Aus der Wiesenstraße in Sugenheim hört man Blaulicht-Fahrzeuge herannahen. Mehrere Feuerwehrautos rücken an. Sie sind auf dem Weg zu einem Betriebsgelände. Dort ist ein Stoß mit Holz in Brand geraten. Nein, er wurde entfacht. Zu Trainingszwecken. Jugendliche aus Sugenheim und Nenzenheim proben den Löscheinsatz.
Das ist Teil einer 24-Stunden-Übung inklusive Übernachtung im Feuerwehrhaus und fordert die Zwölf- bis 18-Jährigen. Alles beginnt an Karsamstag mit Einweisung und Theorie um 10 Uhr. Am Abend heißt es unweit der Sugenheimer Schlösser: Löscheinsatz. Einer der Höhepunkte des Jugendfeuerwehrtags, so Kommandant Martin Schäfer.
Schlauch am Hydranten anschließen, ausrollen, verkuppeln, Wasser marsch. Die Jungen und Mädchen tragen blaue Anzüge und rote Helme und unterscheiden sich so auch optisch von den in schwarz gekleideten alten Hasen der Feuerwehr, die das Geschehen begleiten. Der Stapel mit Altholz brennt. Wasser marsch.
Bald lodert es nicht mehr. Auch der Rauch hat sich verzogen. Aus den gelöschten Scheiten steigt Wasserdampf in den vorösterlichen Abendhimmel. Zuerst untersucht Laura Lindner von der Erwachsenen-Wehr Nenzenheim mit der Wärmebildkamera die gelöschte Brandstelle, danach Julius Distler von der Nenzenheimer Jugendfeuerwehr.
Seit der Vorführung einer Fettbrand-Explosion am Vormittag auf dem Gelände des Sugenheimer Feuerwehrhauses ist dies Erlebnis Nummer fünf an diesem Tag, der den jungen Leuten zeigen soll, wie es in der Feuerwehr so zugeht. Nach dem Mittagessen darf das halbe Dutzend Jugendliche selbst ran: Ölspur.
Dann piepen plötzlich sämtliche Handys der Erwachsenen. Sie müssen zu einem echten Einsatz ausrücken: Zwischen Ullstadt und Sugenheim ist ein Unfall passiert. Ein Auto war von der Straße abgekommen und auf dem Dach liegen geblieben. Technische Hilfeleistung ist gefragt.
Nach diesem Pflichtteil ohne jugendliche Gäste folgt die nächste Übung mit ihnen: Baum über Straße. Ein vorher von der Erwachsenen-Crew geschnittener Baum liegt im Weg. Teamarbeit ist gefordert. Noch vor dem Abendessen der nächste Übungsalarm: Ein Rauchmelder in einem örtlichen Betrieb schlägt Alarm. Der Aufenthaltsraum ist verraucht.
Schließlich ein Palettenbrand. Wieder ein Betriebsgelände in – inszenierter – Not. Die Fahrzeuge rücken aus. Die Jugend mittendrin. Sie zeigen vollen Einsatz und haben Spaß. Nur als in der Nacht um 3 Uhr wieder Alarm ist, mag der eine oder andere etwas ungläubig auf seinem Feldbett gesessen haben, ehe sich Müdigkeit in Tatkraft umwandelt.
Als der 17-jährige Maxim Nittmann und der 15-jährige Timo Löslein vom Sugenheimer Nachwuchs am Samstagabend bei einer Limo im Feuerwehrhaus mit unserer Redaktion plauschen, wissen sie noch nicht, dass sie nachts raus müssen. Diesmal stellt sich ein Alarm in Deutenheim als Fehlmeldung heraus – auch derlei kommt schließlich vor.
Nittmann und Löslein können sich ein Leben ohne Feuerwehr nicht mehr vorstellen. Sie seien hineingewachsen, freuen sich über die lange Jugend-Übung, die es in Sugenheim zuletzt vor rund zehn Jahren gegeben hatte, wie Vize-Kommandant Ralf Edelhäuser sagt. Aus Sugenheim hat Marie-Sofie Schwalme als Jugendwartin den Hut auf, unterstützt vom Nenzenheimer Patrick Bach.
Nittmann spricht von Kameradschaft. Es gebe so viel zu lernen – sei es im technischen, im medizinischen oder im menschlichen Bereich. Löslein mag den Gemeinschaftssinn. Waldemar Hubert, der den 24-Stunden-Tag mit organisiert hat, ergänzt: „Das sind ganz viele Kompetenzen, die man im Leben immer braucht.“
In dem Moment kommt Edelhäuser ins Dienstzimmer und erzählt, dass ein Teil der Jugend die Schläuche in die Reinigungsmaschine „gefädelt“ hat. Gespannt schauen die Nachwuchskräfte zu, wie die Schläuche gesäubert werden. Frisch aufgerollt kann das Handwerkszeug zurück in den Wagen. Aufhängen im Trockenturm – das war einmal.
Für den 18-jährigen Pascal Zaubzer aus Sugenheim ist das längst Alltag. Er hat viele Fortbildungen hinter sich. Jeden zweiten Samstag im Feuerwehrhaus zu verbringen, für ihn ist das selbstverständlich. „Auch ich war von klein auf mit dabei“, sagt Zaubzer. Und manchmal fehle ihm was am Samstag. Immer dann, wenn kein Feuerwehrtag ist.