da nicht mehr mitgehen. Der Waldumbau muss also so schnell wie möglich gelingen, solange noch ein Schirm aus Fichten und Kiefern vorhanden ist“, so Wagener. Fünf bis zehn Jahre Zeit habe man noch, meint er, dann werde der Schirm verschwinden beziehungsweise nur noch sehr lückenhaft vorhanden sein.

Brunner ergänzte: „Es gilt der alte Förster-Spruch: Wer streut, senkt das Risiko. Das bedeutet, wir sollten auf möglichst viele Baumarten setzen, die mit dem Klimawandel gut zurechtkommen.“ Er nannte Vogelkirsche, Spitzahorn und Eiche.

Für Stümpfig ist auch die bayerische Staatsregierung in der Pflicht: „Das bayerische Jagdgesetz muss angepasst werden und die Jagd muss erleichtert werden. Es macht keinen Sinn, dass am 16. Oktober die Jagd auf dem Rehbock nicht mehr erlaubt ist und bereits am 15. Januar die Jagdsaison endet. Alle anderen Bundesländer sind da weiter. Eine Abschaffung der Abschusspläne, wie von Minister Aiwanger im Entwurf für eine Neufassung des bayerischen Jagdgesetzes vorgesehen, ist genau das Gegenteil dessen, was wir brauchen.“ Um den Wäldern zu helfen, müssten auch die CO2-Emissionen reduziert werden. „Gerade einmal 17 Prozent Treibhausgasreduktion in Bayern seit 1990 ist viel zu wenig.“

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