„Vor-Schießen” in Großenried: Wenn Jens Kühn Feuerwerk vorführt, schauen alle zu | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.12.2024 18:00

„Vor-Schießen” in Großenried: Wenn Jens Kühn Feuerwerk vorführt, schauen alle zu

Begeisterter Feuerwerker mit Maß und Ziel: Pyrotechniker Jens Kühn bei den Vorbereitungen. (Foto: Florian Pöhlmann)
Begeisterter Feuerwerker mit Maß und Ziel: Pyrotechniker Jens Kühn bei den Vorbereitungen. (Foto: Florian Pöhlmann)
Begeisterter Feuerwerker mit Maß und Ziel: Pyrotechniker Jens Kühn bei den Vorbereitungen. (Foto: Florian Pöhlmann)

So viele Menschen sieht der Sportplatz der DJK auch nur einmal im Jahr. Wenn Jens Kühn kurz vor Silvester mit seinem Team anrückt, ist das im Landkreis Ansbach zweifellos ein Ereignis. Feuerwerk übt hier offenbar noch immer eine besondere Faszination aus – aller bekannten Kritik zum Trotz.

Die örtliche Feuerwehr hat alle Hände voll zu tun, als am Freitagabend Hunderte Menschen aus der gesamten Region rund um das Sportgelände einen Parkplatz suchen. Autokennzeichen aus Crailsheim, Weißenburg, Gunzenhausen und Nürnberg legen nahe, dass sich bei Weitem nicht nur die Anwohner für das „Vor-Schießen“ interessieren, das Jens Kühn seit 2016 mit Ausnahme der Corona-Jahre in Großenried veranstaltet.

Die intensivste Zeit des Jahres für den Betrieb

Für „JK Pyrotechnik“, wie er sein Unternehmen getauft hat, läutet die Veranstaltung in dem kleinen Ort unweit des Firmensitzes in Bechhofen die intensivste Zeit des Jahres ein. In den Monaten zuvor lässt Kühn vor allem bei Hochzeiten, Firmen-Jubiläen und Geburtstagsfeiern Raketen in den Himmel steigen. Der Jahreswechsel aber bietet für alle Menschen die Gelegenheit, die Faszination Feuerwerk selbst zu gestalten, zu erleben und daran teilzuhaben.

Hunderte Besucher schauen gebannt in den Himmel, als Kühn verschiedenste Angebote einer sehr breiten Palette an Feuerwerk vom Mittelkreis des Fußballfeldes aus anpreist. Raketen steigen auf, mal endet es mit einem Knall, mal rieseln im Zeitlupentempo goldene Sterne zu Boden. Untermalt wird das von Musik.

„Feuerwerk ist gewollt”

Ein stimmiges Konzept, jedenfalls geht Kühns Plan auf: In vorgefertigten Listen kreuzen nicht wenige der Besucher die Artikel ihrer Wahl an. Wer seine Bestellung am Abend abgibt, kann sich bereits am nächsten Morgen sein persönliches Böller-Paket bei Jens Kühn abholen. Schwerstarbeit sei das, „ein Riesenaufwand“, lässt der Firmenchef durchblicken. Aber eben auch die Haupteinnahmequelle.

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Das hat sich in der jüngeren Vergangenheit nicht geändert. Im Gegenteil. Die Faszination Feuerwerk ist ungebrochen, findet der Pyrotechniker, der aus den Absatzzahlen der Feuerwerks-Unternehmen „einen Trend“ ableitet. Trotz Feinstaubbelastung und Tierschutz erlebt das lautstarke Farbenspiel am Himmel eine Renaissance. „Feuerwerk ist gewollt“, sagt Kühn überzeugt und liefert die Begründung gleich mit: „Die Menschen wollen sich das nicht verbieten lassen.“

Feinstaub durchs Feuerwerk sei kein Problem, findet Kühn

Dabei steht er Kritik offen gegenüber, mahnt aber eine differenzierte Betrachtung an. Der Feinstaub an Silvester etwa, der laut Angaben des Umweltbundesamtes rund ein Prozent des jährlichen Ausstoßes ausmacht, sei nicht gesundheitsschädlich, weil es sich dabei um größere Partikel handle. „Die fallen einfach zu Boden und können nicht eingeatmet werden.“

Die Einrichtung von Böller-Verbotszonen hält Jens Kühn allein schon aus Sicherheitsgründen für richtig. Auch die gesetzlich verankerte Distanz von Feuerwerk zu Tierheimen oder Wildgehegen ist für ihn selbstverständlich. „Mit Sinn und Verstand“, fügt er mehrmals an.

Dem Team von „JK Pyrotechnik“ stehen viele Stunden Packarbeit in dieser Nacht bevor. Profitieren wird nebenbei auch die DJK Großenried: Durch den Verkauf von Bratwürsten und Glühwein fließen einige Euro in die Vereinskasse. So viele Besucher sieht der Sportplatz eben nur einmal im Jahr.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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