Nach der überstandenen Insolvenz kommt die Nachricht doch überraschend: Schulers Backhaus schließt seine Backstube und will alle Filialen abgeben. Für das Café Krokant werden noch Interessenten gesucht, die anderen Ansbacher Filialen übernimmt eine Bäckerei aus dem Landkreis, die erstmals den Schritt in die Stadt wagt.
Bereits Ende Juni wird Schuler seine Backstube schließen, erklärt Anica Krauß auf Anfrage der FLZ. Sie ist für das Marketing der Kette mit aktuell noch sieben Filialen zuständig. Um sowohl für Mitarbeiter, Gläubiger als auch Kunden die beste Lösung zu finden, habe man sich für eine „freundschaftliche Übergabe an andere Bäcker“ entschieden.
Zum Jahresbeginn 2022 hatte Günter Schuler die über 120 Jahre alte Dietenhofener Bäckerei Held mitsamt ihrer Verkaufsstellen etwa in Ansbach übernommen und aus ihnen Schulers Backhaus gemacht. Nach einer wirtschaftlich sehr schwierigen Phase samt „erfolgreich überstandener Insolvenz in Eigenverwaltung“ wird Schuler sich nun wieder mehr auf sein Kerngeschäft konzentrieren, sagt Anica Krauß weiter. Er betreibt nämlich mehrere Edeka-Supermärkte.
Die Backhaus-Filiale in der äußeren Ladenstraße des Brücken-Centers sowie den Verkaufsstand in der Haupthalle und die Filiale am Ansbacher Schlossplatz übernimmt nun „Der orange Beck“.
Er hat seine Backstube in Bechhofen sowie Filialen in Leutershausen, Aurach, Feuchtwangen und Herrieden. „Wir werden unser bisheriges Konzept behalten“, sagt Carmen Beck, die sich um die Bürogeschäfte des Familienunternehmens kümmert, „und vielleicht ein, zwei neue Sachen ausprobieren“. Ihr Vater Hermann Beck führt die Bäckerei noch, ihr Bruder Andreas Beck soll sie bald übernehmen.
„Die Bäckerei hat Zukunft“, sagt Anica Krauß. Außerdem ähnle sich die Philosophie der beiden Betriebe. Zwar hat die Familie Beck kein Bio-Zertifikat, aber „sie verwenden nur regionale Rohstoffe, packen keine künstlichen Mittel rein und machen alles von Hand“, so Krauß.
Vor allem für die Mitarbeiterinnen wird die Umstellung auf das Beck-Sortiment am Anfang Arbeit bedeuten. Die Angestellten des Backhauses, erklärt Anica Krauß, werden nämlich in allen Filialen übernommen. Sie arbeiteten teils bereits zu Zeiten der Bäckerei Held dort. „Wir wollten die eingespielten Teams erhalten. Dass es für unsere Mitarbeiter weitergeht, das war uns ganz wichtig“, betont Krauß.
Das Café Krokant werde noch von Schuler weiterbetrieben, bis sich ein geeigneter Nachfolger findet. „Gespräche laufen bereits“, sagt Krauß. Gerüchten zufolge hatten zwei Männer Interesse bekundet, das Krokant zu übernehmen und wieder mehr in Richtung Abendangebot und Gastronomie zu entwickeln.
Die sind aber abgesprungen, verrät Krauß auf Nachfrage. Interessenten seien willkommen, gerne auch mit einem Konzept in Richtung Gastronomie, Abendgastronomie. „Das hatten wir ja auch versucht.“
Dass das Backhaus Ende Juni zu, das Krokant aber wohl noch offen sein wird, sei kein Problem. Die Backwaren könne man sich zuliefern lassen – wahrscheinlich ebenfalls von der Bäckerei Beck aus Bechhofen. Vieles im Krokant sei eher Gastro-Bedarf: Lebensmittel für Essen, Kaffee und ähnliches besorge man sowieso schon. Auch die Konditorin sei noch da. „Es wird auf keinen Fall zugemacht“, versichert sie.
Für die Baguetterie am Marktplatz in Feuchtwangen gibt es einen Interessenten, sicher ist aber noch nichts. Falls sich zeitnah niemand findet, droht dort die Schließung.
Die Bäckerei Greller sitzt in Veitsbronn und hat in Dietenhofen in direkter Nachbarschaft zum Backhaus Schuler ohnehin schon eine Filiale. Das Café wechselt die Straßenseite und baut dort die größeren Räume von Schuler um.
Die Filiale in Nürnberg übernimmt derweil der Kalchreuther Bäcker mit Sitz in Brand, Eckental. „Wir sind überzeugt, dass alle Filialen an tolle Bäckereien übergeben werden und so auch für unsere Kunden die bestmögliche Lösung gefunden wurde“, teilte das Backhaus Schuler mit.
Die Übernahme passiere kurzfristig, sagt Carmen Beck, was angesichts bürokratischer Hürden nicht ganz leicht sei. „Wir sind ja in Deutschland, da mahlen manche Mühlen langsam.“