Mit einer Feierstunde am Stück der Berliner Mauer an der Riviera haben am Freitag zahlreiche Besucherinnen und Besucher gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Deffner der deutschen Wiedervereinigung vor 35 Jahren gedacht.
Das Stadtoberhaupt rief dazu auf, „für unsere Freiheit, Demokratie, Frieden und Menschenrechte zu kämpfen, so wie es die Menschen in der DDR vor 35 Jahren taten“.
In seiner Ansprache blickte Deffner zurück auf die Etappen der Wiedervereinigung vom Fall der Mauer am 9. November 1989 über Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion am 1. Juli 1990 und der Unterzeichnung des Zwei-plus-vier-Vertrages“ am 12. September 1990 bis hin zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Die Einheit sei das Ende einer friedlichen Revolution gewesen, die Deffner als „ein Geschenk an uns Deutsche am Ende eines für Europa blutigen 20. Jahrhunderts“ bezeichnete. Zu verdanken sei dieses Geschenk den „mutigen Bürgern der DDR“.
Das Stück Berliner Mauer, das an der Riviera in Ansbach steht, sei eine stete Erinnerung, „dass wir Trennendes zwischen Menschen überwinden müssen“. Angesichts des Erstarkens von extremistischen Parteien von links und rechts, so mahnte Deffner, und angesichts von Kriegen in der Ukraine und Gaza stelle sich die Aufgabe der inneren Einheit und der Resilienz Deutschlands ganz neu und dringend.
Er wies auch auf die populistischen und autoritären Regierungen in einigen Ländern Europas, aber auch in den USA hin. Die US-Regierung lasse ahnen, so Deffner, „dass die bald 250-jährige Geschichte dieser großen Nation, der Deutschland viel zu verdanken hat, in der Zukunft andere Wendungen nehmen könnte”.
Vor 35 Jahren seien die kommunistischen Regime in Osteuropa am Ende gewesen und die Menschen wähnten sich am Beginn einer neuen Epoche. Viele hätten an eine friedliche und demokratische Zukunft geglaubt. Aber, so Thomas Deffner, derzeit würden Terrorismus, imperiale Landnahmen und die Angst vor einem großen Krieg mitten in Europa zunehmen.
Mit Blick auf diese schwierigen Herausforderungen appellierte er, die Gemeinsamkeiten in den Fokus zu nehmen und sich wieder mehr gegenseitig zuzuhören. Er bat auch, trotz mancher Unzulänglichkeiten mancher staatlichen Institutionen sich immer wieder bewusst zu machen, dass „es uns in Deutschland weiterhin sehr, sehr gutgeht, gerade im Vergleich mit anderen europäischen Staaten“.
Der Oberbürgermeister wies am Ende auf den „Internationalen Tag des Lächelns“ hin, der am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, auch gefeiert werde. Ein Lächeln kenne keine Grenzen, keine Dialekte und keine Unterschiede, so Deffner, und sei das einfachste Zeichen von Menschlichkeit. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von dem Ensemble „Onoldia Brass“ unter Leitung von Ernst Berendes.