„Demokratie braucht viele Stimmen” – so heißt die bundesweite Aktion, an der sich die FLZ in dieser Woche mit mehreren Beiträgen beteiligt hat. Wir wollten auch unseren Leserinnen und Lesern eine Stimme geben und haben sie zu einer Diskussion in kleiner Runde über die Zukunft des Lokaljournalismus eingeladen.
Chefredakteurin Gudrun Bayer und Digitalredakteur Johannes Hirschlach hatten das Ziel, am Donnerstagabend im Druckhaus in einen Austausch, vielleicht auch eine Konfrontation zu gehen – und das kam zustande; jedoch mit viel Wertschätzung von beiden Seiten.
Das schöne „Papierrascheln” der täglichen Zeitung oder die Frage, wie man die gedruckte Ausgabe „in den Schulunterricht integrieren” könne: Die Anliegen und Hintergründe, wieso die Leserinnen und Leser mit der FLZ ins Gespräch kommen wollten, waren unterschiedlich. Und doch waren sich alle Anwesenden einig: Lokaljournalismus ist wichtig und wir brauchen ihn auch in Zukunft.
Wie sieht die Perspektive für die gedruckte Zeitung aus? Wie findet die FLZ eigentlich ihre Themen? Und was bedeutet Liquid Content? In der Runde setzte Chefredakteurin Gudrun Bayer einige Themenschwerpunkte, wollte über bestimmte Trends sprechen, aber gleichzeitig ergaben sich die Diskussionsinhalte auch fließend aus dem Gespräch.
Johannes Hirschlach, Redakteur für Digitales, erklärte, wieso eine Überschrift im Online-Journalismus viel mehr leisten muss als im Printprodukt. Denn auf FLZ.de müssen sich Leserinnen und Leser bewusst dafür entscheiden, einen Artikel aufzurufen. Und dafür gibt es viel weniger Anreize. „Die Überschrift, das Foto oder der Teaser müssen überzeugen.” In Print hingegen „schauen die Leute die Seite von oben nach unten an, denn sie haben den Artikel ja schon gekauft”.
Von mehreren Lesern kamen Sorgen zum Thema Clickbaiting (Online-Überschriften, die User ködern sollen, sie beim Lesen aber enttäuschen). Die konnte Hirschlach für die FLZ nehmen: „Ja, wir müssen Neugier wecken, aber die Regel ist ganz klar: Die Überschrift darf nichts enthalten, was der Artikel nicht erfüllt.” Denn das sei für den Leser unbefriedigend.
„Woher haben Sie denn eigentlich Ihre Themen?”, fragte Leserin Lotte Roth aus Neuendettelsau. „Wir leben hier”, antwortete Gudrun Bayer aus dem Effeff, und ergänzte: „Wir laufen mit offenen Augen durch die Gegend.” Dadurch komme ein Großteil der Inhalte zustande. Weitere Informationen erhält die FLZ aber auch von Veranstaltern, Vereinen und Privatleuten. „Und viel ist einfach journalistisches Handwerk und Erfahrung”, so Bayer.
„Schauderhaft” finde die Chefredakteurin den Trend Liquid Content und wollte die Einschätzung der Abonnentinnen und Abonnenten hören. Gemeint ist: Es gibt einen Inhalt, den die Künstliche Intelligenz (KI) dem Interessierten für jede Lebenssituation aufbereitet. Zum Beispiel wird einem dann der immergleiche Artikel beim Autofahren vorgelesen, in einer anderen Situation dagegen auf Wunsch in ein Video umgewandelt. „Dann wäre ich nur noch Rechercheurin”, meinte Bayer. Leser Matthias Orda-Klöß aus Ansbach hielt diese Entwicklung ebenfalls für kritisch: „Ich will Ihnen Mut machen, so lange wie möglich auf der Spaßbremse zu bleiben.”
Auch Johannes Hirschlach sah das Thema „skeptisch”; gab aber zu bedenken: „Unsere wichtigste Aufgabe ist es, die Leute mit unseren Inhalten zu erreichen. Zu einem gewissen Punkt müssen wir uns also darauf einlassen, wie die Welt sich entwickelt. Die Leute werden KI mit und ohne uns als FLZ verwenden.”
Im Anschluss an die Diskussion nahm Alexander Hieber, der technische Leiter der FLZ, die Teilnehmenden mit auf eine Führung durch die Druckerei.