Die wohl kurioseste Geschichte der jüngeren Uffenheimer Stadtgeschichte um die „Problembäume“ an der Staatsstraße zwischen Uffenheim und Adelhofen wurde nun um ein mutmaßlich letztes Kapitel erweitert. Ein bislang noch Unbekannter hat den letzten verbliebenen Obstbaum am 1. Mai einfach umgesägt. Ein Walpurgi-Scherz? Die Polizei ermittelt.
1. Mai, 14.35 Uhr: Bei der Uffenheimer Feuerwehr geht ein Alarm ein. „Baum über Fahrbahn“, lautet das Stichwort, zwischen Uffenheim und Brackenlohr. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt: Dieser Einsatz wird noch für einige Lacher sorgen und die unendliche Geschichte vom Radweg zwischen Uffenheim und Brackenlohr gewissermaßen um ein Nachwort ergänzen. Denn genau jener Radweg ist an diesem Maitag die Einsatzstelle. Als die Feuerwehrkräfte vor Ort eintreffen, können sie ihren Augen noch nicht so ganz trauen. Doch von vorne.
Für Kopfschütteln, Wut und Verzweiflung sollten beim Bau des Radweges nach Brackenlohr und der Sanierung der benachbarten Staatsstraße mehrere Bäume sorgen. Diese sollten unbedingt erhalten werden, das zumindest forderte die zuständige Behörde. Doch deren Zustand war nicht berauschend – und so musste viel Geld für Standfestigkeitstests via Zugseil und Umplanungen, um das Wurzelwerk zu schonen, ausgegeben werden. Im Uffenheimer Stadtrat hatte es dazu einige bisweilen spöttische Debatten gegeben.
Bürgermeister Wolfgang Lampe hatte die beiden Birnbäume sogar zum Mahnmal für den bürokratischen Wahnsinn ernannt. Denn: „Das sind sehr teure Bäume.“ Forderungen seitens der Räte wurden laut, trotzdem ein Exemplar ob seines schlechten Allgemeinzustands endlich zu erlösen. Doch vorerst wollte niemand ein Einsehen haben.
Zumindest bis zum Februar 2025, als einer der beiden Bäume plötzlich durch das Staatliche Bauamt doch gefällt wurde. „Wer hat sich des Birnbaumes erbarmt und ihn abgesägt?“, hatte da Bernhard Schurz in einer Ausschusssitzung gefragt. Eine sarkastische Diskussion entbrannte. Aber insgeheim waren alle froh, das Kapitel endlich abschließen zu können. Doch so ganz abgeschlossen war es dann doch nicht, wie der 1. Mai nun bewies. Denn der Baum, der da am Boden lag und teils auf den Brackenlohrer Radweg ragte, ist kein anderer als der Zwillingsbruder des zuvor offiziell abgesägten Exemplars.
Was passiert war? So richtig weiß das niemand – oder will es zumindest niemand wissen. Bürgermeister Lampe spricht von Kettensägen-Spuren. „Das war fachmännisch. Der, der das gemacht hat, der hatte Ahnung.“ Er geht davon aus, dass der Baum mutmaßlich Opfer eines Walpurgistreichs wurde. Davon geht auch der Bad Windsheimer Polizeichef Heiko Dürr aus – seine Inspektion ist auch für den Raum Uffenheim zuständig. Dürr spricht jedenfalls von einem „schlechten Scherz“. Bleibt noch die Frage offen, wer so etwas tut und einfach einen Baum an einer Staatsstraße, der zum Politikum geworden war, abschneidet.
Eine Antwort darauf gibt es bis heute nicht. Fakt ist: Bei der Polizei läuft eine Anzeige wegen Sachbeschädigung. Der Übeltäter wurde allerdings noch nicht ausfindig gemacht. Wer Hinweise geben kann, wird gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen – Telefon 09841/66160. Lampe ist nicht besonders zuversichtlich, dass der Säger ausfindig gemacht werden kann. Den Vorgang an sich möchte er jedenfalls nicht mehr kommentieren. Schließlich haben ihn diese Bäume viel Nerven und der Stadtkasse Geld gekostet.
Apropos Geld: Wer zahlt denn nun eigentlich den Feuerwehreinsatz, wenn der Täter anonym bleibt? Die Kosten bleiben dann wohl an der Stadt hängen, das dürfte jedenfalls endgültig der Schlusspunkt sein – im Roman der unendlichen Geschichte des Brackenlohrer Radwegs.