Trotz erfreulicher Tendenz: Ein „bisserl mehr“ wäre schön | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.10.2024 19:42

Trotz erfreulicher Tendenz: Ein „bisserl mehr“ wäre schön

Etwas über 82.000 Besucher wurden in der kürzlich beendeten Saison im Neustädter Waldbad gezählt – nicht wenig, aber eben auch nicht so viele, um das jährliche Defizit deutlich zu reduzieren. (Foto: Anita Dlugoß)
Etwas über 82.000 Besucher wurden in der kürzlich beendeten Saison im Neustädter Waldbad gezählt – nicht wenig, aber eben auch nicht so viele, um das jährliche Defizit deutlich zu reduzieren. (Foto: Anita Dlugoß)
Etwas über 82.000 Besucher wurden in der kürzlich beendeten Saison im Neustädter Waldbad gezählt – nicht wenig, aber eben auch nicht so viele, um das jährliche Defizit deutlich zu reduzieren. (Foto: Anita Dlugoß)

Voller Stolz bezeichnet es Bürgermeister Klaus Meier gerne wahlweise als „das schönste weit und breit“ oder auch als „das schönste im Landkreis“ oder gar in „ganz Mittelfranken“. Die Rede ist vom Waldbad. Dass dieses den Neustädtern nicht nur lieb, sondern der Stadt auch noch verdammt teuer ist, offenbarte jetzt der Rückblick auf die Bilanzen der Jahre 2020 bis 2022.

Vorgestellt wurde diese finanzielle Nabelschau für Neustadts bekannteste Freizeiteinrichtung während der jüngsten Stadtratssitzung, nachdem zuvor schon der Werkausschuss Einblick erhalten und dem Stadtrat empfohlen hatte, die Bilanzberichte so festzustellen. Das bedeutet im Klartext: Man nimmt die Zahlen zur Kenntnis und bescheinigt eine ordnungsgemäße Buchführung.

Bürgermeister hofft auf sechsstellige Zahlen

Tatsache ist allerdings, dass das Waldbad im Jahr 2020 einen Verlust von knapp 376.400 Euro eingefahren hat. Im Jahr 2021 waren es dann noch rund 348.200 Euro Miese und im Jahr 2022 – dem zunächst letzten der vorgestellten drei Bilanzjahre – betrug das Defizit noch knapp 326.900 Euro. Die Tendenz liest sich also durchaus erfreulich: Die roten Zahlen werden kleiner.

Julian Lindner leitet das Bad und wacht auch über die Einhaltung der Regeln. (Foto: Christa Frühwald)
Julian Lindner leitet das Bad und wacht auch über die Einhaltung der Regeln. (Foto: Christa Frühwald)

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Woran das liegt, war weder den Sitzungsunterlagen zu entnehmen, noch wurde es im Sitzungsverlauf thematisiert. Was hingegen vom Bürgermeister sehr direkt angesprochen wurde, war die Tatsache, dass die Stadt sich das nasse Vergnügen ihrer Bürger Jahr für Jahr eine Stange Geld kosten lässt. „Ist schon interessant für die Öffentlichkeit, einmal zu sehen, wie viel die Stadt da jährlich draufzahlt“, so der Bürgermeister, der allerdings auch bekannte, es wäre deutlich schöner, wenn dieses Minus weiter abschmelzen würde.

Da man jedoch am Service oder Erscheinungsbild keine Abstriche machen will, bleibt wohl nur ein Weg, um die Verluste zu reduzieren: „Wir hätten schon gerne mal wieder eine sechsstellige Besucherzahl“, so Klaus Meier. Im abgelaufenen Jahr seien am Eingang etwas über 82.000 Personen registriert worden – laut Meier „sicherlich nicht schlecht“, aber ein bisschen mehr ginge auf jeden Fall. Unabhängig von diesen Hoffnungen nahm der Stadtrat die drei Jahresberichte inklusive der Jahresfehlbeträge kommentarlos zur Kenntnis.

