Vom Glück, Musiker zu sein: 40 Jahre Leidenschaft im Bläserchor Reusch | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.03.2025 18:26

Vom Glück, Musiker zu sein: 40 Jahre Leidenschaft im Bläserchor Reusch

Bernd Herbolzheimer schmeißt nur widerstrebend ein Stück aus dem Repertoire: „Mir gefallen halt einfach alle.“ (Foto: Bläserchor Reusch)
Bernd Herbolzheimer schmeißt nur widerstrebend ein Stück aus dem Repertoire: „Mir gefallen halt einfach alle.“ (Foto: Bläserchor Reusch)
Bernd Herbolzheimer schmeißt nur widerstrebend ein Stück aus dem Repertoire: „Mir gefallen halt einfach alle.“ (Foto: Bläserchor Reusch)

Wenn jemand ganz erfüllt ist von einer Sache, dann braucht er nicht viel Bestätigung von außen. Obwohl es letztere im Falle von Bernd Herbolzheimer gibt. Eine Begegnung mit einem – wie es scheint – rundum zufriedenen Musiker.

„Musik ist das Schönste auf der Welt und Musikant zu sein ist eine Gabe Gottes.“ Kein Wunder, dass der Reuscher dieses Zitat von Ernst Mosch bei der letzten Hauptversammlung des Bläserchors allen Mitgliedern mit auf den Weg gab. Es scheint ihn selbst sehr gut zu charakterisieren und erklärt, warum er rundum positiv wirkt.

Geehrt und ausgezeichnet

Am 27. November, seinem 16. Geburtstag, übernahm er den Bläserchor Reusch und hat den Taktstock seit 40 Jahren nicht mehr aus der Hand gelegt. Er erinnert sich noch gut an das Gefühl damals: „Als 16-Jähriger weißt du noch nicht: ’Duzt oder siezt man die Musiker jetzt?’“ Die Unsicherheit hat sich inzwischen gelegt: Im Verein wurde er bereits zum 40. Jahrestag geehrt, der Verband wird ihn im Frühling auszeichnen.

Die Blasmusik liegt bei den Herbolzheimern in der Familie. Schon sein Vater Friedrich war lange Vorsitzender, dann Ehrenvorsitzender des Vereins, auf den auch der Dirigent „schon ein bisschen stolz ist“. Damit meint er nicht nur die mit 40 Mitgliedern beachtliche Resonanz in dem Weigenheimer Ortsteil. Auch die Qualität scheint bemerkenswert – immerhin werden die Reuscher im weiteren Umkreis gerne eingeladen, sei es zum Frühschoppen der Erlanger Bergkirchweih oder zum Casteller Weinfest.

Ein Ständle für Moshammer und Daisy

Legendär ist ein Auftritt aus dem Jahr 1997 zum 100-jährigen Bestehen des Münchner Hofbräuhauses, als der Chor ganz Mittelfranken vertrat. Nachdem das erfolgreiche Spiel wohl mit ein paar Freibier gefeiert worden war, ließ man es sich nicht nehmen, in der Maximilianstraße bei Rudolph Moshammers Boutique vorbeizuschauen und seinem Besitzer ein Ständchen zu bringen. „Da waren wir schon gut drauf.“ Moshammers Hund Daisy hörte auf der Schulter seines Leibwächters zu.

Dass der Bläserchor sein Publikum zu überzeugen scheint, das schreibt Herbolzheimer nicht sich selbst zu, sondern einem Vorgänger, dem Berufsmusiker Martl Felbinger. „Da haben wir alle unsere Instrumente gelernt.“ Felbinger war streng, aber man lernte viel. „Anfang der 80er Jahre waren wir die Show, weil wir schon so schön spielen konnten.“ Aus der Jugendkapelle Felbinger wurde dann nach dem Tod des Dirigenten die Jugendkapelle Reusch. Den Bläserchor gab es schon lange zuvor.

Aus dem Bauch heraus

Herbolzheimer lernte Bariton- und Tenorhorn, Posaune und Schlagzeug. „Dadurch habe ich mich schon bei vielen Instrumenten ausgekannt, als ich Dirigent wurden. Nur die Klarinette kenne ich nicht.“ Beim Dirigieren ist er großteils Autodidakt. Zwar habe er auch mal einen Kurs beim Nordbayerischen Musikbund belegt, „aber ich mache es mehr aus dem Bauch heraus“.

Auf die Frage, welches Stück ihm denn am besten gefällt, strahlt er in seiner typischen Art still vor sich hin. „Mir gefällt halt einfach jedes Stück“, ist die spontane Antwort. Ein besonderes Werk fällt ihm dann doch noch ein: das während der Corona-Pandemie entstandene „Blas Musik in die Welt!“ Einige Auf und Abs gab es in den 40 Jahren seiner Dirigententätigkeit, 29 Jahre war er gleichzeitig auch noch Vorsitzender – „Das waren natürlich kurze Wege.“ Aber gerade erlebt die Blasmusik eine Renaissance.

Vor Tausenden und vor drei Leuten gespielt

Zu den besonderen Erinnerungen gehören zwei Brasilien-Reisen Ende der 80er Jahre mit dem alten Ortspfarrer, der lange Zeit in Südamerika tätig war. Dort fuhr man neben vielen Konzerten auch zu Hütten von Auswanderern und spielte vor drei, vier Leuten alte Volkslieder. „Da sind schon ein paar Tränen geflossen.“ Zuletzt ging der Vereinsausflug zum „Woodstock der Blasmusik“. Grandioser Abschluss ist ein Gemeinschaftsauftritt von 20.000 Blasmusikbegeisterten.

Wichtig ist Herbolzheimer, dass er kein Alleinunterhalter ist. Er habe einige Stützen im Bläserchor, „ohne die geht es nicht“. Er ist sich auch bewusst, dass er großes Glück hat, dass seine Frau Manuela – selbst keine Musikerin – alles mitmacht. Die drei Kinder haben alle zumindest schon Blasmusik-Luft geschnuppert. Die Älteste, Mathild, legte das Instrument wieder zur Seite, doch Georg, der Zweitgeborene, teilt die Begeisterung des Vaters. Der Jüngste, Jakob, wird momentan von seiner Zahnspange ausgebremst.

Viele Auftritte für Herbolzheimer

Da es in Reusch keinen Posaunenchor gibt und der Bläserchor auch bei Beerdigungen und der Gestaltung festlicher Gottesdienste gefragt ist, ist die Zahl der Auftritte sehr hoch. Herbolzheimer setzt sein eigenes Engagement da nicht bei allen als selbstverständlich voraus und freut sich umso mehr: „Wahnsinn, welche Bereitschaft die Leute noch mitbringen. Viele unterbrechen sogar die Arbeit, um bei einer Beerdigung zu spielen.“ Viele wüssten zu schätzen, wenn diese schweren Momente würdevoll gestaltet werden.

Wie gesagt, an Bestätigung von außen mangelt es nicht. Aber Bernd Herbolzheimer scheint das nicht zu brauchen. Die Blasmusik ist seine Erfüllung.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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