Buch zu Ende gelesen - und jetzt? Schau aufs Handy! Egal, ob Instagram oder TikTok, überall gibt es Unmengen Lesetipps von Leuten, die ihre Erfahrungen mit Büchern teilen. Auch Verlage und Buchhändler mischen beim Trend zwischen Bookstagram und BookTok mit und gehen nun einen Schritt weiter: In eigenen TikTok-Shops sollen die zumeist jungen Leserinnen und Leser die Bücher auch gleich direkt in der App kaufen können. Nach dem Start des Thalia-Shops Ende März interessieren sich auch Anbieter wie Hugendubel, dtv oder Penguin Random House dafür.
„Reading makes you hot“ (Lesen macht dich heiß), schreibt Hugendubel auf TikTok. Der Münchner Buchhändler zählt auf der Plattform mehr als 11,6 Millionen Likes. Damit sei man einer der beliebtesten Kanäle der Buchbranche weltweit, sagt Geschäftsführerin Nina Hugendubel. Einen TikTok-Shop hat das Unternehmen noch nicht, doch die Planungen laufen. Man wolle den Verkauf von Buchtiteln über TikTok in Kürze testen, heißt es. Das Angebot soll sich vor allem an ein junges, trendbewusstes Publikum richten - mit vielen Titel aus den Sparten Young Adult oder New Adult.
Der Buchhändler Thalia hat diesen Schritt schon gewagt und seit Ende März einen Shop eröffnet. „Der Start lief für uns wie erwartet, auch die technische Anbindung hat gut geklappt“, meldet das Unternehmen mit Sitz in Hagen. Am Montag plant Thalia eine erste Live-Shopping-Show. Besonders gefragt seien Ratgeber, sagt eine Sprecherin.
#BookTok zieht. Mehr als 25 Millionen Bücher, die mit dem Hashtag Thema auf der Plattform waren, wurden vergangenes Jahr in Deutschland verkauft, ein Rekordwert, wie Tiktok und das Marktforschungsunternehmen Media Control unlängst berichteten.
„Es ist toll, die Zielgruppe über Social Media so direkt zu erreichen und zu begeistern“, schwärmt etwa Felicia Hoffmann, die bei der Verlagsgesellschaft dtv das Kampagnenmanagement leitet. Das Unternehmen brachte unter anderem die deutsche Übersetzung des Fantasyromans „Fourth Wing – Flammengeküsst“ von Rebecca Yarros heraus, 2024 eines der erfolgreichsten Bücher auf Tiktok. Bislang habe man die Romance- und Romantasy-Community als Offline-Käuferinnen und -Käufer wahrgenommen, sagt Hofmann. „Das könnte sich nun aber ändern.“ Deshalb ist auch das Münchner Verlagshaus an einem TikTok-Shop interessiert. Man prüfe gerade die technischen Gegebenheiten.
Auch die Verlagsgruppe Penguin Random House ist dabei, Shop-Modelle zu prüfen. Ein naheliegender Schritt, ist das Unternehmen mit Sitz in München doch offensiv in den sozialen Medien unterwegs. „Über die anhaltende Buchbegeisterung auf TikTok und Instagram freuen wir uns sehr“, schreibt Karina Liebenstein, Leiterin des Vertriebs E-Commerce. „Beide Plattformen sind schon jetzt wichtige Teile unserer Vermarktungsstrategie.“ Man sei in engem Austausch mit der Zielgruppe und beobachte auch Trends. Ein Beispiel für das Vorgehen: der Roman „Culpa Mía - Meine Schuld“ von Mercedes Ron, eine „Enemies-to-Lovers-Romance über verbotene Liebe“ und eine TikTok-Sensation, wie es auf der Verlagsseite heißt.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels findet es gut, dass neue Zielgruppen das Lesen für sich entdecken. Gleichzeitig sorge die Verwaltung der TikTok-Buchshops für Herausforderungen, sagt Hauptgeschäftsführer Peter Kraus vom Cleff. Insbesondere kleine und unabhängige Unternehmen könnten das nur schwer stemmen. Und noch etwas fehlt seiner Ansicht nach: das Erlebnis, in einer Buchhandlung zu stöbern und Neues zu entdecken, ganz analog.
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