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Alarmierung der Gemeinde

Ums liebe Geld ging es – indirekt – auch in einem weiteren Tagesordnungspunkt der jüngsten Sitzung. Bekanntlich ist die Stadt gesetzlich verpflichtet, „Einrichtungen zur Meldung und Alarmierung der Gemeinde zu beschaffen und zu betreiben“ – sprich: Sirenen vorzuhalten und dafür zu sorgen, dass diese auch funktionieren. Insgesamt zehn Sirenenstandorte hat die Stadt bislang – unter anderem natürlich auf den Feuerwehrhäusern in den Ortsteilen, aber beispielsweise auch auf den alten Schulhäusern in Unterschweinach, Unternesselbach sowie Diebach. Nun jedoch wird auf digitale Alarmierung umgerüstet und in diesem Zug müssen auch die besagten Sirenen an die Erfordernisse des digitalen Zeitalters angepasst werden – eine nicht ganz billige Angelegenheit.

Zwei Varianten stellte Rigobert Pfister, geschäftsleitender Beamter der Stadtverwaltung, in der Sitzungsvorlage zur Wahl. Man könne entweder die einzelnen vorhandenen Sirenen auf die digitale Alarmierung umstellen. Das koste rund 30.000 Euro und werde staatlicherseits mit rund 80 Prozent gefördert.

Alfred Tilz präsentiert die günstige Alternative

Oder aber – Variante B – man modernisiere die einzelnen Standorte wirklich umfassend und schaffe neue E-Sirenen an, die zwar der letzte Schrei sind, den modernsten Stand der Technik darstellen und sogar „notstromgepuffert“ sind, aber eben auch in Summe rund 200.000 Euro kosten. Davon übernimmt der Staat erstmal nix, wobei die Kosten für die Umstellung auf Digitalisierung inbegriffen wären.

Mit Plan C aus der Deckung

Noch bevor das Gremium sich mit den beiden Varianten befassen konnte, kam Alfred Tilz mit einem Plan C aus der Deckung. Der FWG-Stadtrat ist ja als Kreisbrandrat ein Mann vom Fach und schlug vor, doch noch ein bisschen abzuwarten. Bekanntlich müsse die Umstellung Ende des Jahres 2025 erfolgt sein – just der Zeitpunkt, an dem auch das neue Feuerwehrhaus fertig sein dürfte. Dann könne man auf dieses doch gleich eine der brandneuen und hochmodernen Sirenen bauen und die anderen neun Standorte nur digital ertüchtigen. Denn, so Tilz, man vergebe sich mit Warten ohnehin nichts: Vergäbe man den Ertüchtigungsauftrag jetzt, so würde es mindestens ein Jahr dauern, bis eine Firma sich dazu bereit erkläre – die Auftragsbücher seien schlichtweg zu voll.

Im Klartext bedeutet dies: Weil die Neustädter Feuerwehr aktuell ohnehin schon über die Meldeempfänger ihrer Aktiven zuverlässig und schnell alarmiert wird und die Sirenen kaum im Einsatz sind, spart man sich sowohl die Umrüstung als auch die Neuanschaffung zunächst und wartet ab, bis man die Fertigstellung des neuen FW-Hauses mit der Anschaffung einer neuen Sirene kombinieren kann. Die anderen Sirenen werden zu diesem Zeitpunkt umgestellt, so dass man momentan noch kein Geld ausgeben muss, bevor man im Herbst 2025 mutmaßlich eine Firma findet, die diese Digitalisierung bei abflauendem Auftragsdruck hoffentlich weit günstiger erledigt, als es jetzt der Fall wäre.

Nachfragen blieben aus – das Vertrauen in den Fachmann war offenbar gegeben: Die Zustimmung zur Tilz’schen Variante C erfolgte einstimmig.


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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