Das Planspiel „Jugend und Parlament” bringt jedes Jahr mehrere hundert politikinteressierte Jugendliche in den Bundestag. In der diesjährigen Auflage war Philipp Herud aus Wörnitz dabei und sammelte „sehr, sehr tolle Erfahrungen”.
Vier Tage im Deutschen Bundestag, echte Sitzungsräume, hitzige Debatten und lange Tage mit kaum fünf Stunden Schlaf – für Philipp Herud war das Planspiel „Jugend und Parlament” weit mehr als ein Schülerausflug. Der 18-Jährige, der die 13. Klasse des Theresien-Gymnasiums in Ansbach besucht, durfte in Berlin in die Rolle eines Abgeordneten schlüpfen und erleben, wie Politik wirklich funktioniert.
„Man spürt den Stress, wenn man früh um 6 Uhr im Hotel aufsteht, kurz was frühstückt, dann der Tag komplett vollgepackt ist mit verschiedenen Sitzungen und man spätabends wieder heimkommt, fünf Stunden Schlaf hat und dann wieder aufsteht“, erzählt Herud. Über Oliver Frank, den Vorsitzenden des CSU-Ortsverbands Wörnitz-Dombühl-Insingen, entstand der Kontakt zum CSU-Politiker Artur Auernhammer, der als direkt gewählter Abgeordneter den Wahlkreis Ansbach im Bundestag vertritt. Der vermittelte dem Schüler das Mandat zur Teilnahme am Planspiel.
Vier Tage lang durften über 300 Jugendliche aus ganz Deutschland in die Rollen fiktiver Abgeordneter schlüpfen. Philipp Herud übernahm dabei im Digitalausschuss die Rolle eines Redners. Sein Thema: die Klarnamenpflicht im Internet – eines von drei fiktiven Themen, die in den vier Tagen vom jungen Parlament bearbeitet wurden. Nachgestellt werden sollte dabei der Gesetzgebungsprozess vom ersten Entwurf bis zur Beschlussfassung.
Seine Argumente durfte der 18-Jährige sogar im großen Plenarsaal vortragen – ein Moment, den er so schnell nicht vergessen wird: „Das war unglaublich, dass man wirklich da vorne stehen durfte”, fällt sein Fazit aus.
Beeindruckend war für ihn auch die realitätsnahe Durchführung des Planspiels: „Das war sehr gut umgesetzt vom Bundestag. Die haben alles durchgetaktet, so wie es in echt auch ist mit den ganzen Sitzungen.” Selbst das Mittagessen gab es in den üblichen Abgeordnetenrestaurants.
Wenn das hier jeden Tag so abläuft, dann ist das echt stressig.
Auch die Arbeit der Jugendlichen kam nah ran an den Alltag der Abgeordneten, meint Herud. „Man hat probiert, Mehrheiten zu suchen, sich mit unserem Koalitionspartner abgestimmt, auch mal mit der Opposition geredet, dann Rücksprache gehalten mit der eigenen Fraktion.” Damit wurde dem Wörnitzer Schüler klar: „Wenn das hier jeden Tag so abläuft bei den Abgeordneten, dann ist das echt stressig. Aber auch schön, wenn man etwas verändern kann.”
Insbesondere die Sitzungswochen seien intensiv für die Abgeordneten, hat Herud davon mitgenommen. Als das Planspiel lief, hatte der Bundestag die fünfte Sitzungswoche in Folge, um nach der Sommerpause den Haushalt 2025 zu beschließen.
Eines der Themen für die Bundespolitik war jener Tage die Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. „Das war natürlich Thema unter uns”, erinnert sich Herud. „Wir haben uns immer auch über Politik unterhalten, wenn wir mal am Abend unterwegs waren oder in der Hotellobby saßen.” Die „Wehrpflicht-Lotterie”, wie der angehende Abiturient das geplante Losverfahren nennt, verbreite keine gute Stimmung in seiner Altersklasse. „Ich glaube, das wurde einheitlich abgelehnt.”
Den Jugendlichen erscheine das Modell schlicht unfair. „Entweder alle oder keiner. So sehe ich das”, sagt Herud, der selbst einen Pflichtwehrdienst leisten würde. „Freiwillig möchte ich es nicht machen, weil ich schon konkrete Pläne habe für die Zukunft.” Diese beinhalten aber vorerst keine Laufbahn in der Politik, sondern ein Studium der Informatik. Ein politisches Engagement kann sich der Schüler aber grundsätzlich vorstellen und ist mittlerweile Mitglied in der CSU.