„Waldbaden bietet mehr als Bäume zu umarmen und Ruhe im Wald zu finden“, weiß Armin Nögel. Fühlen, riechen, hören und schmecken, in den Wald eintauchen, sich mit allen Sinnen mit der Natur verbinden – all dies geht für den ausgebildeten Waldgesundheitstrainer und Klangmassagepraktiker aus Münchsteinach damit einher.
„Waldbaden kann unsere Gesundheit, unser Nerven-, Hormon- und Immunsystem positiv und präventiv beeinflussen“, betont der 52-Jährige und weist darauf hin, dass dies von Dr. Qing Li von der Nippon Medical School in Tokio wissenschaftlich bewiesen wurde. Neben Ruhe und Entspannung wirkten vor allem Terpene (organische Substanzen) auf unser Immunsystem, führt der gebürtige Oberfranke bei einer Runde durch den Forst bei Münchsteinach aus.
Schon seit seiner Jugend ist der Vater zweier erwachsener Kinder eng mit der Natur verbunden. Seiner Arbeit im IT-Bereich, die ihm zwar gefiel, aber mit viel Stress und Hektik verbunden war, kehrte er vor Jahren den Rücken und geht seither im wahrsten Sinne des Wortes andere Wege.
Sein Fokus liegt nach den entsprechenden Ausbildungen auf der Klangtherapie, dem Wald-Coaching und der Meditation. Mit Blick auf das Waldbaden war es ihm wichtig, verschiedene Ansätze kennenzulernen. Deshalb absolvierte er Ausbildungen bei der Deutschen Akademie für Waldbaden, beim Bundesverband für Waldbaden sowie beim Deutschen Kneipp-Ärzte-Bund.
Bei den von ihm angebotenen rund zweistündigen Touren können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Wald mit allen Sinnen genießen. Unter Anleitung durch den Forst zu schlendern, entschleunigt. Dazu tragen Achtsamkeits- und Sinnesübungen bei. „Die lassen sich gut in den Alltag integrieren“, betont er. „Man muss die positiven Effekte, die Ruhe auf sich wirken lassen“, sagt er und weist auf eine Schnecke hin, die langsam über den Weg kriecht. Wenige Meter später sticht ein gelber Schmetterling ins Auge. Anhalten und betrachten – auch das entschleunigt.
Bei der gemeinsamen Tour, die ein Stück auf dem Kunst- und Naturerlebnisweg „Oasen der Sinne“ entlangführt, ist die Länge der zurückgelegte Strecke nebensächlich. „Lass die positiven Effekte auf dich wirken“, empfiehlt er und informiert, dass Waldbaden in Japan eine lange Tradition hat.
Einige Zeit später gilt es, einen Bilderrahmen auf eine beliebige Fläche zu werfen. Beim genauen Betrachten ist ein kleines Kunstwerk – ohne menschliches Zutun – erkennbar. Blätter, Moos, Äste, kleine Blumen – sie alle geben sich ein Stelldichein. „Bei diesen Waldbildern kann man das Große im Kleinen entdecken.“ Dem Münchsteinacher ist es ein Anliegen, dass seine Kursteilnehmer nichts abrupfen, der Natur gegenüber Achtsamkeit und Respekt an den Tag legen.
Beim ruhigen Dahinschreiten kommen langsam die Gedanken zur Ruhe, baut sich Stress ab. Geredet wird nicht, einfach nur einen Fuß vor den anderen setzen. Ab und zu ein Stopp, bei dem Nöpel ein Gedicht vorträgt. Bei einer Übung muss man die Farben des Waldes anhand einer Farbkarte entdecken.
Bei einer Partnerübung zieht man mit geschlossenen Augen los, um einen Baum anzusteuern. Dieser wird anschließend abgetastet. Wie fühlt sich die Rinde an? Ist sie glatt oder borkig? Wie dick ist der Stamm? Lassen sich Äste ertasten? Wie fühlt sich der Boden unter ihm an? Dann geht es wieder mit geschlossenen Augen zum Ausgangspunkt zurück. Der Partner passt auf, dass man nicht über Wurzeln oder andere Unebenheiten stürzt.
„Hier geht es auch um Teambildung und Vertrauen“, resümiert Nögel. Ihn fasziniert, dass die Leute nahezu immer den zuvor ertasteten Baum wiedererkennen. „Die Trefferquote liegt bei nahezu 100 Prozent.“ Wichtig ist, sich auf das Miteinander einzulassen. Hat der Wald-Gesundheitstrainer einen Lieblingsbaum, den er gern ansteuert, betrachtet und umarmt? Sein Favorit ist eine rund 140 Jahre alte Buche. Der Stamm ist von Moos überzogen, das sich wie ein weicher, nasser Teppich anfühlt, nachdem es kurz zuvor geregnet hat. „Wenn man am Baum lehnt, spürt man seine Energie“, erklärt der 52-Jährige.
Die Runde durch den Wald nähert sich dem Ende, nicht ohne, dass der Klangfrosch vorgeführt wird und die Metall-Zungen-Trommel zum Einsatz kommen. Ein faszinierendes Klangerlebnis. Es war interessant und hat Spaß gemacht, einen Einblick in die Arbeit eines Waldgesundheitstrainers zu bekommen, der auch mit Familien oder Jugendlichen unterwegs ist, ebenso wie mit Naturparkrangern.
Waldbaden und Wandern lassen sich gut kombinieren, unterstreicht er. Den Wetterbedingungen angepasste Kleidung und gutes Schuhwerk sind wichtig, nicht jedoch eine Badekappe und Badekleidung, wie in der Vergangenheit einmal eine Teilnehmerin dachte und mit beidem anrückte. Geschwommen wird im Wald nicht, macht Armin Nögel schmunzelnd deutlich.
Wer Lust hat, den Wald einmal mit allen Sinnen zu erleben und das Waldbaden zu testen, kann sich mit dem Münchsteinacher unter der Nummer 0171/3344620 in Verbindung setzen oder per Mail unter armin@klangwelt-steigerwald.de