Tugenden und Laster am Baumeisterhaus in Rothenburg | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.05.2025 12:00

Tugenden und Laster am Baumeisterhaus in Rothenburg

Dieser Rufer schmückt neben weiteren Figuren das im späten 16. Jahrhundert errichtete Baumeisterhaus in Rothenburg, das nun mit erheblichem Aufwand fachkundig saniert wurde. (Foto: Bezirk Mittelfranken/Julia Krieger)
Dieser Rufer schmückt neben weiteren Figuren das im späten 16. Jahrhundert errichtete Baumeisterhaus in Rothenburg, das nun mit erheblichem Aufwand fachkundig saniert wurde. (Foto: Bezirk Mittelfranken/Julia Krieger)
Dieser Rufer schmückt neben weiteren Figuren das im späten 16. Jahrhundert errichtete Baumeisterhaus in Rothenburg, das nun mit erheblichem Aufwand fachkundig saniert wurde. (Foto: Bezirk Mittelfranken/Julia Krieger)

Acht vorbildlich renovierte Denkmäler in den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Ansbach sowie in der Stadt Ansbach hat der Bezirk Mittelfranken in diesem Jahr ausgezeichnet. Mit seinem reich ornamentierten Renaissancegiebel zählt das Baumeisterhaus, ein repräsentatives Patrizierhaus unweit des Rathauses von Rothenburg, zu den prominentesten Gebäuden der Stadt.

1596 erbaut vom damaligen Stadtbaumeister Leonhard Weidmann, zeichnet sich der dreigeschossige Satteldachbau vor allem durch diesen zum Marktplatz gerichteten Sandsteingiebel aus. Die Fenster des ersten und zweiten Geschosses rahmen je sieben als Halbfiguren gestaltete Stützen, die Hermenpilaster und Karyatiden genannt werden. Sie stellen Tugenden und Laster dar, identifizierbar an ihren Attributen. Die geschweiften Voluten am Treppengiebel sind Delfine, gestaltet in der Formensprache ihrer Entstehungszeit.

Die Originale befinden sich im Museum

Die originalen Allegorien wurden schon vor längerem ins Museum gebracht und durch Kopien ersetzt. Die steigende Gefährdung durch herabfallende Bruchstücke der mittlerweile sehr verwitternden Fassade war – auch aufgrund des Publikumsverkehrs im als Restaurant genutzten Erdgeschoss – letztlich den Auslöser für die unlängst durchgeführte Sanierung von Fassade und Dach.

Denn auch das ungedämmte Dach und der rückwärtige Fachwerkgiebel zeigten deutliche Schäden. Allein schon durch die enorme Kubatur der steilen Dachfläche stellte die Sanierung fachmännisch und finanziell eine besondere Herausforderung dar. Auch wenn der Aufwand von außen kaum zu erkennen ist, hat man alle zweckmäßigen Arbeiten denkmalgerecht ausgeführt.

Die Aufdachdämmung, bestehend aus Holzweichfaserplatten und Zellulose, macht den sanierten Dachboden nun endlich dicht und wetterfest. Insbesondere bei der Sanierung der breiten Traufe, an der eine frühere Verfugung mit Zement die Situation verschärft hatte, war besondere Vorsicht geboten, um die wertvollen Stuckdecken in den Räumen darunter nicht zu schädigen.

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Die mit Heißwasserdampf gereinigte und danach aufgearbeitete Steinfassade wurde am Giebel rückverankert. Hohlräume und Risse behob man mit mineralischem Fugenmörtel. „Für die verdienstvolle Sanierung des für die Stadt wichtigen Baus wurde insgesamt das rechte Maß gefunden – ganz im Sinne der an der Fassade dargestellten Kardinaltugend der Besonnenheit (der Temperantia), die mit zwei Bechern auf das richtige Mischungsverhältnis verweist: so viel wie nötig, so wenig wie möglich“, heißt es in der Laudatio des Bezirks.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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