Verbuddelte Hausmüll-Deponie in Ansbach: Wohin mit Uromas Abfall? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.09.2025 07:00

Verbuddelte Hausmüll-Deponie in Ansbach: Wohin mit Uromas Abfall?

Plastik, Steine, Kunststoffreste und Erde: Ein Teil des fraglichen Aushubs ist bereits oder wird noch eingebaut. Im Hintergrund ragen Teile der neuen Salzhalle nach oben. (Foto: Florian Pöhlmann)
Plastik, Steine, Kunststoffreste und Erde: Ein Teil des fraglichen Aushubs ist bereits oder wird noch eingebaut. Im Hintergrund ragen Teile der neuen Salzhalle nach oben. (Foto: Florian Pöhlmann)
Plastik, Steine, Kunststoffreste und Erde: Ein Teil des fraglichen Aushubs ist bereits oder wird noch eingebaut. Im Hintergrund ragen Teile der neuen Salzhalle nach oben. (Foto: Florian Pöhlmann)

Die Errichtung einer neuen Lagerhalle auf dem Gelände der Bauschuttdeponie am Haldenweg hat für Unruhe gesorgt. Grund dafür ist das Aushubmaterial und unterschiedliche Ansichten, ob das an Ort und Stelle wieder eingebaut werden darf oder nicht. Nun fiel eine Entscheidung: Das Material bleibt am Haldenweg – zumindest größtenteils.

Um die Thematik und die möglicherweise für die Stadt finanziell weitreichenden Konsequenzen zu verstehen, bedarf es eines Blickes in die Vergangenheit. Von 1930 bis 1963 diente das Gelände als Hausmülldeponie. Bis 1978 wurden auf einer ersten Erweiterungsfläche sowohl Hausmüll als auch Bauschutt abgelagert. Erst danach wurde sie zu einer reinen Bauschuttdeponie.

Früher wurde hier quasi alles entsorgt

Ältere Ansbacher erinnern sich, dass in der Nachkriegszeit dort quasi alles entsorgt worden ist. Ein buntes Sammelsurium und Sünden der Vergangenheit aus heutiger Sicht. Das Umweltamt der Stadt Ansbach bezeichnete das dort abgelagerte Material schon vor Jahren als „völlig inhomogen“. Über den genauen Inhalt herrschte Rätselraten. „Leider ist nicht bekannt, was dort damals abgelagert wurde”, hatte sich die städtische Verwaltung bei einer Anfrage im Jahr 2019 ratlos über die genaue Historie der Deponie gezeigt.

Just in diesem Bereich des Areals ist in den zurückliegenden Wochen eine neue Halle entstanden, in der künftig Streusalz und anderes Schüttgut lagern soll. In der Grundfläche misst das Bauwerk, für das Ansbacher Architekturbüro Holzinger, Eberl, Fürhäußer verantwortlich zeichnet, 25 mal 25 Meter, etwa zwei Meter tief liegen die Köcherfundamente. Ergibt summa summarum etwa 1250 Kubikmeter Aushub.

Böse Überraschung wartete gleich unter der Oberfläche

Dieser wurde nach dem vorigen Baugrundgutachten wenig überraschend vom Umweltamt der Stadt als staatlicher Aufsichtsbehörde als leicht belastet eingestuft. Die Folge: Der Aushub sollte nicht mehr auf der Bauschuttdeponie eingebaut, sondern anderweitig deponiert werden. Ein womöglich teures Dilemma.

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„Dass die Gründungssituation nicht gut ist, das war vorher klar”, sagt nun Dr. Frank Simons, Leiter Hochbau- und Bauordnungsamt. Ebenso klar war demnach, dass die dabei verwendeten Verdrängungspfähle „in die eigentliche Deponiemasse gehen”. Eine böse Überraschung wartete allerdings wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Anstatt der üblicherweise mit Erde umgesetzten „ein bis zwei Meter Überdeckungen” kamen bereits „dicht unter der Oberfläche Stoffe der DK1-Klasse”, also Hausmüll, zum Vorschein. „Das war unerwartet”, sagt Simons, räumt aber offen ein: „Man hätte es wissen können.”

Neue Deponiewaage durfte schon nicht eingebaut werden

Denn diese Problematik ist im Baureferat bereits seit 2018 bekannt. Damals durfte im Rahmen der Installation einer neuen Deponiewaage der Aushub wegen der Belastung nicht wieder auf der Bauschuttdeponie eingebaut werden. Rund 1500 Tonnen kontaminierter Erde mussten damals auf eine spezielle Deponie nach Thüringen gefahren werden. Kosten: 185.000 Euro. Simons war zu jener Zeit noch nicht in Ansbach beschäftigt, festzuhalten bleibt aber: In den öffentlichen Sitzungen des Bauausschusses kam das potenzielle Risiko einer möglicherweise aufwendigen Entsorgung des Aushubs der neuen Halle nicht zur Sprache.

Die Konsequenz, von der man im Tiefbauamt als Träger der Deponie zunächst ausging: Der Aushub der neuen Halle darf ebenfalls nicht wieder eingebaut werden und muss auf einer speziell dafür geeigneten Deponie entsorgt werden. Und so etwas ist nicht ganz billig, bei 1250 Kubikmetern kann da eine mittlere sechsstellige Summe zusammenkommen. Aber warum etwas entsorgen müssen, wenn es doch viele Jahre lang Teil der Deponie war?

Belastete Altlasten werden lediglich „umgelagert”

Mit etwas Recherchearbeit fand sich der Kunstkniff: So ist die Ansbacher Müllkippe zwar als DK-0-Deponie eingestuft, in der nur unbelasteter Bauschutt eingelagert werden darf. Da aber der nun beim Bau der Halle genutzte Bereich bereits jahrzehntelang zur Entsorgung von Hausmüll genutzt worden war, darf der zu Tage geförderte Aushub mit DK-1-Einstufung laut Simons dort umgelagert werden. Das ist „zulässig”, wie die Stadt versichert.

Vorgesehen ist, „dass so viel Material wie möglich wieder an Ort und Stelle durch entsprechende Böschungsgestaltung und Geländemodellierung verbaut wird”. In lagenweise geschichteten Stahlkörben soll der Aushub vor allem zur Hangbefestigung Verwendung finden. „Da bekommen wir viel unter”, erklärt Simons.

Ein Teil des Aushubs muss dennoch entsorgt werden. Die dafür anfallenden Kosten hängen natürlich von der exakt verbleibenden Menge ab, die Simons im „unteren dreistelligen Kubikbereich” ansiedelt. Inzwischen hat die Stadt die Entsorgungsleistung ausgeschrieben, neun Unternehmen haben sich beteiligt. Wer den Zuschlag erhält, ist Thema in einer der nächsten Sitzungen des Bauausschusses – nichtöffentlich. Erst da wird man wissen, was der Einbau spart und die Entsorgung dennoch kostet.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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