„Was sich die Naturschutzverbände in Mittelfranken über Jahrzehnte aufgebaut haben, steht in weiten Teilen auf der Kippe”: Michael Körber, verantwortlich für das Flächenmanagement bei der Kreisgruppe Ansbach im Bund Naturschutz (BN), sorgt sich um die Kulturlandschaft und die Artenvielfalt in der Region.
Die Aufmerksamkeit der Vertreterinnen und Vertreter der Umweltschutzverbände Bund Naturschutz, Kreisgruppe Ansbach, und Landschaftspflegeverband Mittelfranken gilt den Haushaltsberatungen der bayerischen Staatsregierung. Vor allem dem Doppelhaushalt 2026/2027, dessen Entwurf im Herbst vorliegen soll.
Die Ampelkoalition hatte infolge leerer Kassen die Bundesmittel für Naturschutz gekürzt. Für Bayern macht das jährlich sechs Millionen Euro aus. Freistaat und Bund sehen sich gegenseitig in der Pflicht.
In München vertritt man die Auffassung, die neue Bundesregierung müsse die Kürzungen zurücknehmen. Berlin geht davon aus, dass der finanzstarke Süden die ausbleibenden Finanzmittel für die Landschaftspflege kompensieren kann. Das Volumen des bayerischen Staatshaushaltes liegt bei rund 76 Milliarden Euro.
Wenn der neue Haushalt steht, sei es für eine Reihe von Maßnahmen, die zwingend früh im Jahr passieren müssten, etwa der Rückschnitt von Hecken, zu spät, so Michael Körber. Der Mittelstopp fiel mitten in die Antragsphase. Vieles sei unklar. Vieles, was bislang routinemäßig gefördert wurde, steht auf der Kippe. Für die Pflanzung und Pflege naturnaher Hecken, Laubbaumpflanzungen und großflächige Entbuschungen scheint zum Beispiel kein Geld mehr da zu sein.
Die stark gekürzten Einschnitte würden bedeuten, dass über Jahre hinweg entwickelte Strukturen verloren gehen, sagt Michael Körber. „Natur lebt von kontinuierlicher Pflege”. Seit 16 Jahren ist er hauptamtlich im Naturschutz tätig. Zunächst beim Landschaftspflegeverband, dann wechselte er zur BN-Kreisgruppe und übernahm die Aufgabe des Flächenmanagers zur Sicherung wertvoller Naturschutzflächen.
Ohne regelmäßige Mahd gehen mittelfristig hochwertigste Flächen verloren. Wenn nur noch wenige Projekte – und diese auch nur teilweise durchgeführt werden können – habe das laut Körber weitreichende Folgen für die Biodiversität und die landwirtschaftliche Nutzung.
Der Landschaftspflegeverband Mittelfranken mit seinem Geschäftsführer Klaus Fackler ist ein wichtiger Partner der BN-Kreisgruppe Ansbach, betont Michael Körber. Er setzt vor Ort Maßnahmen zum Erhalt der Kulturlandschaft und Artenvielfalt um. Die Zusammenarbeit mit Regierung, Landratsamt, Kommunen und Bauernverband habe in Sachen Naturschutz in Mittelfranken „gut funktioniert”. Die meisten Kommunen sind Mitglied im Landschaftspflegeverband und nehmen dessen Serviceleistungen in Anspruch. Mit den Kürzungen müssten sie sich Alternativlösungen überlegen – mit eigenem Maschineneinsatz und Personal.
„Wenn die Kommunen die Aufgaben selbst übernehmen müssen, wird sie das ganz viel Geld kosten”, prophezeit Michael Körber. Ohne ausreichende Mittelausstattung stünden auch Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Befürchtung von Stellenstreichungen steht im Raum. Beim Landschaftspflegeverband sind schon seit März „große Teile der Belegschaft” in Kurzarbeit, hieß es auf FLZ-Nachfrage.
Landwirte sind ebenfalls betroffen, wenn das Auftragsvolumen für die Landschaftspflege zurückgefahren wird. Man habe in den vergangenen Jahren Landwirte überzeugen können, freiwillig beim Vertragsnaturschutz mitzumachen, so Körber. Für die Arbeiten habe so mancher Betrieb zusätzlich in Technik und Fuhrpark investiert. Michael Körber sieht „Vertrauen zerstört” durch die abrupte Haushaltssperre.
Die Zusammenarbeit mit den Landwirten ist erfolgreich. Die Fläche im bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm hat sich innerhalb eines Jahrzehnts in etwa verdreifacht. Das bedeutet aber auch: Die Naturschutz-Mittel müssten weiter steigen, um die gewünschten Ziele auch zu erreichen. Denn auch für alle bisher schon schonend bewirtschafteten Flächen muss weiter bezahlt werden.
Bisher sind erst etwa zehn Prozent der offenen Landschaft Teil des landesweiten Biotopverbunds im Freistaat. Körber: „Da sind wir in Bayern nicht die Allerschlechtesten, aber auch nicht vorne mit dabei.” Das gesetzlich festgelegte Ziel bis 2030 lautet 15 Prozent. Für die Jahre 2026 und 2027 sind laut Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Mittel in Höhe von 36 Millionen Euro für den Naturschutz eingeplant. In dieser Summe seien „mehrjährige Vorhaben” enthalten.
Ein Vergleich zu den vergangenen Haushaltsjahren sei „nicht mit vertretbarem Aufwand leistbar”, hieß es auf FLZ-Nachfrage. Wie hoch der Mittelbedarf ist, um zu gewährleisten, dass sich die Erhaltungszustände der Lebensraumtypen nicht verschlechtern oder sogar verbessern, ließ das Ministerium im Unklaren: „Aufgrund der Komplexität der ineinander greifenden Maßnahmen kann hier keine konkrete Summe angegeben werden.”
Wie schon 2019 beim Volksbegehren „Rettet die Bienen” könnte es entscheidend sein, so Michael Körber, politisch auf die Situation aufmerksam zu machen und die Folgen der fehlenden Naturschutz-Mittel für die Kommunen in die Öffentlichkeit zu tragen. „Es muss eine Lösung gefunden werden, bevor jahrelange oder gar jahrzehntelange Arbeit zerstört wird.”