Der Westbayernring soll in einigen Jahren Strom vom Nürnberger Raum bis nach Ingolstadt transportieren. Solche Großprojekte sorgen stets für Aufsehen. Bei einem Infomarkt in Neuendettelsau klärte der Betreiber Tennet die Menschen in Gesprächen auf. Diese direkte Kommunikation kommt gut an.
Eine Menschentraube bildet sich um den großen Touchscreen. Ein Satellitenbild des Gebiets westlich von Nürnberg bis Ingolstadt ist darauf zu sehen. Ein Mann zoomt mit den Fingern rein, wieder raus, fährt herum, während er erklärt. Die Zuhörer lauschen seinen Worten gebannt, als er die Karte erklärt. Er gestikuliert, redet schnell, aber nicht hektisch.
Der Redner ist Wolfgang Weinseis, Projektsprecher und Bürgerreferent bei Tennet. Der Übertragungsnetzbetreiber plant mit dem Westbayernring eine Verbindung von Raitersaich, südwestlich von Nürnberg, bis Ingolstadt, die auch durch den Landkreis Ansbach führt. Weinseis sagt: „Die bestehenden Leitungen sind teilweise über 60 Jahre alt. Die Anforderungen, die erhöhter Verbrauch und Energiewende mit sich bringen, können sie nicht mehr erfüllen.“
Nach den Plänen soll auf einer Länge von 115 bis 120 Kilometern parallel zur bestehenden 220-Kilovolt-Leitung eine 380-Kilovolt-Leitung gebaut werden. Dies sei auch von Vorteil, wenn einmal Leitungen ausfallen würden oder Reparaturen anstehen. Als Faustregel gilt: Ein Kilometer kostet etwa zwei Millionen Euro, macht in der Summe 230 bis 240 Millionen Euro für den Westbayernring. „Zum jetzigen Stand“, betont Weinseis. Preise für Rohstoffe und Handwerker stiegen in den vergangenen Jahren bekanntlich an.
Die Planungen befinden sich noch in einer frühen Phase. Auftragsvergaben und Bau sind ab 2031 vorgesehen. Tennet will in den kommenden Jahren 120 bis 160 Milliarden Euro in den Netzausbau stecken.
Zur Information der Bevölkerung hat sich Tennet für das Format eines Forums entschieden: In einem großen Konferenzsaal sind Stände und Info-Tafeln aufgebaut. Bürger können mit Mitarbeitern direkt das Gespräch suchen. „Wir haben uns für diese Form anstelle eines klassischen Vortrags entschieden“, sagt Weinseis. „Man kann individueller und konkreter fragen. Außerdem kommen bei einem Vortrag meist nur die Lauten zu Wort.“ Viele würden sich auch vor vielen Zuhörern gar nichts sagen trauen.
Das Format kommt bei den Menschen an. Weinseis schätzt die Teilnehmerzahl auf etwa 150. Eigentlich ist 15 Uhr für den Beginn angesetzt, aber schon deutlich früher stehen die ersten Menschen vor den Türen, so dass Weinseis die Veranstaltung einige Minuten früher eröffnet.
Mare Anna Lux ist Genehmigungsplanerin bei Tennet. „Wir wollen hier aufklären und Verständnis erzeugen“, sagt sie. Im direkten Gespräch könne man Wissen viel besser vermitteln. Auch werde die Notwendigkeit des Trassenbaus für die Energiewende nicht in Frage gestellt. „Die Leute sind offen. Kaum einer ist auf Konfrontation aus.“
Eine ältere Besucherin aus Neuendettelsau schlendert durch die Menschenmenge: „Ich will mich allgemein hier informieren.“ Die Energiewende betreffe schließlich alle. „Wir brauchen Wärmepumpen und wollen weg von den fossilen Brennstoffen. Irgendwie muss der Strom ja transportiert werden“, sagt sie.
Ein weißhaariger Mann hat Grund im möglichen Korridor des Westbayernrings: „Wir hatten gestern Bürgerversammlung in Weißenbronn. Der Bürgermeister konnte uns nicht verraten, ob die Trasse über unser Land läuft.“ Die Art des Forums findet er gut: „Hier kann man gleich konkret fragen.“
Die direkte Kommunikation im Forum kommt beiden Seiten zugute, findet Weinseis: „Durch ein Gespräch haben wir heute erfahren, dass ein Reiterhof im Planungsgebiet auch bewohnt ist.“ Über bewohntes Gebiet darf aber keine Stromtrasse führen: „Nun müssen wir umplanen.“