Horst Hupp startete eine Einzelpetition an den Landtag. Dort wurde ihm jetzt „vollumfänglich“ Recht gegeben. Er wendet sich an die Öffentlichkeit, damit dieses Instrument bekannter wird und Menschen, die sich ungerecht behandelt fühlen, nicht nur jammern, sondern etwas tun.
Hupp aus dem Ergersheimer Ortsteil Seenheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) kennen viele: Sei es, weil sie bei ihm schon Apfelsaft gepresst haben, weil er ihre Bäume gestutzt hat, oder weil er auch politisch in den Reihen der Freien Wähler aktiv ist. Er ist überzeugt: Auch wenn es langen Atem braucht, lohnt es sich, dagegen vorzugehen, wenn man etwas als falsch empfindet.
In Horst Hupps Fall muss man bis ins Jahr 1998 zurückgehen. Da legte der gelernte Landwirt die Prüfung zum Fachwirt für Natur- und Landschaftspflege ab. Diese Fortbildung hatte das bayerische Landwirtschaftsministerium angeboten. Mit dem Zertifikat in der Hand machte er sich selbstständig: Seit inzwischen 27 Jahren schneidet er Bäume.
Seit kurzem gibt es über das Kulturlandschaftsförderprogramm Kulap die Möglichkeit, dass Landwirte ihre Obstbäume von Fachleuten schneiden lassen und dafür eine Förderung bekommen. Im Anhang: eine Positivliste der Ausbildungen, welche die beauftragten Personen vorweisen müssen. Dort taucht aber der Fachwirt für Natur- und Landschaftspflege nicht auf. Hupp dürfte also nicht beauftragt werden.
Er schrieb ans Landwirtschaftsministerium, doch die Mitarbeiterin, die ihm antwortete, bestätigte nur: Seine Qualifikation tauche auf der Liste nicht auf, also könne er im Rahmen des Kulap die Obstbäume nicht schneiden.
Das ist der Punkt, an dem der ein oder andere vielleicht entnervt aufgegeben, über Bürokratie und „die da oben“ geschimpft hätte und ein bisschen politikverdrossener geworden wäre. Deshalb findet es Hupp wichtig, nicht gleich klein beizugeben.
Er sprach mit dem Kreisfachberater für Gartenbau, Richard Krämer, und mit seinem damaligen Ausbilder in Unterfranken: Alle waren sich einig „Das gibt’s doch nicht.“ Man muss dazu sagen, dass es den Fachwirt für Natur- und Landschaftspflege nur bis 1998 gab, seit 1999 heißt er „geprüfter Natur- und Landschaftspfleger.“
Er nahm Kontakt zum Abgeordnetenbüro der Landtagsabgeordneten Gabi Schmidt auf, deren Mitarbeiterin ihm antwortete: Die einzige Möglichkeit sei eine Einzelpetition an den Landtag zu stellen. Gesagt, getan: Es gibt ein Online-Formular und in jedem Ministerium einen eigenen Petitionsausschuss. Mitte März reichte Hupp den Antrag ein.
Dann dauerte es ein Vierteljahr. „Für mich war das lang, doch Gabi Schmidt sagte, das sei schnell gegangen.“ Die Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber schrieb zurück – und gab ihm Recht. Die Ausbildungsbezeichnung wurde in die Liste aufgenommen, Hupp und alle anderen Fachwirte für Natur- und Landschaftspflege dürfen über das Kulap nun Obstbäume schneiden. Einzelpetition heißt also nicht, dass nur einer profitiert.
Wie viele Aufträge sind ihm durch den Fehler durch die Lappen gegangen? Der Seenheimer grinst breit: „Ich habe Arbeit ohne Ende, es ging mir nur ums Prinzip.“ Die Leute schimpfen immer, sagt er. „Aber wenn ich frage: ’Was können wir ändern?’, kommt nichts.“
Er hat sich persönlich bei der Ministerin bedankt und sie eingeladen. Er hätte da noch ein paar Ideen zur Entbürokratisierung . . .