Eine Uffenheimerin hatte Besuch von einem Telekom-Vertreter, der sie nach ihrem Interesse an einem Glasfaseranschluss fragte. Das war vorhanden. Doch als er hörte, dass ihr Mann, auf den der Vertrag laufen müsse, über 85 Jahre alt ist, winkte er ab: Menschen, die Ü85 sind, könnten keinen Anschluss bestellen, meinte er – und ging.
In Uffenheim laufen die Glasfaser-Arbeiten auf Hochtouren. Deshalb machte unlängst ein Infomobil der Telekom in der Stadt Station, aber es fanden auch Hausbesuche statt. Auch bei Ute Fuhrmeister klingelte ein junger Mann, mit dem sich obiger Dialog abspielte. Nachdem sie die Auskunft erhalten hatte, dass ihr Mann schon zu alt für die Bestellung des Glasfaseranschlusses sei, war die Empörung verständlicherweise zunächst hoch.
Inzwischen hat sich der Sachverhalt geklärt. Ute Fuhrmeister rief bei der zuständigen Sachbearbeiterin der Stadtverwaltung an und die Presseabteilung der Telekom antwortete der Redaktion auf eine entsprechende Anfrage prompt. In der Antwort wird bestätigt: Ja, es gibt eine Ü85-Regelung. „Damit stellen wir sicher, dass ältere Menschen nicht übervorteilt werden.”
Der Hintergrund: Die sogenannten Haustürgeschäfte werden immer wieder kritisch hinterfragt, unter anderem von den Verbraucherschutzzentralen. Um sicherzustellen, dass sie nicht überrumpelt werden, gestattet die Telekom deshalb keinen Direktvertrieb an Ü85-Interessenten.
Das heißt aber nicht, wie es Ute Fuhrmeister vermittelt wurde, dass sie keinen Glasfaseranschluss bekommen könnte: Kundinnen und Kunden ab 85 Jahren werden von den Direktvermarktern an den nächsten Shop oder die Hotline verwiesen.
Fuhrmeister hat von der Uffenheimer Stadtverwaltung dieselbe Auskunft erhalten und kann dies nachvollziehen. Richtigerweise merkt sie an, dass natürlich auch schon Jüngere überrumpelt werden und Ältere durchaus in der Lage sein können, auch an der Haustür einen Vertrag abzuschließen.
Dem Pressesprecher der Telekom ist die Gratwanderung offenbar bewusst. Leichter Frust spricht aus den Worten: „Auch wenn man uns jetzt Altersdiskriminierung vorwerfen möchte”, bleibe man klar bei der jetzigen Ü85-Regelung.
Einen Verbesserungsvorschlag hat die Uffenheimerin aber noch: Der Telekom-Vertreter – den sie ansonsten als „nett und höflich” beschreibt und der als Nicht-Muttersprachler recht gut Deutsch gesprochen habe – konnte offenbar nicht vermitteln, dass die Fuhrmeisters auf anderem Weg sehr wohl an ihren Glasfaseranschluss kommen können. „Da wäre vielleicht ein Faltblatt hilfreich, das man der Kundschaft in solchen Fällen an die Hand geben kann.”