Zur Übergabe der Umwelt- und Klimapakt-Urkunde Bayern für das Werk 2 von Rehau ist am Montagmittag Umweltminister Thorsten Glauber nach Feuchtwangen gekommen. Mit Werksleiter Hans-Martin Bachmann, dem Technischen Leiter der Stadtwerke, Lothar Beckler, und Bürgermeister Patrick Ruh entwickelte sich ein Austausch rund um die Energiewende.
Nach 2018 und 2021 war es bereits das dritte Mal, dass das Werk mit seinen rund 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diese Auszeichnung erhielt. Sie wird an Unternehmen vergeben, die sich besonders für nachhaltiges und umweltverträgliches Wirtschaften einsetzen.
Werksleiter Bachmann nutzte daher auch die Gelegenheit, dem Minister zu erklären, weshalb der Standort in Feuchtwangen diese Auszeichnung verdient hat. So wurden unter anderem durch LED-Beleuchtung oder moderne Antriebe der Maschinen ausgehend vom Verbrauch im Jahr 2009 bis heute bereits 97 Millionen Kilowattstunden Strom eingespart.
Bachmann bezeichnete den Standort als „das Werk im Grünen“ und erklärte, dass eine nachhaltige Entwicklung nur funktionieren könne, wenn sich auch die Mitarbeiter für dieses Thema interessieren. Daher gebe es immer wieder kleinere Aktionen wie das Pflanzen von Bäumen auf dem Gelände.
Bei der Herstellung von Wandanschlussprofilen oder Schläuchen seien in den vergangenen vier Jahren 5700 Tonnen Rezyklate eingesetzt worden. Darunter versteht man wiederverwertete Kunststoffe, die von Haushalten oder Gewerbetreibenden entsorgt wurden und für die Herstellung neuer Produkte genutzt werden. Durch Recycling entsteht so ein Kunststoffgranulat, das erneut benutzt werden kann.
Außerdem berichtete der Werksleiter von den Besonderheiten am Standort Feuchtwangen. So gebe es eine Kooperation mit einer Biogasanlage im Feuchtwanger Ortsteil Weiler am See. Der Betreiber baute in Eigenregie eine rund ein Kilometer lange Gasleitung auf das Werksgelände und errichtete dort zwei Blockheizkraftwerke. So werden Wärme und Strom gewonnen, die auf dem Gelände je nach Jahreszeit eingesetzt werden können: im Winter zum Heizen und im Sommer für die Kältemaschinen.
Das neueste Projekt in Kooperation mit den Stadtwerken Feuchtwangen steht nur wenige Meter neben dem Werksgelände an der Straße und ist kaum zu übersehen: Die große Photovoltaik-Anlage liefert inzwischen rund zehn Prozent des Stroms, den alle drei Rehau-Werke am Standort Feuchtwangen mit ihren rund 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern benötigen.
Umweltminister Glauber würdigte anschließend die zahlreichen Maßnahmen von Rehau und hob in diesem Zusammenhang auch das große Engagement der Stadtwerke und der Stadt Feuchtwangen in Sachen Energiewende vor Ort hervor. Dies sei keine Selbstverständlichkeit.
Über die Anstrengungen in der 13.000-Einwohner-Stadt konnte sich der Minister glaubhaft freuen. Schließlich habe er bereits im Jahr 1999 seine Diplomarbeit zum Thema Akzeptanz der Energiewende im ländlichen Raum geschrieben, erklärte er. Auch Bürgermeister Ruh betonte, dass in Feuchtwangen parteiübergreifend Einigkeit herrsche, dass eine nachhaltige, wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe vor Ort enorm wichtig sei.
Das größte Problem für die Energiewende in Deutschland und Bayern sei das Stromnetz, erklärte Glauber. Man habe zwar durch den massiven Ausbau von erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren zahlreiche „Strominseln“ geschaffen. Mit dem Ausbau des Stromnetzes komme man allerdings nicht mehr hinterher. „Beides muss aber im Gleichklang geschehen, sonst kann es sein, dass wir neue Windräder bauen, die dann erst vier oder fünf Jahre später an das Stromnetz angeschlossen werden können“, verdeutlichte der Umweltminister.
Daher müsse in die Netze noch viel umfassender investiert werden. Das Argument, dass Stromtrassen die Landschaft verschandeln würden, ließ der Freie-Wäher-Politiker nicht gelten: „Der Anblick von Stromleitungen gehört zum Wohlstand. Wer das nicht akzeptiert, der wird auch beim Wohlstand Abstriche machen müssen.“