Die schweren Betonfüße halten die einzelnen Buchstaben des Ansbach-Schriftzuges auf dem Boden. Seit Monaten. Das Projekt der Citywerkstatt dient Touristen wie Einheimischen auf der Promenade als Blickfang und Fotomotiv. Mehr aber nicht.
Ursprünglich stand bei diesem Vorhaben, das im Rahmen der ersten Runde der Citywerkstatt geboren und verwirklicht wurde, die Idee im Mittelpunkt, den von verschiedenen Sponsoren finanzierten Schriftzug an verschiedenen Standpunkten der Stadt aufzustellen. „Mit den Buchstaben haben wir einen neuen Foto-Spot, und die Erfahrungen aus anderen Städten haben gezeigt, dass es gut angenommen wird“, hatte sich Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) im Rahmen der Einweihung Ende April angetan geäußert.
Das vom Erbe der Markgrafen und den barocken Bauten geprägte Image der Stadt soll ein klein wenig aufgepeppt werden. Dabei mithelfen sollte die Mobilität des Schriftzuges, bei dem die Buchstaben im Gegensatz zu anderen Modellen dieser Art jeweils einzeln auf einem Betonfuß und nicht auf einem gemeinsamen Fundament stehen.
So ist der Transport von Ort zu Ort mitsamt der Beförderung relativ einfach umzusetzen. Auch die Verwendung einzelner Buchstaben war angedacht. „Da können sich andere Städte etwas abschauen“, meinte damals Citywerkstatt-Moderator Gregor Heilmaier.
Doch die Realität stellt sich rund vier Monate nach der Inbetriebnahme etwas anders dar. Noch immer verharrt der Schriftzug am Neuen Tor. „Grundsätzlich ist die Idee, dass die Buchstaben wandern“, sagt Anne Ziegler vom Geschäftsbereich Oberbürgermeister zur Anfrage der FLZ und stellt fest: „Weitere Standorte wurden identifiziert.“
Warum das in einer Stadt wie Ansbach so lange gedauert hat, grundsätzlich geeignete Standorte auszumachen, bleibt offen. Jedenfalls versichert die Verwaltung: „Die bei der Erstaufstellung gemachten Erfahrungen werden bei der Auswahl weiterer Standorte berücksichtigt.“ Als perspektivische Standorte gelten aus Sicht der Stadt der Schlossplatz, die Promenade (Theaterportal und Richtung Residenz), der Karlsplatz (Nähe Kulturzentrum), die Grünfläche an der Schaitbergerstraße sowie das Herrieder Tor. Auch an der Schloßkreuzung kann sich die Verwaltung den Schriftzug in einer anderen Anordnung vorstellen.
Die Möglichkeit, sich als Unternehmen, Verein oder auch Privatperson den Schriftzug oder nur einzelne Buchstaben davon auszuleihen, besteht. Das bestätigte Anne Ziegler nun. Bislang ist die Zahl der Anfragen aber überschaubar. Womöglich auch, weil die Stadt auf ihrer Internetseite den Schriftzug nicht bewirbt. Außer der Vollzugsmeldung und einem durchlaufenden Bild der roten Buchstaben ist auch nichts zu den Konditionen einer Leihe zu finden. „Die Buchstaben sind kein Produkt der Stadt Ansbach, welches auf der städtischen Homepage vermarktet wird“, erklärt Ziegler und weist darauf hin, dass sich Interessenten gerne bei der Wirtschaftsförderung melden könnten.
Dabei sollte der Schriftzug zunächst als offenes Angebot für Privat- und Geschäftsleute verstanden werden und bei Feiern oder Firmenevents als markanter Foto-Spot dienen. „Die Nutzung der Buchstaben auf Privatgrund ist möglich“, erklärt die Stadtsprecherin grundsätzlich.
Doch welche Kosten werden in so einem Fall fällig? Auch darüber fand sich bislang keine Silbe auf der städtischen Homepage. „Eine Leihgebühr ist nicht vorgesehen“, kann Ziegler aufklären. Der Transport des Schriftzuges, dessen Buchstaben mitsamt Sockel jeweils rund einhundert Kilogramm wiegen, würde gleichwohl per Kran bewerkstelligt und durch Fahrzeuge des Betriebsamtes erfolgen.
„Die Kosten von rund 1500 Euro für Auf- und Abbau müssen in Rechnung gestellt werden. Im Rahmen der Nutzung müsste zudem eine Haftungsübernahme für Schäden erklärt werden.“ Der Preis bezieht sich nach Auskunft der Stadt auf die Transportkosten und beinhaltet sowohl Arbeits- als auch Maschinenkosten. „Zu konkreten Ausleihen kam es noch nicht“, berichtet Ziegler über den Status quo.