Theater in Wolframs-Eschenbach: Abenteuer des Frauenhelden „Casanova” | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.08.2025 08:35

Theater in Wolframs-Eschenbach: Abenteuer des Frauenhelden „Casanova”

Bei „Casanova” von der Theaterfirma aus Erfurt in Wolframs-Eschenbach: Klaus Michael Tkacz verkörpert in der Erzählung alle Rollen. Linda Trillhaase ist für die Live-Musik zuständig. (Foto: Luca Paul)
Bei „Casanova” von der Theaterfirma aus Erfurt in Wolframs-Eschenbach: Klaus Michael Tkacz verkörpert in der Erzählung alle Rollen. Linda Trillhaase ist für die Live-Musik zuständig. (Foto: Luca Paul)
Bei „Casanova” von der Theaterfirma aus Erfurt in Wolframs-Eschenbach: Klaus Michael Tkacz verkörpert in der Erzählung alle Rollen. Linda Trillhaase ist für die Live-Musik zuständig. (Foto: Luca Paul)

Düstere Schatten an der Kirchenwand. Eine Geschichte voller Liebschaften, Betrug, Abenteuer und Tragik – das Leben von Giacomo Girolamo Casanova. Auf dem Kirchhof in Wolframs-Eschenbach erwachte er zum Leben. Das Sommertheater ist noch bis zum 2. August zu sehen.

Casanova ist in Liebe entbrannt. Er hat „halb Italien im Sturm flachgelegt”, war Feuer und Flamme für Constanze, dann Henriette, dann jede, die ihm über den Weg lief. Erst eine, dann zwei, dann drei Frauen zieht Klaus Michael Tkacz aus dem Publikum auf die Bühne.

Er verkörpert Casanovas Ururenkel, einen aufgeweckten Italiener, der die Geschichte des liebesdurstigen Abenteurers erzählt. Der Schauspieler mit den dunkelbraunen Locken, von der Theaterfirma aus Erfurt, wuselt über die Bühne, schlüpft in jede Rolle, verstellt seine Stimme im Minutentakt, mal Frau, mal Mann – und ist äußerst überzeugend dabei. Weitere Personen spielt er mit bunten, lebensgroßen, adelig gekleideten Stoffpuppen.

Laute Liebesabenteuer in Venedig

Alleine ist er aber nicht. Am Rande sitzt als Musikerin „Frau König”, gespielt von Linda Trillhaase. Gekleidet in einem strengen Hosenanzug, das Hemd bis oben zugeknöpft. Die rechteckige Brille hängt schief, die Mundwinkel gehen nach unten – wie bei Angela Merkel. Frau König ist skeptisch, genervt, bei den vielen Liebesabenteuern empört. Diese sind aber auch exzentrisch, laut und langlebig. Immer wieder rümpft die Schauspielerin ihre Nase. Eindrucksvoll, wie Linda Trillhaase in der Rolle bleibt.

Sie spielt auf der Geige Vivaldi, dann Mozart, dann wechselt sie zum Akkordeon und zurück. Ihre Musik ist wichtig: Sie verdeutlicht die Gefühlslage Casanovas und unterstreicht die Situation. „Spiele traurige Musik”, ruft der Ururenkel Frau König zu.

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Casanovas Leben: ein Auf und Ab

Das Leben des italienischen Schriftstellers spielt sich in Windeseile ab: Er wird als Kind verstoßen und landet im Internat, er möchte eine Frau heiraten, wird des Landes verwiesen – nicht nur einmal –, betrogen, will sich umbringen – gleich zweimal – und eröffnet eine Lotterie. Die Tragik wird bei diesem Stück mit Witz behandelt. Das Publikum lacht an ungewöhnlichen Stellen.

Casanova wird zwar als triumphierender Frauenheld gezeigt, doch viel mehr verdeutlicht das Stück, wie kurzlebig Momente sind. Wie schnell Beziehungen und Glückssträhnen enden können und das Schicksal mitspielt, wie sehr das Leben ein Auf und Ab ist. Und, dass man auch ohne Geld reich sein kann.

Mit nur wenigen Requisiten schafft es Tkacz, eine lebendige Geschichte zu kreieren und die Fantasie anzuregen. Er interagiert mit den Puppen, die ihn etwa kritisch oder überheblich anschauen.

Ausbruch aus Bleikammern in Venedig

Der Ausbruch Casanovas aus den Bleikammern in Venedig ist auch in Wolframs-Eschenbach spektakulär. Es braucht nur ein Stofftuch, etwas Gitterartiges und Licht. Schon steht Casanova mehrere Meter in der Luft auf dem Dach des Palasts. Eine wackelige Angelegenheit. Er ist den Störchen nah, sie klappern. Das Publikum staunt.

Mit der Dunkelheit nimmt Casanova die gelbe Kirchenwand ein. Faszinierend, wie überzeugend ein Schattenspiel sein kann. Licht spielt dabei eine entscheidende Rolle. „Licht Nummer sechs”, ruft der Schauspieler. „Geht nicht”, antwortet der Techniker. „Hast du Licht sieben hoch?” Was zu Beginn wie ein technischer Fauxpas wirkt – und tatsächlich einer ist –, integriert sich nach und nach perfekt in das Schauspiel. Das Dilemma passt zu dem chaotischen, italienischen Ururenkel und seiner Art und Weise des Erzählens. Offensichtliche Umbauten für die jeweiligen Szenen verleihen dem Stück seinen Charme. Und von dem hatte der italienische Frauenheld bekanntlich viel.

Weitere Vorstellungen finden am Freitag, 1. August, und Samstag, 2. August, statt. Sie beginnen jeweils um 20 Uhr auf dem Kirchhof. Bei Regen wird die Vorstellung in die Schulturnhalle im Steingrubenweg verlegt.


Luca Paul
Luca Paul
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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