Wahlduell in Bad Windsheim: Amtsinhaber Heckel muss sich unbequemen Fragen stellen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.03.2026 14:50, aktualisiert am 04.03.2026 20:15

Wahlduell in Bad Windsheim: Amtsinhaber Heckel muss sich unbequemen Fragen stellen

Kandidieren für das Amt des Bürgermeisters in Bad Windsheim (von links): Michael Lappler, Philipp Flierl und Jürgen Heckel. (Foto: Mirko Fryska)
Kandidieren für das Amt des Bürgermeisters in Bad Windsheim (von links): Michael Lappler, Philipp Flierl und Jürgen Heckel. (Foto: Mirko Fryska)
Kandidieren für das Amt des Bürgermeisters in Bad Windsheim (von links): Michael Lappler, Philipp Flierl und Jürgen Heckel. (Foto: Mirko Fryska)

Die achte Station der Radio-8-Wahlduelle, die in Kooperation mit der Fränkischen Landeszeitung durchgeführt werden, hatte Moderator Klaus Seeger am Dienstag ins Kur- und Kongress-Center (KKC) nach Bad Windsheim geführt. Die Stimmung in der Stadt fasste er knapp und pointiert zusammen: „Es ist Dampf im Kessel.”

Rund 700 Interessierte waren gekommen, um sich das Wahlduell der drei Kandidaten anzusehen. Auf der Bühne präsentierten sich Amtsinhaber Jürgen Heckel (WiR) und die beiden Herausforderer Philipp Flierl (CSU/FWG/LiLa) und Michael Lappler (Bündnis 90/Die Grünen).

Schnell legte Seeger den Finger in die Wunde und thematisierte all das, was in den vergangenen Monaten und Wochen die Gemüter erhitzt hatte: Allen voran die Debattenkultur im Stadtrat, die dem Amtsinhaber vorgeworfene One-Man-Show und dessen Führungsstil. Heckel beklagte in diesem Zusammenhang, dass vor nunmehr zwei Jahren die Parole ausgegeben worden sei: „Der Heckel muss weg!” Und dass sich seitdem die Stimmung in der Stadt massiv verändert habe. Er sprach von „Stimmungsmache”, die gezielt gegen ihn gerichtet sei.

Wie sehr zehrt der Job an den Nerven?

Es waren herausfordernde Fragen, die Seeger dem Amtsinhaber stellte: Ob man als „der Mensch Heckel” irgendwann an seine Grenzen stoße? Wie sehr es an den Nerven zehre, wenn das Team im Rathaus nicht hinter einem stehe? Sind Sie ein guter Chef? Wollen Sie zu viel? Schreien Sie Mitarbeitende an?

Heckel versuchte zu erklären, bezeichnete sich selbst als „fairen Chef” und betonte, sich für mögliche Entgleisungen durchaus entschuldigt zu haben. Er habe erst lernen müssen, dass Verwaltungen anders funktionieren würden als ein Unternehmen in der freien Wirtschaft.

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Keine Verantwortung für verbale Entgleisung

Keine Verantwortung wollte Heckel indes für die verbale Entgleisung eines seiner Unterstützer übernehmen. Seeger wiederholte die missratene Äußerung mehrfach, warf Heckel vor, sich zu wehren, „den Typen” nicht aus dem Rennen genommen und die Äußerung stattdessen kommentarlos hingenommen zu haben. Heckel wiederum erklärte, dass ihm der Ausspruch auch nicht gefallen habe. Letztlich wollte er „auf dem Niveau” aber nicht weiterdiskutieren.

Nach einer vorübergehenden Fokussierung auf den Amtsinhaber, waren auch Lappler und Flierl wieder gefragt. Jeder durfte seine Stärken betonen und erklären, warum er der richtige Bürgermeister für Bad Windsheim wäre. Flierl verwies auf seine Charaktereigenschaften, darunter Kommunikationsstärke und die Fähigkeit, zuhören zu können. Lappler indes erklärte, gerne etwas auszuprobieren und zu schauen, ob's funktioniere. Und Heckel nannte als Stichwörter: Einsatzwillen, Teamarbeit, Gemeinschaft.

Immer wieder zustimmender Applaus

Abgearbeitet wurden im Laufe des rund zweieinhalb Stunden dauernden Abends dann noch die klassischen Themen eines Wahlkampfs im allgemeinen sowie solche, die in Bad Windsheim speziell sind, darunter Wohnraum, Leerstand, Radwegekonzepte, barrierefreier Bahnhof, Innenstadtbelebung, Transparenz, Ansiedlung von Gewerbe. Es ging um Fragen der Machbarkeit, um die Möglichkeit der Finanzierung und um die Art, an Herausforderungen heranzugehen. Für die Antworten der Kandidaten gab es immer wieder zustimmenden Applaus, vor allem aus dem Lager ihrer jeweils eigenen Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Ein zentrales Thema war auch die Landesgartenschau 2027 in Bad Windsheim. Ob ihm diese Großveranstaltung die Schweißperlen auf die Stirn treibe, wollte Seeger von Heckel wissen. Der gab sich gelassen. Er vertraue auf das Team und betonte, die LGS zu Ende führen zu wollen. „Ein Bürgermeister-Wechsel wäre schwierig in dieser Phase.” Dass eine LGS nur mit Heckel als Bürgermeister möglich wäre, dem widersprach Flierl entschieden. „Wir haben Mitarbeitende, die täglich an der LGS arbeiten. Die müssen wir machen lassen”, betonte er.

Werden Informationen zurückgehalten?

Heckel nutzte zudem immer mal wieder die Möglichkeit, seine Kontrahenten darauf hinzuweisen, dass sie offenbar nicht über die notwendigen Informationen zu bestimmten Sachverhalten verfügen würden. Flierl konterte daraufhin, dass es „schlimm” wäre, wenn Heckel nach sechs Jahren im Amt nicht über einen gewissen Wissensstand verfügen würde. Allerdings frage er sich, warum die Bürgerinnen und Bürger nicht besser über manche Hintergründe informiert seien? Heckel wiederum erklärte, dass der Stadtrat umfassend informiert sei und über entsprechendes Wissen verfügen sollte.

Die Causa AfD kam ebenfalls auf den Tisch. Seeger wollte von den Kandidierenden wissen, wie sie künftig mit deren Mandatsträgern umgehen würden, sollten sie in den Bad Windsheimer Stadtrat einziehen? Lappler erklärte, dazu eine klare Position zu haben. „Wir arbeiten nicht mit der AfD zusammen.” Mehrheiten wolle seine Partei „ohne die Stimmen der AfD „ generieren. Für Flierl geht es darum, „wie wir miteinander umgehen”. Man müsse sich mit diesen Menschen und ihren Ängsten auseinandersetzen, aber auch klar sagen: „Bis hierhin und nicht weiter.” Dass er der AfD keine Zusammenarbeit zusichere, erklärte Heckel. Doch auch AfD-Mandatsträger seien von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt und damit beauftragt.

Seeger resümierte zum Schluss, dass der anfangs angesprochene „Dampf im Kessel” mehr geworden sei. „Hoffen wir, dass es nicht in die Luft geht.” Das Wahlduell beendete er schließlich mit einem Plädoyer für die Demokratie. Und er schloss angesichts repressiver Systeme mit dem wohl wichtigsten Appell, den er machen konnte: „Bitte, gehen Sie wählen!”

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