Nach Protesten von Anwohnerinnen und Anwohnern gegen das geplante Biogas-Blockheizkraftwerk (BHKW) rund 300 Meter südlich von Oberschlauersbach haben die Vorhabenträger das persönliche Gespräch gesucht und ihre Entwürfe überarbeitet – nicht nur, aber auch aufgrund der Vorbehalte in der Nachbarschaft.
Wie Johannes Rudolph, Juniorchef des landwirtschaftlichen Familienbetriebs Rudolph und Inhaber der Rudolph Biostrom Gesellschaft, mitteilt, wolle man im Plangebiet auf den ursprünglich vorgesehenen Reingasspeicher verzichten. Mit 17 Metern Höhe und 34 Metern Durchmesser wäre dieser das massivste Bauwerk gewesen. Stattdessen soll die Gasleitung von der Biogasanlage am Hof zum BHKW vergrößert werden. Zudem prüfe man derzeit, ob ein Sichtschutzwall sowie eine zusätzliche Begrünung auf Seiten der Wohnbebauung genehmigungsfähig seien.
Damit kann die Mehrzahl der Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer, bei denen es sich um die Eigentümerinnen und Eigentümer von Anwesen am südlichen Rand des Ortsteils handelt, einigermaßen leben. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir werden uns daran gewöhnen“, sagt einer der Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte.
Zentral sei, dass die Vorhabenträger auf sie als Nachbarn zugegangen seien. Nun wolle man den dörflichen Frieden nicht weiter strapazieren. Die im Verfahren bisher eingebrachten Stellungnahmen aus der Bevölkerung haben aber dennoch Bestand und werden in der kommenden Abwägung im Marktgemeinderat berücksichtigt.
Teil der Entwürfe sind weiterhin das BHKW mit einer Leistung von zwei Megawatt, ein zwölf Meter hoher Abgaskamin, ein 16,5 Meter hoher Pufferspeicher und eine Stromübergabestation. Als Standort ist eine landwirtschaftliche Nutzfläche an der 110-kV-Hochspannungsleitung vorgesehen. Das BHKW soll Gebäude in der Albrecht-Dürer-Straße, der Richard-Wagner-Straße und Am Weinberg versorgen, die bislang an das Hackschnitzel-Heizwerk der „Bioenergie Sommerleite“ angeschlossen sind. Erweitert werden könnte bei Bedarf außerdem das Wärmenetz in Oberschlauersbach.
Der Marktgemeinderat hatte im Dezember das baurechtliche Verfahren auf den Weg gebracht. Seniorchef und Gemeinderat Jürgen Rudolph war wegen persönlicher Beteiligung von Beratung und Abstimmung ausgeschlossen.
Nachdem die Pläne im Rahmen der ersten öffentlichen Auslegung bekannt geworden waren, regte sich Widerstand. Für Diskussionen im Ort sorgte vor allem ein Protest-Aushang in einer Bankfiliale. In Schreiben an die Gemeinde äußerten Anwohner die Sorge, die Nähe der Anlagen könne die Wohn- und Lebensqualität beeinträchtigen.
Befürchtet wurden zusätzlicher Lkw-Verkehr sowie Geräuschimmissionen. Als Alternativstandort wurden vorbelastete Flächen im Bereich der Windkraftanlagen vorgeschlagen. Kritisiert wurde zudem mangelnde Transparenz. „Es entstand der Eindruck, dass hier im Eilverfahren hinter unserem Rücken entschieden werden soll“, so ein weiterer Anwohner.
Um diese Bedenken aufzugreifen, suchten die Rudolphs den direkten Weg zu den Nachbarinnen und Nachbarn und erklärten außerdem, warum es keinen offensichtlichen Alternativstandort gebe: Die Leistung der bestehenden Biogasanlage am Hof darf innerhalb der nächsten zwölf Jahre nicht erweitert werden, möglich ist dies nur an einem unabhängigen Standort, mindestens 500 Meter entfernt. Zu berücksichtigen sind Schutzzonen des Naturparks Frankenhöhe. Vorausgesetzt sind obendrein die Verfügbarkeit der Fläche sowie die Nähe zum Ortsteil Oberschlauersbach und zum Wärmenetz Albrecht-Dürer-Straße.
Bedenken aufgrund des Geräuschpegels möchte man zerstreuen. Nach Rudolphs Angaben liegt der vom Hersteller angegebene Schalldruckpegel am Schornstein bei 55 Dezibel. Aufgrund der Entfernung von zirka 260 bis 300 Metern kommt nach Expertenmeinung an der Wohnbebauung nur noch ein sehr geringer Wert an, der unter der üblichen nächtlichen Hintergrundkulisse selbst in ruhigen ländlichen Gebieten liegt. Das BHKW werde außerdem nicht dauerhaft laufen, so Rudolph. Geplant seien eine durchschnittliche tägliche Betriebsdauer von unter fünf Stunden.
Bei einer Informationsveranstaltung im Oberschlauersbacher Wirtshaus beabsichtigen die Rudolphs, das Projekt vorzustellen. „Falls vorher noch weitere Fragen auftauchen, wäre es schön, wenn die Nachbarn gleich zu uns kommen würden“, wünscht sich Johannes Rudolph. Schließlich sei man sehr an einer gütlichen Lösung interessiert. Wer Interesse habe, sein Anwesen an Nahwärme anzuschließen, könne sich ebenfalls gern melden.