Nur 180 Einwohner zählt der Scheinfelder Ort Unterlaimbach. Umso erstaunlicher ist es, dass es dort dank einer aktiven Dorfjugend, einer Kulturscheune, eines Gesangvereins, einer Kirchengemeinde sowie des traditionsreichen Wirtshauses anlässlich des bayernweit ausgerufenen Heimaterlebnistags ein großes Programm gab.
Zum Auftakt präsentierte Wigbert Winklers Volkstanzgruppe typisch fränkische Tanzformationen. Bereits hier zeigte sich, dass nicht nur Unterlaimbacher gekommen waren, um einerseits ein Mittagessen vom Grill zu genießen und andererseits zu erleben, was so ein kleiner Ort auf die Beine stellen kann.
Im Zentrum stand der Auftritt der Jugend, die als Kabarettgruppe in die Historie ihres Heimatdorfes eintauchte. Denn dort gibt es seit dem 18. Jahrhundert mit dem Hagelfeiertag eine Besonderheit: Das Patronat Schwarzenberg genehmigte diesen Buß- und Bettag am 25. Mai, nachdem in den Jahren 1794, 1795 und 1796 an diesem Tag stets ein verheerender Hagelschlag übers Land gezogen war.
Eindringlich schilderte die Gruppe um Benedikt Amtmann, welche Verwüstung das Gewitter jeweils anrichtete. Die Dämme von Schwarzenberger Weihern „wurden mannshoch überspült“. Die Wiesen im Grund seien mit Geröll und Erdmassen derart überschüttet worden, dass es Jahre mühsamer Arbeit brauchte, bis diese wieder Ertrag lieferten.
Auch die Geschichte eines am 25. Mai immer wieder weggeschwemmten Bauholzes für die Scheune des Anwesens Nummer 21 wurde erzählt. Das Bauholz war drei Jahre hintereinander im Wiesengrund bis nach Hambühl gespült und dort wieder geborgen worden. Im dritten Hageljahr wurde der Bau schließlich fertiggestellt. „Zäh wie Eschen und fest wie Eichen waren unsere Vorfahren“, hieß es in dem von Benedikt Amtmann und Sophia Gegner abwechselnd vorgetragenen Text.
Erstaunlich, wie die fünfköpfige Gruppe es schaffte, dem Ernst der Geschichte eine kabarettistische Leichtigkeit zu verpassen. Die Blockflöte, die Amtmann schließlich mit dem Hackbrett tauschte, war für den einen oder anderen Lacher gut. Und der fränkische Gassenhauer „Hans bleib da, mer weiß ja net, wie’s Wetter wird“ passte gut zum Thema. Auch der „Bienenhausgalopp“ wurde humorvoll angekündigt, ebenso der „Glückliche Herzen Walzer“. Dabei spielte Ella Bergmann die Melodien auf der Klarinette, Sophia Gegner übernahm Gitarrenbegleitung und Gesang, Leonie Gegner Percussion und Gesang sowie die Amtmann-Geschwister Charlotta und Benedikt (ebenso am Hackbrett).
Nach einer kurzen Pause ging es durch den Kirchweg weiter in die Kulturscheune der McNeills. Brigitte McNeill las aus ihren Büchern „Maadla aus die 50er Jahr“, „Herz hat a jeder“, „Heit kennert’s geh“ und „Die Fräulein“. Beim letztgenannten Werk geht es um McNeills Erfahrungen als Junglehrerin in den 70er Jahren. Diese machte sie in der Scheinfelder Grundschule, die damals im Gegensatz zu den einklassigen Dorfschulen als Fortschritt galt.
In ihrem Buch hat Brigitte McNeill drei Kapitel der alten Unterlaimbacher Dorfschule gewidmet. Diese basieren auf Erzählungen früherer Schüler. Passend zum Heimattag las die Autorin daraus vor, gab aber auch Erinnerungen an Familienurlaube in Berchtesgaden zum Besten und erzählte von der Freude, wenn in Franken im Mai die Biergartensaison startet.
Der Heimaterlebnistag endete mit einem Gottesdienst, den der Unterlaimbacher Gesangverein „Liederkranz“ musikalisch umrahmte. Im ganzen Landkreis folgten nur Unterlaimbach und Oberscheinfeld – hier im Rahmen des ohnehin alljährlich stattfindenden Handwerker-, Bauern und Kunstmarktes – dem Aufruf des Finanz- und Heimatministeriums.